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Bösingen Kastanie unter Polizeiaufsicht gefällt

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Bösingen-Herrenzimmern - Nur 34 Minuten dauert es, dann ist von dem großen Kastanienbaum, um dessen Erhaltung Petra Holzhausen und Hans-Peter Klatt so gekämpft haben, nur noch ein Stumpf übrig. "Es tut mir im Herzen weh", sagt die Anwohnerin , während sie beobachtet, wie Ast für Ast vom Team der Baumpflege Niefer abgesägt wird.

Der letzte verzweifelte Versuch, den 55 Jahre alten Baum am Verbindungsweg zwischen Schul- und Grundstraße in Herrenzimmern zu retten, war vergeblich. Nachdem Bürgermeister Johannes Blepp Anwohner Hans-Peter Klatt am Montag die Nachricht überbracht hatte, dass der Baum am Mittwochmorgen gefällt werden soll, hatte dieser das Verwaltungsgericht Freiburg eingeschaltet, um per Eilantrag eine einstweilige Verfügung gegen die Fällung zu erwirken. Bereits im Juni hätte die große Kastanie gefällt werden sollen. Hans-Peter Klatt und seine Lebensgefährtin hatten sich damals schützend vor den Baum gestellt und die Fällung in letzter Sekunde verhindert.

Der Bürgermeister argumentiert mit der Standfestigkeit des Baums. Diese sei nach den Bauarbeiten nicht mehr gegeben. Außerdem hätten Berechnungen eines Vermessungsbüros klar ergeben, dass der Baum auf öffentlichem Grund steht. Stimmt, hatte am Dienstag auch das Verwaltungsgericht befunden und den Antrag von Hans-Peter Klatt abgelehnt. "Nach den von der Gemeinde eingereichten Unterlagen eines Vermessungsbüros steht der Baum auf dem Gelände des Gemeindeverbindungswegs, ist also nicht im Eigentum des Antragstellers", hieß es vom Vorsitzenden Richter Klaus Döll.

"Wir hatten nur einen Tag Zeit, um Argumente zu finden, deshalb wurde der Antrag natürlich abgelehnt", meint Hans-Peter Klatt. So rückte am Mittwochmorgen pünktlich um 8 Uhr die Fachfirma an. Und weil Bürgermeister Blepp mit Widerstand des Anwohners rechnete, waren auch Polizei und Feuerwehr mit fünf und sechs Mann vor Ort. "Am besten Sie verhaften uns gleich, legen uns Handschellen an und ab ins Auto", meinen Holzhausen und Klatt, als sie an diesem Morgen die Polizisten sehen. "So ein Theater wegen 20 Zentimetern, die der Baum in den Weg ragt", meint Holzhausen kopfschüttelnd. Die Anwesenheit der Polizei, die eine mögliche Eskalation verhindern will, hält sie für übertrieben. "Ich habe einmal aus Spaß gesagt, ich würde mich an den Baum ketten, um die Fällung zu verhindern, aber das war doch Quatsch", meint Holzhausen. Nach dem abgewiesenen Antrag seien ihnen nun die Hände gebunden.

Mit einem Zug der Verbitterung um den Mund beobachten die Anwohner also, wie der Kastanienbaum Stück für Stück weicht. " Mein Freund, der Baum, ist tot", sagt Holzhausen enttäuscht. "Der Baum war Lebensraum für viele Vögel und Bienen. Es war schön, das im Sommer zu beobachten." Aber da falle die Natur eben dem Ordnungswahn der Menschen zum Opfer, meint die Anwohnerin und wirft einen Blick zu Bürgermeister Blepp, der sich davon überzeugen will, dass die Fällung durchgeführt wird. "Es tut vor allem weh, weil mir der Sinn nicht einleuchtet. Die Bauarbeiter haben selbst gesagt, dass so gut wie keine Wurzeln in den Weg hineingeragt hätten. Die Hauptwurzeln liegen auf unserem Grundstück. Aber was soll man machen? Man wird einfach nicht gehört. Und er ist jetzt natürlich zufrieden", sagt Holzhausen mit einem wütenden Blick in Richtung Blepp. Schließlich ist von der Kastanie nur noch ein Stumpf übrig, und die Gruppe der Beobachter zerstreut sich. "Immerhin wachsen schon weitere Bäume in unserem Garten", meint Holzhausen. Doch das scheint angesichts des klaffenden Lochs, wo vorher die mächtige Kastanie stand, nur ein schwacher Trost für die Anwohner zu sein.

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