Mit ihrem letzten Hab und Gut versuchten Fluorner ihr Glück in der Ferne.Symbol-Foto: Pixabay Foto: Schwarzwälder Bote

Heimatgeschichte: Auswanderer suchen ihr Glück in der Ferne

Zahlreiche Fluorner zog es im 18. und 19. Jahrhundert in die Ferne. Die historischen Überlieferungen gewähren einen Einblick in das Leben dieser Menschen und verraten die Gründe, warum sie ihre Heimat hinter sich ließen.

Zahlreiche Fluorner zog es im 18. und 19. Jahrhundert in die Ferne. Die historischen Überlieferungen gewähren einen Einblick in das Leben dieser Menschen und verraten die Gründe, warum sie ihre Heimat hinter sich ließen.

Fluorn-Winzeln. Allein in den Jahren zwischen 1833 und 1885 wanderten über 250 Männer, Frauen und Kinder aus Fluorn aus. Die meisten zog es nach Nordamerika. Nicht gezählt sind die, die in deutsche Orte weggezogen sind.

Siedler ziehen nach Polen

In dem kurzen Zeitraum von 1846 bis 1858 ging die Zahl der Ortsansässigen von 1068 auf 952 zurück. Um die Jahrhundertwende (1900), hatte das Dorf Fluorn noch 954 Einwohner. Die Auswanderer vor dem Jahr 1800 sind nicht erfasst, außer denjenigen, die es nach Polen gezogen hatte. Lehrer Lindenberger verzeichnete sie in seiner Chronik.

Bei der polnischen Teilung war dem König von Preußen ein Teil Polens zugefallen, wohin er dann deutsche Siedler rief. Einige Fluorner Familien waren bei dieser Auswanderungswelle vertreten. Selbst der Fluorner Vogt Gottfried Arnold ist 1802 mit seiner Familie nach Preußisch-Polen gezogen. Andere sind weitergezogen nach Südrussland, ins heutige Georgien. Eine Familie ist wieder zurück gekehrt.

In dem Buch von Karl Otto Müller über die Auswanderung in den Netzegau wird vom Schicksal zweier Familien berichtet.

1781 war Tagelöhner Martin Hilfinger in das östliche Preußen, bis nach Bromberg und Klein-Murzynno vorgedrungen. Er wollte aber nicht für 200 Gulden nach Preußisch-Polen weiterziehen, erklärte er dem Oberamtsmann gegenüber in Sulz. 1783 folgte Johann Biele (Bühler) mit Frau, Sohn und Tochter, sie ließen sich in Bromberg nieder.

Ein Fluorner schrieb 1814 an die Verwandten, er sei jetzt in Bildschön (Bielzinny). Den neuen Kolonisten ginge es schlecht, da in dieser Gegend niemand "angesetzt" (ansässig) werde. Das Land sei teuer. Sie sollten 20 bis 30 Meilen weiter, bei Warschau, in Südpreußen oder hinter Danzig angesiedelt werden. Es sei nicht mehr wie früher unter dem alten König. Damals seien ganze Dörfer an die Neuankömmlinge abgegeben worden.

Großes Heimweh

20 Jahre zuvor habe man mehr Land für 100 Thaler kaufen können, als im Jahr 1814 für 200 Gulden. Was er acht Jahre zuvor bei Danzig verkauft habe, wäre zu diesem Zeitpunkt 3000 Gulden wert.

Dem Auswanderungsschub von 1834 nach Nordamerika folgten weitere Wellen in den Hungerjahren von 1847 bis 1853 und dann nochmals von 1833 bis 1883. Einige wenige kehrten arm zurück. Bei vielen war das Heimweh zu groß. Den ein oder anderen zog es in die Schweiz. Die allermeisten gingen allerdings nach Amerika.

Ab 1883, waren nur noch wenige Auswanderungen festzustellen. Im Staatsarchiv Sigmaringen und in den Auswanderungsakten des Oberamts Oberndorf sind zudem die Bürgerrechtsverzichte niedergelegt. Denn wer auswandern wollte, musste schriftlich auf das Heimatrecht verzichten.

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