Das Baby mit dem Gesichtstumor - nein, es bekommt fürs Teilen keine Spende! Foto: Screenshot

Fleißig teilen wir und unsere Freunde Warnungen und Meldungen, ohne sie zu hinterfragen. Und das immer wieder.

Haben Sie schon mal eine hundert Jahre alte Zeitung durchgeblättert - vor allem die Anzeigen? Da werben Wunderheiler, Wahrsager und Kräuterkundige mit Produkten und Dienstleistungen. Salben, die Sommersprossen verschwinden lassen, Tinkturen, die glücklich machen und Mittel, die eine höhere Intelligenz versprechen. Na toll, denkt man da: Waren die Leute früher wirklich so doof?

Nein, sie waren nicht doof, sie waren leichtgläubig. Und wir sind es heute genauso. Wir fallen vielleicht nicht mehr auf skurrile Annoncen herein (vor allem deshalb, weil es diese kaum noch gibt), wohl aber auf andere Behauptungen, Versprechungen und Warnungen. Dazu muss man nur mal in die eigene Facebook-Timeline schauen: Wie oft haben wir schon Meldungen unserer Freunde geteilt, die angeblich aus ganz sicheren Quellen stammten?

Erst diese Woche geisterte es wieder herum: das Kind mit dem Gesichtstumor. "Für jedes geteilte Bild zahlt Facebook 3 Cent für die Behandlung", stand dabei. Die Nutzer teilten die Meldung eifrig - und das, obwohl sie schon Jahre alt und das Kind auf dem Foto längst operiert ist. Oder aber die mysteriösen Autofahrer, die in den Dörfern angeblich Kinder ansprechen. Die Hundefänger, die mit Lieferwagen unterwegs sind. Das Kino, in dem ein Besucher durch eine Nadel mit dem HI-Virus infiziert wurde. Eine neue Droge, die an Schulen die Runde machen soll.

Fakt ist: Wenn unsere Freunde (und wir selbst!) das Ganze so fleißig teilen, während einem seriöse Seiten versichern, dass es sich dabei nur um Panikmache und schlechte Witze handelt, sind wir heute nicht anders als die Leute vor hundert Jahren. Die sich mit dubiosen Flüssigkeiten eingerieben haben, um jung zu bleiben. Wir verlassen uns auf Sensationsmeldungen und wollen die ersten sein, die andere darüber informieren. Mein Gott, überleg ich da: Was denken wohl die Leute in hundert Jahren, wenn sie davon erfahren?

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