Einen außergewöhnlichen Fall von Brandstiftung hat das Amtsgericht VS zu verhandeln. Auf der Anklagebank nimmt ein Feuerwehrmann aus Schwenningen Platz, dem vorgeworfen wird, das eigene Auto angezündet zu haben.
Mehr als ein Jahr, nachdem in einer Tiefgarage in der Alten Poststraße in Schwenningen ein BMW in Flammen aufging, muss sich ausgerechnet ein Angehöriger der Feuerwehr wegen Brandstiftung vor dem Amtsgericht in Villingen verantworten.
Dann sollen die Geschehnisse, die sich am 1. Februar 2023 abgespielt haben, aufgerollt werden. An jenem Nachmittag kam es zu einem Feuer, bei welchem es gleich mehrere Wendungen gab. Angesichts der massiven Rauchentwicklung, welche die Feuerwehr am Brandort vorgefunden hatte, dürfte bei den Kräften zunächst der Puls hochgegangen sein.
Denn auch eine Gefahr für die darüberliegenden Wohneinheiten war nicht auszuschließen, weswegen der Fokus nicht nur auf der Brandbekämpfung, sondern ebenso auf der möglichen Rettung von Menschen lag. Letztlich ging der Einsatz glimpflich aus: Verletzt wurde niemand, der Brand konnte schnell lokalisiert und der Schaden damit begrenzt werden.
Schmierereien stechen hervor
Dass es sich um keinen gewöhnlich Brand handelt, wurde jedoch gleich zu Beginn deutlich. Schmierereien am in Flammen aufgegangen BMW 320D legten zum einen nicht nur den Verdacht nahe, dass es sich um Brandstiftung handelt – viel mehr stand gar ein gezielter Brandanschlag im Raum.
Mit dem entsprechenden Entsetzen verfolgte daher der Besitzer des Autos die Löscharbeiten, schien dabei kaum zu begreifen, was vor sich geht. Kriminalbeamte übernahmen noch während des Einsatzes der Feuerwehr die Ermittlungen. Auch der BMW-Besitzer war befragt worden.
BMW-Fahrer ist Feuerwehrmann
Zudem sicherte die Kriminaltechnik in der Tiefgarage Spuren, Beamte hatten unter anderem einen roten Benzinkanister als mögliche „Tatwaffe“ in eine Asservatentüte gepackt. Anschließend war der zerstörte Fahrzeug von einem Bergungsunternehmen abtransportiert worden.
Kurz darauf die spektakuläre Wendung: Ausgerechnet der Besitzer des Fahrzeugs, ein damals 23 Jahre alter Mann, soll seinen eigenen BMW angezündet haben. Und: Es handelt sich bei dem Tatverdächtigen und nun Angeklagten um ein mittlerweile frei gestelltes Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, der der Schwenninger Abteilung angehört.
Verhandlung am 10. April
Nach umfangreichen Ermittlungen erhärtete sich schließlich der Verdacht gegen den jungen Mann, so dass die Staatsanwaltschaft ihn wegen des Verdachts der Brandstiftung anklagte. Das Schöffengericht des Amtsgerichts Villingen-Schwenningen ließ diese Anklage schließlich zu – nun wird der Fall justiziell aufgearbeitet.
Wie Bernhard Lipp, Pressesprecher des Amtsgerichts, auf Anfrage unserer Redaktion erklärt, sitzt der Feuerwehrmann am 10. April ab 9 Uhr auf der Anklagebank. Dann wird sich entscheiden, ob der BMW-Fahrer tatsächlich für die Brandstiftung verantwortlich ist und was die Hintergründe dieses außergewöhnlichen Falls sind.