Die nur alle vier Jahre gefeierte Zigeunerhochzeitwollten viele Besucher in Boll miterleben. Mit der Anerkennung als immaterielles Kulturerbe aber wird es erst mal nichts.
Die Hasawedel haben am Wochenende mit vielen Gästen eine mit Musik, Witz und Humor gespickte Zigeunerhochzeit gefeiert. Kleiner Wermutstropfen: Ringpräsident Walter Sieber gab bekannt, dass es mit der Einstufung als immaterielles Kulturerbes erst mal nicht wird.
Der Sonntag begann mit der Narrenmesse, die Dekan Knaus im Fasnets-Stil zelebrierte. Es wurde geschunkelt, gesungen und geklatscht. Der MV Boll spielte und die Predigt war in Versform vorgetragen.
Im Gottesdienst wird geschunkelt und gereimt
Im Fasnetsspiel sind sich rote und gelben Sippe bekanntlich nicht grün. Die rote Sippe vom Zollerwald, ist eher eingebildet, von höherem Stand und legt Wert auf ihr Bild nach Außen. Die nicht so raffinierten Gelben stammen aus dem Schamental, sind eher arbeitsorientiert und vom unteren Stand. Die Braut „Tanja von der Aperolspur“ verkörperte Tanja Dengel. Ihre unerschrockene Natur machten sie zur unvergesslichen Figur. Ihr Bräutigam „Erik 1A vom Promilleweg“ ist stark und entschlossen, gespielt von Erik Ruhl.
Die Sippen ziehen aus unterschiedlichen Richtungen zum Dorfplatz. Die rote Sippe mit Braut, Verwandtschaft aus Steinhofen und Zigeunerkapelle des MV Boll. Die gelbe Sippe mit Bräutigam, Hudelgai Bätschern und Hagemann Hexen. Von der Festhalle her stoßen Hagaverschrecker aus Stetten mit Schalmeien, Bachlompa, Waldhäser Ipfadudl und Lumpenkapelle Killer dazu.
Proklamateur Christoph Wolf begrüßte die Gäste und warnte sie gleich, dass sie wegen der Haushaltslage in Hechingen auf ihren Schmuck aufpassen sollten, damit Bürgermeister Philipp Hahn nicht in Versuchung kommt, hier die Stadtkasse aufzubessern.
Ganz so einfach gab die rote Sippe die Braut zur Hochzeit mit einem Gelben nicht frei. Rinaldo der Brautvater (Daniel Mayer) schwärmte von seiner Tochter, welche schon mit sieben Jahren aus der Hand lesen konnte.
Der Brautpreis ist sehr umstritten
Er verlangte von Rinaldini, dem Vater des Bräutigams (Uwe Ruhl) eine schlachtreife Sau von vier Zentner, ein Fass Bier und einen Bausparvertrag. Rinaldini will höchstens ein Lamm mit 20 Pfund anbieten. So ging es hin und her, auch Tusnelda, die Mutter des Bräutigams (Ira Göckel), mischte mit. Mechthild die Brautmutter (Silvia Ruhl) war die Aushandlung egal. Ihr Problem schien es eher, wer zur Hochzeit einzuladen wäre.
Das Brautpaar forderte schließlich den Pfarrer auf, sich mit der Trauung zu beeilen, da ansonsten die Zigeuner aussterben könnten. Der willigte ein, und so versprach die Braut ihren Mann zu lieben und ihm das Saufen nie zu verwehren. Seine Braut werde er an guten Tagen pflegen und hegen, an schlechten Tagen dem Vater zurückgeben, meinte der Bräutigam. Der ideale Beginn einer glücklichen Ehe.
Dazu sang der Zigeunerchor, als Gesangsduo legten sich Thomas Ott und Jörg Hähn ins Zeug. Das Brautpaar auf dem Zigeunerwagen und die Gäste im Schlepptau ging es dann in die Festhalle, wo ausgelassen weitergefeiert wurde.