Notenbankchefin Christine Lagarde hat mit ihren Aussagen die Euphorie an der Börse gebremst. Foto: dpa/Boris Roessler

Wann sinken die Zinsen? Anleger müssen sich gedulden. Mit Spannung erwartet der Markt Signale der EZB, meint Hannes Breustedt.

Die Stimmung an den Börsen bleibt angespannt – die Spitzenentscheider der Europäischen Zentralbank (EZB) haben die Zinssenkungsfantasien gedämpft und die Anleger nach der Party zum Jahresende wieder auf den Boden der Realität zurückgeholt. Außerdem sorgen geopolitische Risiken wieder für erhöhte Nervosität an den Märkten. Mit der EZB-Sitzung, dem Ifo-Geschäftsklima und vielen Quartalszahlen ist die Agenda diese Woche prall gefüllt.

 

Die Frage, wann und wie stark die Leitzinsen sinken, bleibt das dominierende Thema an der Börse. Die Hoffnung auf eine baldige Lockerung der Geldpolitik war der große Kurstreiber der Jahresendrallye. Doch den Erwartungen, dass die EZB bereits im ersten Quartal eine Zinssenkung beschließt, trat Notenbankchefin Christine Lagarde entschieden entgegen.

„Während die Investoren Druck machen, scheint die EZB keine Eile zu haben“, resümiert Helaba-Analyst Ulf Krauss. Angesichts der Ungewissheit, ob die Inflation wie erhofft weiter sinkt, sei ein frühzeitiger Zinsschritt auch riskant. Am Donnerstag kann die EZB Klarheit schaffen – dann gibt sie ihre geldpolitischen Entscheidungen bekannt.

Außerdem stehen mit den Einkaufsmanagerumfragen (Mittwoch), dem Ifo-Index (Donnerstag) und dem GfK-Konsumklima (Freitag) wichtige Konjunkturwegweiser für die schwächelnde deutsche Wirtschaft an. Deka-Chefökonom Ulrich Kater ist nicht besonders zuversichtlich: „Die Haushaltskrise hat die Stimmungsverbesserung ausgebremst.“ Seither seien Bahnstreiks und Bauernproteste hinzugekommen. „Die Huthi-Attacken auf Handelsschiffe im Roten Meer weckten zusätzliche Sorgen.“

Darüber hinaus legen zahlreiche Unternehmen ihre Quartalsbilanzen vor – darunter Schwergewichte verschiedener Branchen wie Netflix, Tesla, IBM oder Intel. Mit SAP und Sartorius veröffentlichen auch zwei Dax-Konzerne ihre Geschäftsberichte.