Was in Bad Rippoldsau-Schapbach 2023 ansteht und was ihn 2022 am meisten geärgert hat, verrät Bürgermeister Bernhard Waidele im Interview.
Bad Rippoldsau-Schapbach - Bernhard Waidele, Bürgermeister von Bad Rippoldsau-Schapbach, spricht im Interview mit dem Schwarzwälder Boten darüber, wovon er die Leistungsfähigkeit Deutschlands bedroht sieht, was für die weitere Einwohnerentwicklung seiner Kommune wichtig ist und er verrät, ob er sich eine dritte Amtsperiode vorstellen kann.
Herr Waidele, worüber haben Sie sich im vergangenen Jahr kommunalpolitisch am meisten gefreut?
Am meisten habe ich mich über die Neueröffnung unseres Waldfreibades nach der zweieinhalb Jahre dauernden Grundsanierung und über die Namensgebung "Wolftal-Erlebnis-Waldfreibad" gefreut. Bürgermeister Johannes Armbruster, ein Großonkel von mir, hatte 1938 angefangen, das Bad unter dem Slogan "Sport macht frei" mit dem Gemeinderat zu bauen. Ich durfte es nun grundlegend sanieren und mit vielerlei Attraktionen aufwerten. Die Perlen sind das Kinderplanschbecken mit kindgerechter Rutsche und die große Breitwellenrutsche. Auch über die unvergessliche 800-Jahr-Feier sowie die Mithilfe der Vereine und der Bevölkerung aus der Gesamtgemeinde habe ich mich gefreut.
Und worüber haben Sie sich am meisten geärgert?
Am meisten ärgere ich mich über die überbordende Bürokratie, die kein Mensch braucht. In unserer überbürokratisierten Zeit, in der wir uns mit Verordnungen und übergestülpten nichtnutzenden Gesetzen gegenseitig im Weg stehen, besteht ein dringender Reformbedarf, wollen wir die gesamtstaatliche Leistungsfähigkeit Deutschlands nicht aufs Spiel setzen. Langatmige Genehmigungsverfahren, bei denen jede Verwaltungseinheit nur ihre eigene Teilaufgabe, nicht aber das Ganze im Blickfeld hat, sorgen für widersprüchliche Argumentationen, die keiner mehr verstehen, geschweige denn nachvollziehen kann.
Was wird wichtig für die Gemeinde in diesem Jahr?
Das Nahwärmeprojekt in Bad Rippoldsau und die Kindergarten-Grundsanierung in Schapbach werden wichtig. Das sind ehrgeizige Millionenprojekte, die von einer der strukturschwächsten Gemeinden nur mit einer maximalen Förderung zu stemmen sind. Es braucht einen möglichst ausgeglichenen Haushalt, um weitere Infrastruktur-Maßnahmen planen und angehen zu können. Auch das Baugebiet "Wohnen mit Wolftal-Panoramablick" am Polderberg in Schapbach ist von elementarer Bedeutung für die weitere Einwohnerentwicklung.
Was erhoffen Sie sich von der Landes- und Bundespolitik?
Das Bildungssystem in Baden-Württemberg muss neu überdacht und den tatsächlichen Anforderungen und Herausforderungen unserer Gesellschaft angepasst werden. Sie sehen ja den Fachkräftemangel allgemein sowie das Handwerkerproblem in allen Berufsfeldern. Unsere Werkrealschulen waren doch nicht so schlecht wie man diese hingestellt hat, denn es können nicht alle vermeintliche Akademiker im weißen Kittel werden. Von der Bundespolitik erwarte ich klare und nur notwendige Gesetze sowie Verordnungen, die den Menschen nützen und keine Bürokratie-Monster.
Welche Probleme sehen Sie mit Blick auf 2023 auf ihre Kommune zukommen?
Die explodierenden Energiekosten, steigende Personalkosten, steigende Zinsen, eine sehr hohe Inflationsrate, wahrscheinlich steigende Flüchtlingszahlen mit all den Herausforderungen, Fachkräftemangel, reduzierte mögliche Förderungen auf die wir als eine der strukturschwächsten Gemeinden mit all den Herausforderungen einer 7314 Hektar umfassenden Flächengemeinde mit nur 2200 Einwohnern immer und auch zukünftig weitgehend angewiesen sind.
Haben Sie sich persönliche Ziele für dieses Jahr gesetzt? Wenn ja, welche? Wenn nein, warum nicht?
Die Bürgermeisterwahl in Bad Rippoldsau-Schapbach, einer liebenswerten, strukturell benachteiligen, jedoch von der Natur bevorzugten, manchmal nicht ganz einfach zu verwaltenden Doppelgemeinde steht in diesem Jahr an. Sollte sich bis zum Bewerbungsende keine oder kein Bewerber den herausfordernden und zukünftigen Aufgabenbereiche zur Bürgermeisterwahl stellen, werde ich mich für eine weitere und somit dritte Amtsperiode bewerben und die Wählerinnen und Wähler um ihre Stimme bitten. Ich bin mit Herzblut und dem dazugehörenden Engagement sehr gerne Bürgermeister für meine Heimatgemeinde Bad Rippoldsau-Schapbach und fühle mich für die zukünftigen Aufgaben mit all den auf uns zukommenden Herausforderungen gerüstet. Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern, dem Gemeinderat und der Verwaltung wollen wir für die Wolftal-Gemeinde Bad Rippoldsau-Schapbach, unsere wunderschöne Heimatgemeinde, zum Wohle ihrer Einwohner weitergestalten und weiterentwickeln.
Der Polizeiposten in Bad Rippoldsau schließt. Haben Sie Ideen oder Pläne, wie man verhindern kann, dass noch mehr wichtige Infrastruktur in Ihrer Gemeinde verschwindet?
Sollte sich die Angelegenheit auf den Polizeiposten beschränken und nicht weitere wichtige Infrastruktur in unseren ländlichen Flächengemeinden wegbrechen oder beschränken, ist das noch zu verkraften, weil wir Bad Rippoldsau-Schapbacher als einzige badische Gemeinde im Landkreis Freudenstadt ein friedliebendes Völkchen sind, so lange man den Wünschen dieser Gemeinde und deren Bevölkerung nachkommt.