Sie unterstützen die Vereine mit einem Hilfsfond (von links): Steffen Würth, Vorsitzender des Stiftungsrates der Bürgerstiftung, Bürgermeister Micha Bächle und Stiftungsvorstand Jürgen Guse. Foto: Stadtverwaltung Foto: Schwarzwälder Bote

Ausnahmezustand: Kicker, Narren und Musiker planen / Stadt will auch finanziell helfen / Große Festkultur

Wie sehr es die Bräunlinger nach Veranstaltungen sehnt, konnte man an der Gemeinderatsitzung sehen. Kein anderes politisches Gremium im Städtedreieck schaffte es, nach der Corona-Sitzungspause so viele Bürger anzulocken, dass schon einmal die Sitzplätze nicht ausreichten. Ja, es waren fast mehr Zuhörer, als Gemeinderäte.

Bräunlingen (jak). "Man sieht erst einmal, wenn so etwas zwei Monate fehlt, was da verloren geht", sagt FDP-Fraktionssprecher Armin Ewald. "Bräunlingen hat eine gute Festkultur und wir müssen daran schaffen, dass das so bleibt", fordert Ewald. Und den Vereinen gehe aktuell vieles verloren, da müsse die Stadt doch helfen.

Mit dieser Meinung war er nicht allein: Anlass für die Diskussion war der Ausfall des Straßenmusiksonntages, der immer Ende August stattfindet und definitiv unter das Großveranstaltungsverbot fällt. "Es ist schon erschütternd, dass das die Vereine so trifft. Das war mir so auch nicht bewusst", sagt CDU-Fraktionssprecher Michael Gut. Gerade die Narrenzunft, der Fußballclub und die Stadtkapelle werden den Ausfall der Traditionsveranstaltung finanziell merken. Und, dass die Kilbig im Oktober im gewohnten Umfang stattfinden kann, daran wagt kaum ein Stadtrat noch zu glauben.

Doch was tun, um die Vereine zu unterstützen? Den Straßenmusiksonntag verschieben? Gar gleich einen anderen Turnus wählen? Oder 2022 parallel zum Dögginger Brunnenfest in Bräunlingen eine Großveranstaltung planen? Ideen und Gedankenspiele gab es viele, doch alles schien nicht praktikabel.

Aber in Bräunlingen im kommenden Jahr ein anderes Fest auf die Beine zu stellen – das ist mehr als denkbar, denn die Narren, Kicker und Fußballer haben sich schon unterhalten: "Wir werden sicher kein Schwartenmagensonntag und keinen abgespeckten Straßenmusiksonntag machen. Aber wenn die drei großen Vereine von Bräunlingen etwas zusammen anpacken, dann können sich die Gemeinderäte sicher sein, dass es schon etwas Rechtes wird", sagt Narrenchef Matthias Reichmann, und sein Pendant von den Musikern, Martin Hornung, fügt hinzu: "Wir wollen ein Signal setzen und sehen es auch als Chance an, etwas zusammen zu machen."

Skeptischer ist da schon eher der SPD-Fraktionssprecher Clemens Fahl: "Die Bräunlinger Feste leben auch vom Umland und ich sehe die Problematik, dass nächstes Jahr jeder seine Veranstaltungen nachholt und wir Feste ohne Ende haben." Da sei es nicht sinnvoll, irgendetwas Neues zu kreieren. Aber die Stadt könne das Geld, das sie nun nicht für den Straßenmusiksonntag ausgeben muss, einfach als Vereinsförderung verwenden, um so die Vereine "über Wasser" zu halten.

Kein Straßenmusiksonntag, keine Kilbig und sonst auch nicht viel: "Vielleicht haben auch alle wieder mehr Lust auf Feste zu gehen, wenn sie ein Jahr darben mussten", so die Überlegung von Berthold Geyer, Fraktionssprecher der Gruppe 84, der sich persönlich ein "Fest in Bräunlingen für Bräunlinger" wünscht und von der "Lust, nächstes Jahr wieder einmal ein richtiges Fest im Städtle" zu machen, spricht.

Bächle: "Es tut weh (...), weil wir wirklich sehr, sehr gerne festen."

