Bauamtsleiter Thomas Kuntosch vor einer Stellwand im Foyer des Rosensaals, auf der die Entwürfe des Wettbewerbs zu den Brücken zu sehen sind. Foto: Braun

Brücken erhitzten die Gemüter in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Nach der Ausschreibung eines Wettbewerbs zu den vier geplanten Brücken im Unterdorf, die im Rahmen der Gartenschau realisiert werden sollen, stellte die Verwaltung die Brückenentwürfe der Wettbewerbsteilnehmer vor.

Baiersbronn - Bürgermeister Michael Ruf sprach von hochwertigen Entwürfen. Alle Preisträger lagen bei der Entscheidung nah zusammen. "Nicht alle Brücken müssen gebaut werden", erklärte Bauamtsleiter Thomas Kuntosch. Möglicherweise könnte auf die Brücken am Gemeindehaus und an der Neumühle verzichtet werden, wichtig sei jedoch die Querverbindung zwischen Rosenplatz und Schelklewiese.

Heimisches Material

Hier habe die Firma Knippers Helbig GmbH aus Stuttgart den ersten Preis erzielt, allerdings werde auch die Brücke des dritten Preisträgers, Stararchitekt Kengo Kuma aus Tokio, als besonders interessante Brückenlösung gesehen. "Wir wollten etwas Innovatives und Neues" so Kuntosch. Es sollte Holz als heimisches Material verwendet werden, und alle vier Brücken sollten eine Brückenfamilie bilden, erklärte der Bauamtsleiter. Kengo Kuma hatte neben einer innovativen Drahtgeflecht-Brücke, die begrünt wird, auch eine überdachte Holzbrücke mit Schindelfassade entworfen. "Hier können wir uns auch vorstellen, diese Brücke an Stelle der Mietbrücke über die Murg zu bauen, da die bestehenden Fundamente verwendet werden können", so Kuntosch. Die Brücke von Kengo Kuma könnte laut Kuntosch ein Hingucker für Baiersbronn werden. Die Kosten für die Brücken würden alle im gleichen Rahmen liegen.

Sabine Finkbeiner, Bezirksbeiratsvorsitzende von Baiersbronn, erklärte, dass sich der Bezirksbeirat gewundert habe, dass aus den ursprünglichen vier Brücken auch nur zwei werden könnten. Der Bezirksbeirat habe in jedem Fall die Achse Rosenplatz-Schelklewiese als wichtig befunden und lediglich eine Sanierung der bestehenden Brücke an der Neumühle vorgeschlagen. Bürgermeister Michael Ruf erklärte, dass eine Sanierung der Neumühle-Brücke nicht möglich sei, da sich durch die Hochwasserschutzmaßnahmen das Ufer verändern werde und daher die bestehende Brücke nicht mehr passend sei.

Michael Ruoss (CDU) lobte die gute Arbeit des Preisgerichts, stellte aber klar, dass durch einen Bau der von Kengo Kuma entworfenen Brücke der Autoverkehr ausgeschlossen sei. Ruoss wollte wissen, ob das nicht ein Nachteil sei, da dann die Brücke nicht für eine Umleitung genutzt werden könne. Ruf erklärte, dass die Wahrscheinlichkeit, diese Brücke für den Autoverkehr nochmal nutzen zu müssen, gering sei. Vielmehr wäre es schade, auf einen spannenden Entwurf des Architekten aus Tokio zu verzichten. Lutz Hermann (FDP/UBL) sprach von einer genialen Lösung.

Brücken sollen Wiedererkennungswert haben

"Die Entscheidung des Preisgerichts sollte respektiert werden. Hier wurde der Sieger ermittelt", sagte Ernst Schleh (FWV). Er befürworte zunächst die Weiterverfolgung aller vier Brücken. Außerdem sollten alle Brücken einen Wiedererkennungswert haben. Als besonders ansprechend bezeichnete Friederike Schneider (BUB) die Brücke von Kengo Kuma. Michael Seitz (SPD) stellte klar, dass die Entscheidungshoheit am Ende beim Gremium liege. "Der Wettbewerb war eine Kreativwerkstatt. Er hat uns geholfen, Dinge zu finden, die uns passen. Am Ende entscheiden wir, was uns gefällt", sagte Seitz. Alle vier Brücken seien auch eine Frage der Finanzierbarkeit. Georg Klumpp (FDP/UBL) bezeichnete die Brücke von Kengo Kuma als "Eyecatcher". Diese könnte auch die Verbindung Rosenplatz-Schelklewiese werden. "Wir haben das diskutiert. Aber die Jury war der Meinung, dass diese Brücke dort zu wuchtig ist und mit dem angedachten Buswartehaus kollidiert", erklärte Ruf dazu.

"Es wird sich um Millionen handeln. Mir wird es Angst, wenn ich sehe, mit welchen Summen wir hier um uns werfen, die ›Eyecatcher‹ müssen auch bezahlt werden", mahnte Horst Medel (CDU). Ruf stimmte dem zu. Alles müsse natürlich finanzierbar sein. Wichtig sei es jedoch, zunächst die Planungsprozesse voranzutreiben, um verlässliche Aussagen zu bekommen.

Ingo Christein (CDU) sprach sich für eine konkrete Festlegung aus, welche Brücken überhaupt gebaut werden sollen. Michael Seitz (SPD) regte an, erst einmal die Rahmenbedingungen festzulegen. "Wir brauchen die Planer, um die Kosten überhaupt zu ermitteln. Sonst drehen wir uns ewig im Kreis. Mit dem Beschluss ist nichts passiert. Aber wir kommen weiter ", mahnte Ruf.

Nun die nächsten Schritte

"Wo gibt es jetzt überhaupt ein Problem? Wir haben einen Kostenrahmen und wir haben vier Standorte, nun müssen wir die nächsten Schritte gehen", ergänzte Tourismusdirektor Patrick Schreib.

Bei drei Gegenstimmen und einer Enthaltung stimmte der Gemeinderat zu, den ersten Preisträger für die Realisierung der Brücke von der Schelklewiese zum Rosenplatz zu beauftragen und eventuell für die Brücke in Höhe des Gemeindehauses. Der Entwurf der überdachten Brücke über die Murg von Kengo Kuma soll ebenfalls weiterverfolgt werden.n Im Foyer des Rosensaals sind alle Brückenentwürfe des Wettbewerbs ausgestellt. Sie können von allen Interessierten in den nächsten drei Wochen zu den Öffnungszeiten der Baiersbronn Touristik besichtigt werden.

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