Rechnungsabschluss: Gutes 2018er-Ergebnis und ein "Nachruf"

Bösingen (kw). Mit der Verabschiedung des Rechnungsabschlusses 2018 ist die Ära der Kameralistik in der Gemeinde Bösingen nun endgültig vorbei. Zum letzten Mal musste sich der Gemeinderat mit diesem Buchführungssystem beschäftigen.

Zum Abschluss präsentierte Verbandskämmerer Michael Hartdmann den Ratsmitgliedern nochmals ein recht positives Ergebnis. "Zum siebten Mal hintereinander haben wir nun einen guten Abschluss erreicht", verkündete er, bevor er die Details zum Jahresergebnis 2018 erläuterte.

Die Gemeinde erzielte im Verwaltungshaushalt einen Überschuss von 1,322 Millionen Euro. Dieser lag somit um 517 279 Euro über der geplanten Zuführungsrate. Die vorgesehene Entnahme aus den Rücklagen (439 000 Euro) entfiel, stattdessen konnte die Gemeinde 404 686 Euro dem Rücklagenkonto zuführen. Dieser haushaltstechnische Begriff gibt es in der neuen Haushaltsrechnung, der Doppik, nicht mehr.

Aufgrund der positiven Einnahmenentwicklung im Verwaltungshaushalt – die Gewerbesteuer erreichte mit 1,541 Millionen Euro den bisher zweithöchsten Stand – konnte die Verwaltung einige außerplanmäßige Investitionen anpacken. Weil die Gemeinde zusätzlich eine Sondertilgung leistete, waren die Verbindlichkeiten – ohne die Darlehen für die Erschließungsmaßnahmen außerhalb des Haushalts – noch nie so niedrig wie zum Jahresende 2018. Pro Einwohner betrug die Verschuldung 287 Euro. In 2007 lag sie noch bei 679 Euro.

Die Darlehen für die Baugebiete "Eschle Ost" und "Breite Wiesen IV 2. Abschnitt" außerhalb des Haushalts nahmen zwar zu, weil in 2018 noch keine Bauplätze verkauft werden konnten. Die Darlehen bei der Landeskreditbank würden in 2019 gewaltig zurückgehen, berichtete Matthias Jetter von der Haupt- und Finanzverwaltung. Aus dem Verkauf von Grundstücken aus diesen Baugebieten seien im laufenden Jahr bereits 750 000 Euro in die Gemeindekasse geflossen.

Eine Portion Wehmut schwang in den Worten des Verbandskämmerers schon mit. "Die Kameralistik war ein treuer Wegbegleiter, sie war erprobt und wir haben sie beherrscht", meinte Hardtmann in seinem "Nachruf" auf das bewährte System.

Das Ergebnis sorgte für freudige Mienen am Ratstisch. "Wir sehen, wie wertvoll die Betriebe für die Gemeinde sind", bemerkte Gemeinderätin Bernadette Stritt beim Blick auf die ausgewiesenen Gewerbesteuereinnahmen.

Ratsmitglied Josef Seifried ließ sich vom Kämmerer die Vorgehensweise bei der Prognose des Gewerbesteueransatzes erklären. Eine vorsichtige Betrachtung sei hierbei geboten, betonte Hardtmann. Dies sah auch Bürgermeister Johannes Blepp so. Veränderungen bei den Vorauszahlungen könnten im Laufe des Jahres nicht ausgeschlossen werden, hieß es.

Der Schultes zeigte sich über die Entwicklung zwar sehr zufrieden, bremste aber sofort die Euphorie in der Ratsrunde. "Wir dürfen uns heute freuen, wir müssen aber in Zukunft äußerst vorsichtig sein", warnte er und stützte seine Aussage auf die Steuerschätzungen des Bundes für die nächsten Jahre.

Auch Verwaltungsmitarbeiter Jetter relativierte in Anbetracht des Systemwechsels das Ergebnis: "Wir haben jetzt 2,5 Millionen Euro an bisherigen Rücklagen für den investiven Bereich, doch für den Ergebnishaushalt nützt uns das gar nichts."

Zum Verständnis: Im Ergebnishaushalt (bisher war es der Verwaltungshaushalt) sind nach neuem Haushaltsrecht die Erträge und Aufwendungen abgebildet. Und dazu zählen nunmehr auch zahlungsunwirksame Aufwendungen wie Abschreibungen, die es zu erwirtschaften gilt. Außerdem fallen in diesen Bereich nun Instandhaltungsmaßnahmen, die bisher teilweise dem Vermögenshaushalt zugeordnet waren. Als Schlusswort fasste der Verbandskämmerer zusammen: "Wir haben jetzt eine solide Basis für nicht so gute Jahre, die auch wieder kommen werden."

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