So soll die neue Brennstoffzellenfabrik aussehen. Foto: Visualisierung: Cellcentric/Cellcentric

Der Brennstoffzellenhersteller hat einen EU-Förderantrag für wichtige Projekte zurückgezogen. Hat das Folgen für die Pläne einer Brennstoffzellenfabrik in Weilheim?

Es ist ein Paukenschlag. Das Unternehmen Cellcentric, das Joint Venture von Daimler Truck und Volvo, das sich auf die Herstellung von Brennstoffzellen für den Schwerlastverkehr spezialisiert hat, verzichtet für den Bau seiner neuen Produktionsstätte auf rund 360 Millionen Euro staatliche Förderung. Das hat das im Kirchheimer Stadtteil Nabern (Kreis Esslingen) beheimatete Unternehmen am Mittwoch verkündet.

 

Damit tritt das Unternehmen Gerüchten entgegen, das Haushaltsurteil des Bundesverfassungsgerichts könnte Einfluss auf die Planungen einer der größten europäischen Brennstoffzellen-Produktionsstätten im benachbarten Weilheim haben. „Wir haben den Ipcei-Förderantrag bereits vor dem Urteil zurückgezogen und sind deshalb nicht direkt davon betroffen“, betont Cellcentric-Chef Matthias Jurytko.

Gefördert werden wichtige Projekte von europäischem Interesse

Ipcei ist die Abkürzung für „Important Project of Common European Interest“, steht also für wichtige Projekte von allgemeinem europäischem Interesse. Mit dem Programm der Europäischen Union können Staaten Unternehmen subventionieren, die einen wichtigen Beitrag zu Wachstum, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit der gesamten EU leisten. Die EU hatte Cellcentric bereits vor mehr als einem Jahr wegen der überragenden Bedeutung des Themas Brennstoffzelle ins Ipcei-Programm aufgenommen. Die Bundesregierung hatte daraufhin Cellcentric 253 Millionen Euro, das Land Baden-Württemberg 108 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Doch nach intensiver Prüfung der Förderkriterien und der Abwägung aller Vor- und Nachteile ist Cellcentric zu dem Schluss gekommen, dass das Unternehmen auf diese Förderung verzichten wird. In der Begründung heißt es: „Erfolge in neuen Technologiefeldern, wie der Brennstoffzellentechnologie für schwere Nutzfahrzeuge, erfordern schnelles und flexibles Reagieren auf neue Entwicklungen.“

Matthias Jurytko führt das weiter aus: „Von Cellcentric wird es nicht mehr als möglich erachtet, diese notwendige Umsetzungsgeschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit bei gleichzeitiger Einhaltung aller Ipcei-Anforderungen sicherzustellen und beizubehalten.“

Die Ipcei-Entscheidung soll nichts mit Weilheim zu tun haben

Ganz wichtig ist dem Unternehmen, dass die Pläne für die Entwicklung der Brennstoffzellenfabrik im neuen Weilheimer Gewerbegebiet Rosenloh von der Entscheidung gegen das Ipcei-Programm nicht betroffen sind. Jurytko: „Cellcentric hält an den Plänen zur Industrialisierung seiner Technologie fest und beabsichtigt nach wie vor, sein Klimawerk in Weilheim zu errichten, damit den innovativen Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg zu stärken und das Brennstoffzellen-Know-how langfristig in der Region zu verankern.“

Ob das gelingt, müssen die kommenden Wochen zeigen. Zwar sind bisher 97 Prozent der Flächen für das 30 Hektar große Gewerbegebiet notariell der Stadt Weilheim zugesagt. Vertraglich vereinbart ist aber, dass die Verkäufer nur bis zum 31. Dezember an die ausgehandelten Verträge gebunden sind. Die Zeit drängt also. Doch noch immer fehlen dem Vernehmen nach die Unterschriften von drei Grundstücksbesitzern. Die Verhandlungen laufen seit Monaten auf Hochtouren.