Ein Spaßkandidat? Dominik Ochs tritt für die PARTEI zur Bundestagswahl an. Foto: Müller

Erstmals können die Bewohner des Wahlkreises Zollernalb-Sigmaringen auch ein Kreuz für einen Kandidaten der Satirepartei die PARTEI machen. Dominik Ochs hat vor einem Jahr deren Kreisverband gegründet und tritt nun bei der Bundestagswahl an. Was treibt den 27-Jährigen an?

Zollernalbkreis/Balingen - "Inhalte spielen in der Politik keine Rolle mehr", sagt Dominik Ochs, "das sieht man an den großen Parteien, die ihre Inhalte wechseln wie ihre Unterhose." Der 27-Jährige Balinger sieht die PARTEI – das Kürzel setzt sich aus Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative – als Antwort auf alles, was in der aktuellen Politik schief läuft: "Wenn immer mehr Menschen die PARTEI wählen, sollte sich die etablierte Politik Gedanken machen, was eigentlich falsch läuft."

 

Seine Chancen schätzt der 27-Jährige als gering ein

Die Chancen, dass er selbst über das Direktmandat in den Bundestag einzieht, sieht Ochs recht gering. Bei der PARTEI ist er aber zuversichtlich, dass sie die fünf Prozent-Hürde knacken wird. Derzeit sitzt Marco Bülow nach einem Übertritt von der SPD für die PARTEI im Bundestag. Im EU-Parlament ist sie mit Martin Sonneborn, 2004 der Gründer der PARTEI, vertreten; Nico Semsrott holte ebenfalls ein Mandat, ist aber mittlerweile ausgestiegen. Die meisten Inhalte der PARTEI sind satirischer Natur und so bedient sich auch der Kandidat des Wahlkreises Zollernalb-Sigmaringen dieses Stilmittels, um seine Meinung über die Zustände der Politik Kund zu tun.

Dominik Ochs hat den Kreisverband der PARTEI im Herbst 2020 gegründet. Seine Motivation dahinter war, dass die Politik in vielen Bereichen seiner Meinung nach Schwachsinn macht – das sehe man aktuell im Bereich Klima und die sich häufenden Korruptionsfälle. "Wir brauchen ein gescheites Lobbyregister", meint der 27-Jährige. Ein Bundestagskandidat im Wahlkreis ist ihm ein besonderer Dorn im Auge: "Ich kandidiere, um Thomas Bareiß die Stimmen wegzunehmen", sagt der Veranstaltungstechniker und meint das durchaus ernst.

Auch in Sachen Inklusion schmeckt dem 27-Jährigen einiges nicht. Und das ist genau sein Steckenpferd. In seiner Freizeit engagiert sich Ochs bei den Freizeiten der KBF; mit einem gehandicapten Freund spricht er zudem in einem Podcast über Inklusion.

Man könnte Ochs nun vorwerfen, nur Quatsch zu machen. Doch er weiß wovon er redet. Die Polit-Satiremagazine der Öffentlich-Rechtlichen weckten bereits im Jugendalter sein Interesse für die Politik – genauer gesagt, das was falsch läuft. Ochs sieht Satire als geeignetes Mittel, der Politik den Spiegel vorzuhalten: "Unsere Hauptaufgabe ist es darauf aufmerksam zu machen, wo der Schuh in Deutschland drückt und den Etablierten zu zeigen, wo Nachbesserungsbedarf ist."

"Jede Stimme für uns ein Mittelfinger für die Etablierten"

"Wir machen keine Wahlversprechen, die können wir dann wenigstens halten", sagt Ochs. Vielmehr versteht sich die PARTEI als Protest gehen die aktuelle Politik: "Jede Stimme an die PARTEI ist ein Mittelfinger an die Etablierten", sagt der Balinger provokant.

Dabei richtet sie sich aber vor allem an die Protestwähler aus dem linken Spektrum. Den Gegenwind aus dem rechten Spektrum und der Querdenker-Bewegung habe Ochs bereits abbekommen – just als die PARTEI für das Zollernalbklinikum auf dem Marktplatz in Balingen Spenden gesammelt hat.