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Bitz Geschichten, die das Leben schreibt

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Fotos: Foto: Schwarzwälder Bote

Mit der Einladung der Kabarettistin Sabine Essinger in die Festhalle hat der Kneipp-Verein Bitz zum Jahresauftakt gleich einen Volltreffer erzielt. In ihrem Programm "Schee wiaschd" schöpfte sie mit ihrem ganzen Typenkabarett der "Familie Fleischle" aus dem Vollen.

Bitz. Gekleidet in Kittelschürze und zu Dudelsacktönen eröffnete die Kabarettistin ein Feuerwerk der guten Laune: "Ganz arg schee, dass so viele gekommen sind" – die Festhalle war nahezu ausverkauft.

Im Laufe des Abends verwandelte sich die Kabarettistin wie ein Chamäleon vom vorwitzigen Kleinkind über die Teenagerin, die sich im Auto an der Ampel genüsslich die Fingernägel lackiert und sich wundert, dass die Fahrer hinter ihr bei der dritten Grünphase wie wild hupen, bis hin zur trauernden Witwe. Mit der ihr eigenen meisterhaften Sprachverfremdung trifft sie dabei immer ins Schwarze. Frech, urkomisch, mitten aus dem Leben und mit dem Herz auf der Zunge.

Dazu servierte Essinger musikalische Häppchen vom Feinsten. Sie erzählt, wie Edith Piaf einmal in Bitz im Restaurant gewesen sei und dann in Paris die ganze Speisekarte heruntergesungen habe. Diese Persiflage von Edith Piafs "Non, je ne regrette rien" wurde zum absoluten Knüller. Unumwunden gab sie zu, dass ihr "Appétit colossal" die Ursache für ihre Körperringe sei. Die Besucher bogen sich vor Lachen und blickten verstohlen auf die eigenen Fettpölsterchen. Ach, wie schön menschlich ist doch die Essinger.

Ihre Cousine Luise hat längst den Dreh raus.

Wenn sie sich neue Kleider kauft, dann immer gleich in mehreren Größen – so denken alle, ihre Kleidergröße bleibe immer gleich. Was für ein genialer Trick, und alle fallen darauf rein in ihrer kleinen 500-Seelen-Gemeinde, erzählte Berta Fleischle.

Beim Fensterputzen könne man interessante Dinge sehen: Dann wird die Wäscheleine der Nachbarin immer genau inspiziert: "14 Unterhosen für zwei in einer Woche! Uns langet eine, also für jeden eine."

Aber Rache ist süß. Keiner hat gemerkt, so verrät die Witwe böse lächelnd, dass sie ihrem untreuen Mann bei der Beerdigung heimlich einen Wecker und ein Handy ins Grab geschmuggelt habe. Jeden Morgen um 4.30 Uhr wird er aufgeweckt. Und täglich rufe sie ihn an. Sie würde ja so gern wissen, ob man das da oben hören könne. Einmal war da ein Anruf in Abwesenheit und sie fragte sich: "Warst Du das?" Mit der Filmmelodie von "Spiel mir das Lied vom Tod" auf der Mundharmonika verabschiedete sie sich von ihrem Gatten und schickte das Publikum in die Pause.

Mit Volldampf ging es nach der Verschnaufpause weiter. Das Klischee vom sparsamen Schwaben darf an so einem Abend nicht fehlen. Als schwäbische Stewardess im Flugzeug der "Schwoba Airlines" klärt sie die Passagiere auf, dass es bei den Schwaben keine Sicherheitschecks gebe und auch keine Getränke, denn somit könne auf Toiletten verzichtet werden. Einen Piloten – ja den gibt es auch nicht an Bord. Nichtfliegen sei ohnehin besser, da könne man am meisten sparen. Die Schwaben bringen ihr Geld ohnehin lieber auf die Bank oder investieren in Aktien oder Gold.

Am besten man befreie sich von allem unnötigen Ballast. Aber eine Scheidung will für Frau gut überlegt sein. Als Frau über 40 sei es nicht einfach. Die Männer sterben sowieso sieben Jahre früher, und kaum habe man einen neuen angeschafft, gebe es wieder Personalwechsel. Am Ende bleibe dann doch nur Kruscht übrig. "Viele Frösche muss man küssen, doch die Prinzen, die sind rar" trällert sie, um als Witwe gleich noch einen oben auf zu setzen.

Jetzt habe sie es so schön. Keine Klobrille ist mehr verspritzt. Nein, sie lasse keinen Mann mehr rein, nicht einmal den Bürgermeister von Bitz, Hubert Schiele.

Sabine Essinger redete wie ein Wasserfall. Fast drei Stunden jodelte, sang und spielte sie dazu auf verschiedenen Instrumenten. Sie jonglierte mit Vorurteilen, Haltungen, Gefühlen und Alltagsbeobachtungen. Nichts ließ sie aus. Für den erfrischenden Abend im breitesten Schwäbisch wurde sie immer wieder mit herzhaftem Lachen und spontanen Beifall belohnt und das begeisterte Publikum ließ sie erst nach mehreren Zugaben von der Bühne.

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