Roland Staehler von Kärcher fühlt sich in Indonesien wohl Foto: Guhlich

Der Wirtschaftsingenieur Roland Staehler baut in Indonesien für den Winnender Reinigungsgerätespezialisten Kärcher einen Vertriebsstandort auf. Er spricht über Chancen und Hürden, die trotz des wirtschaftlichen Booms noch zahlreich sind.

Der Wirtschaftsingenieur Roland Staehler baut in Indonesien für den Winnender Reinigungsgerätespezialisten Kärcher einen Vertriebsstandort auf. Er spricht über Chancen und Hürden, die trotz des wirtschaftlichen Booms noch zahlreich sind.
 
Herr Staehler, was macht es für baden-württembergische Firmen schwer, sich in Indonesien niederzulassen?
Die enormen Potenziale können nicht da­rüber hinwegtäuschen, dass das Land in ­vielen Aspekten noch ziemlich Nachhol­bedarf hat. Hinsichtlich Infrastruktur sind es insbesondere Energieversorgung und Verkehr. Es gibt kein Fernstraßennetz und kein ausreichendes Nahverkehrssystem. Wer mit dem Auto durch eine Stadt wie Jakarta will, muss oft Stunden für Staus einplanen. Es gibt auch kein funktionierendes Müllsystem. Und die Qualität der Ausbildung im Land macht es schwer, geeignetes Personal zu finden. Trotz aller Fortschritte ist auch Korruption nach wie vor ein Problem.
Warum sind Sie trotzdem vor Ort?
Ich glaube, dass in Indonesien in den nächsten Jahren die Post abgeht. In Indonesien leben rund 250 Millionen Menschen mit stark zunehmender Kaufkraft in einer sich neu entwickelnden Mittelschicht. In den vergangenen fünf Jahren hat sich das Pro-Kopf-Einkommen verdoppelt.
Welche kulturellen Unterschiede gibt es zu beachten?
Nehmen wir ein Beispiel, das für die vielen Unterschiede gerade zur deutschen Kultur steht. Zeit hat in Indonesien eine andere Bedeutung als in Deutschland. Es gibt hier den Begriff „Gummi-Zeit“. Das bedeutet, dass Zeit dehnbar ist und bei einer Verabredung zu einer bestimmten Uhrzeit eine für Deutsche ungewohnte Flexibilität Anwendung findet. Dafür haben die Indonesier beispielsweise ein unglaubliches Improvisationstalent. Deutsche entwickeln detaillierte Pläne und sind tendenziell überfordert, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert. Das ist der Moment, bei dem Indonesier zur Höchstform auflaufen und über Nacht doch noch eine Lösung finden.
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