Und so wird die Stadt das Fest organisatorisch und finanziell unterstützen. Aber: "Beim Straßenmusiksonntag handelt es sich um eine städtische Veranstaltung, alles andere sind Veranstaltungen, die die Vereine ausrichten", erklärt Bürgermeister Micha Bächle. Es wird also nicht automatisch bei jedem Fest eine Beteiligung der Stadt geben. Doch auch für alle anderen Vereine hat Bächle, dem bewusst ist, wie sehr die Krise die Vereine trifft, eine gute Nachricht. Er hat einen Hilfsfond initiiert. Und ansonsten ist er auch sicher nächstes Jahr beim Narren-Kicker-Musiker-Fest anzutreffen: "Es tut weh, wenn Veranstaltungen wie der Straßenmusiksonntag oder die Kilbig nicht stattfinden können, weil wir wirklich sehr, sehr gern festen."

Die Corona-Krise hat einen Großteil des Vereinslebens in Bräunlingen zum Erliegen gebracht und zusätzlich fallen viele Veranstaltungen aus. Vereinsfeste und Großveranstaltungen sind für viele Vereine aber eine wichtige Einnahmequelle. Daher wurde nun auf Anregung von Bürgermeister Micha Bächle ein Hilfsfonds für Vereine initiiert.

 Der Hilfsfonds: Gemeinsam mit der Sparkasse Schwarzwald-Baar, der Volksbank Schwarzwald-Baar-Hegau und der Bürgerstiftung sollen Vereine finanzielle Unterstützung bekommen. Der Hilfsfond wird mit insgesamt 13 000 Euro bestückt sein. "Wir wollen in dieser schwierigen Zeit an der Seite unserer Vereine stehen", so Bürgermeister Micha Bächle und fügt hinzu: "Ich freue mich, dass die Sparkasse Schwarzwald-Baar, die Volksbank Schwarzwald-Baar-Hegau und vor allem die Bräunlinger Bürgerstiftung das Projekt gemeinsam tragen."

  Die Finanzierung: Der Hilfsfonds ist ein Dach. Die Auszahlung erfolgt dann direkt durch die einzelnen Partner. Der Hilfsfonds setzt sich wie folgt zusammen: 5000 Euro kommen von der Sparkasse Schwarzwald-Baar sowie der Sparkassenstiftung Donaueschingen. Die Volksbanken und Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg haben ein Soforthilfeprogramm aufgelegt. Aus diesem Topf wird die Volksbank Schwarzwald-Baar-Hegau weitere 5000 Euro zur Verfügung stellen. Die Vereine und Institutionen sollen bei der Sicherung ihrer Existenz und Überbrückung von akuten Liquiditätsengpässen, unter anderem für Betriebskosten wie Mieten, Kredite für Räumlichkeiten und Ähnliches unterstützt werden.

 Die Bürgerstiftung: "Als großes Zeichen der Verbundenheit in der Bürgerschaft freut es mich, dass sich auch die Bürgerstiftung Bräunlingen an dem Projekt beteiligt", erläutert Bächle. Die Bürgerstiftung wird sich mit weiteren 3000 Euro beteiligen. Gelder aus diesem Topf müssen einen konkreten Bezug zur Jugendarbeit haben. "Die Bürgerstiftung beteiligt sich gerne an dem Projekt und an der Unterstützung der Vereine. Sie sind ein wichtiger Eckpfeiler der Bräunlinger Gemeinschaft und machen ausgezeichnete Jugendarbeit", so Stiftungsvorstand Jürgen Guse und der Stiftungsratsvorsitzende Steffen Würth.

  Die Bewerbung: Alle Vereine aus der Gesamtstadt können sich bis 14. Juni bewerben. Sie wurden bereits angeschrieben. Bei der Vergabe sollen mit Vorrang Vereine bedient werden, die große finanzielle Einbußen und gleichzeitig weiterlaufende Kosten haben. Auch gilt es die Vorgaben der einzelnen Partner zu berücksichtigen. Eine Förderung soll auch in Abhängigkeit von der Mitgliederzahl, laufenden Kosten und Einnahmeausfällen durch fehlende Veranstaltungen erfolgen. Über die Auswahl entscheiden die Projektpartner.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: