Paula und Kim Fricke aus Bochingen sind 17 und 18 Jahre alt. Mithilfe ihrer Eltern haben sie Anfang Juli einen Bubble-Tea-Laden in Oberndorf eröffnet. Zukünftig sind ein Mutter-Kind-Café und ein Treffpunkt für Jugendliche geplant, im besten Fall im Burger-King-Gebäude.
Oberndorf - Wer hatte nicht schonmal die Idee, einen eigenen Laden oder ein eigenes Geschäft zu öffnen? Der Gedanke kommt schnell, die Umsetzung ist meist schwierig. Familie Fricke aus Bochingen ist dies gelungen.
Initiatoren waren die beiden jüngsten Töchter Kim und Paula, die noch nicht mal volljährig sind beziehungsweise erst sei kurzem das 18. Lebensjahr erreicht haben.
"Wir waren in Böblingen einkaufen und haben uns dort einen Bubble Tea geholt. Die Mädchen haben daraufhin gefragt, ob wir so etwas nicht nach Oberndorf bringen können", berichtet Mutter Odett über das Zustandekommen der Idee. Gesagt getan, denn fünf Wochen später, im Juli, öffnete das Geschäft in der Oberndorfer Talstraße.
Bubble Tea in Oberndorf: Start läuft sehr gut
Wie fällt das Fazit nach gut dreieinhalb Monaten aus? "Wir sind begeistert. Das Angebot wird sehr gut angenommen", berichtet Kim Fricke. Ihre Mutter ergänzt. "Zu Beginn war die Skepsis auch innerhalb der Verwandtschaft groß, so etwas während der Corona-Pandemie zu machen. Aber es hat sich gelohnt".
Bubble Tea entwickelte sich gerade im Sommer zu einem Trendgetränk, speziell unter Kindern und Jugendlichen. Ursprünglich stammt es aus Taiwan, die Frickes nutzen aber nur europäische Produkte. "Die sind zwar teurer im Einkauf, aber Qualität ist uns sehr wichtig", erläutert Odett Fricke, die den Laden managed, so lange die Töchter noch in der Schule sind.
Der ganz große Hype um das Getränk ist zwar wieder etwas verflogen, aber die Frickes haben schon vorgesorgt. "Wir werden bald auch Donuts und heiße Schokolade anbieten. Corndogs gibt es jetzt schon", lässt die 18-jährige Kim wissen.
Umzug fest geplant
Es gibt nämlich ein großes Ziel: Im besten Fall bereits nächsten Sommer soll ein größeres Gebäude angemietet werden. Wunschziel wäre das seit längerer Zeit verwaiste Burger-King-Gebäude. "Das wäre klasse, es gäbe aber auch Alternativen", erläutert Odett Fricke. Entstehen soll dann ein Treffpunkt für Jung und Alt.
So soll morgens ein Mutter-Kind-Café geöffnet haben, während im gleichen Gebäude mittags ein Angebot für Jugendliche und Kinder geschaffen werden soll. "Wir sind der Meinung, dass die Kinder in Oberndorf kaum eine Möglichkeit haben, sich richtig zu treffen", meint Kim. Ihre Mutter geht weiter und sagt: "Die Kinder werden vergessen".
Die Familie möchte etwas dagegen tun und das Gemeinschaftsgefühl wieder stärken. Eine Kleidertauschbörse soll dann ebenfalls eingerichtet werden. Auf Nachhaltigkeit wird jetzt bereits sehr geachtet, und ein Sozialarbeiter soll ins Boot geholt werden.
Vater als Geschäftsführer eingeschrieben
"Es geht aktuell darum, Kapital für den ›Umzug‹ zu schaffen", sagt Odett Fricke. Sie betont zudem, dass die Ideen und Umsetzung von ihren Töchtern kommt und sie sich da auch nicht einmischt. "Ich bin wirklich enorm stolz. Es ist schön zu sehen, wie sehr sie in ihrem jungen Alter schon an andere denken".
Zumal die Beiden ja noch die Schule besuchen. Da sind sie froh, dass Mutter Odett und Vater Dirk, der als Geschäftsführer eingeschrieben ist, aushelfen. "Es ist schon machbar. Ich kann Schule und Laden ganz gut trennen", berichtet Kim Fricke.
Sie spricht auch über das Gefühl, zum ersten Mal in den eigenen Laden zu kommen. "Vor dem Umbau konnte ich es mir gar nicht vorstellen. Aber jetzt sieht es schon geil aus", gerät die 18-Jährigen ins Schwärmen. Schwester Paula spricht liebevoll von "ihrem Baby".
Junge Eigentümer
Neben den Eigentümern scheinen auch die Kunden zufrieden zu sein. "Wir bekommen viel positives Feedback. Auch das geplante neue Konzept stößt bei vielen Eltern auf Zustimmung", lässt Odett Fricke wissen. Auch sie hat einen kleinen Traum. "Es wäre super, wenn vielleicht Oberndorfer Firmen mitmachen und unser Projekt irgendwann unterstützen. Am Thema Crowdfunding sind wir dran".
Die Entwicklung darf gespannt verfolgt werden. Und im Optimalfall bekommen Kunden im alten Burger-King dann nächsten Sommer keine Nuggets, Pommes oder Burger, sondern Bubble Tea und Donuts.