Ist immer noch topfit: Boxer Firat Arslan Foto: Imago/Torsten Helmke

Der 52-jährige Ex-Weltmeister boxt an diesem Samstag in Villingen-Schwenningen, um in Form zu bleiben – für seine große Abschieds-Gala im Oktober.

Der Plan war ein ganz anderer. Hätte alles geklappt wie gedacht, dann wäre Firat Arslan (52) jetzt Box-Rentner. Und er hätte in seinem letzten Kampf vielleicht sogar noch einmal einen WM-Gürtel gewonnen. Aber es lief nicht wie erhofft.

 

Firat Arslan, der Ex-Weltmeister im Cruisergewicht (bis 90,7 Kilogramm), wollte am 20. Mai in Göppingen die Handschuhe letztmals überstreifen und sie danach in die Ecke legen. Doch aus seiner Abschiedsgala wurde nichts, weil es Ereignisse gibt, die bedeutender sind. Viel bedeutender. Gerade als Arslan und seine Frau Dilek, die Cheforganisatorin, mit der PR-Kampagne für ihre Veranstaltung starten wollten, bebte in der Türkei und in Syrien die Erde, mehr als 50 000 Menschen verloren ihr Leben. „Angesichts dieses unfassbaren Unglücks und des großen Leids konnten wir unmöglich damit beginnen, für einen Boxabend zu werben“, sagt Firat Arslan. Folglich wurde der Termin auf den 21. Oktober verschoben. Weshalb nun ein neuer vorletzter Kampf ansteht.

Vor drei Wochen erhielt Arslan von Ardian Krasniqi, dem Neffen seines Freundes Luan Krasniqi, das Angebot, am Samstag, 27. Mai, in Villingen-Schwenningen in den Ring zu steigen. Jungprofi Ardian Krasniqi ist dort der Hauptkämpfer, Arslan wird wie Tyron Zeuge, ein weiterer Ex-Weltmeister, im Vorprogramm antreten. „Ardian ist ein super Junge, den ich sehr gerne pushe“, sagt der Routinier aus Donzdorf, dem dieser Termin aber auch noch aus einem anderen Grund ganz gut passt: „Ich habe weiterhin beste Ausdauerwerte, meine Fitness ist top. Aber ohne Kämpfe in Form zu bleiben, das funktioniert nicht.“

Firat Arslan hat sechs Kilogramm abtrainiert

Gegner an diesem Samstag wird Ibrahim Yildirim (31) sein, ein früherer MMA-Fighter, der mittlerweile 14 Duelle als Boxprofi bestritten hat. 13 davon endeten vorzeitig (zehn Siege, drei Niederlagen). „Das zeigt, dass er ein Draufgänger ist, der es richtig wissen will“, sagt Firat Arslan, der in seiner kurzen Vorbereitung schon sechs Kilogramm abtrainiert hat. „Ich werde sicher nicht in der Verfassung sein, die ich bei einem WM-Duell hätte. Aber ich nehme den Kampf selbstverständlich sehr ernst. Eine Niederlage wäre blamabel und fatal – denn dann bräuchte ich gar nicht mehr von einem großen Auftritt zum Abschied im Oktober reden.“

Firat Arslan gehört seit fast zwei Jahrzehnten zur Weltspitze im Cruisergewicht, in der Rangliste der WBA, einem der vier großen Boxverbände, steht er derzeit auf Rang fünf. „Meines Wissens gab es zuvor noch nie einen Ü-50-Boxer unter den besten zehn“, sagt der Mann, der keine Lust hat, kurz vor dem Ende der Karriere seinen hart erarbeiteten Ruf zu ruinieren. Im Gegenteil. Bei der finalen Gala im Oktober, für die er vorsorglich die Halle in Göppingen und die Porsche-Arena in Stuttgart reserviert hat, will er mit einem letzten großen Auftritt abtreten – die Gespräche, ob es eventuell sogar um einen WM-Gürtel gehen kann, laufen gerade. „Es soll“, sagt Firat Arslan, „ein absolut würdiger Abschied werden.“

Jetzt muss der Plan nur noch aufgehen.