Sie ist sozusagen ein harter Knochen, die „Madonna von Ror“. Jahrhunderte überdauerte sie in der Erde. Inzwischen bereichert die Figur die Ausstellung des Landkreises im Foyer der Hohenzollernhalle.
Den Zollernalbkreis gibt es seit einem guten halben Jahrhundert, und wer sich auf die geschichtsträchtigen Spuren des Landkreises machen will, kann das in Bisingen tun. Im Foyer der Hohenzollernhalle hat die beim Neujahrsbürgerempfang eröffnete Ausstellung „Der Zollernalbkreis in 50 Objekten“ den ersten Halt eingelegt. Die Gegenstände kann man noch bis Montag, 26. Februar, begutachten.
Darunter ist auch ein Stück Bisingen, nämlich die „Madonna von Ror“. Längere Zeit lagerte sie beim Heimatverein Bisingen, der das seltene Stück für die Ausstellung ausgeliehen hat.
Wer die Figur genauer betrachtet, erkennt einen Riss: Dieser rührt daher, dass zuerst der obere Teil gefunden wurde, bei einer späteren Ausgrabung dann der untere. Beide Teile ergeben zusammengefügt die „Madonna von Ror“.
So misst die Figur gerade einmal 9,3 Zentimeter in der Höhe und ist aus einem Tierknochen geschnitzt. Die Heiligendarstellung mutet aufgrund ihrer minimalistischen Größe unscheinbar an, doch sie ist jahrhundertealt. Als die Burg im Jahr 1311 aufgegeben wurde, blieb ebendiese Figur zurück. Unklar ist, ob das Stück einen festen Standort auf der ehemaligen Burg hatte oder ob es mitgeführt wurde.
Der Heimatverein nimmt sich der Burgruine bereits seit Jahrzehnten an
Die ersten Grabungen auf der Burgruine fanden 1953 statt. 40 Jahre später erfolgte die Eintragung als Kulturdenkmal ins Landesdenkmalbuch, und im gleichen Jahr wurde eine Infotafel auf der historischen Stelle angebracht, die Aufschluss über das einstige „Schlössle“ und dessen wechselvolle Geschichte gibt.
Seit Gründung des Heimatvereins Anfang der 50er-Jahre gab es im Verein Idealisten, die sich über Jahrzehnte um das „Schlössle“ gekümmert hatten. Bereits damals fanden durch engagierte Mitglieder Grabungen auf dem historisch wertvollen Hügel im fürstlichen Waldbesitz statt.
Dass man die Burgruine heute noch besichtigen kann, ist nicht selbstverständlich. Im Gewann Schlösslewald war in den 1990er-Jahren die Einrichtung einer Kreismülldeponie im Gespräch.
Die Bürgerinitiative „Müll weg vom Schlösslewald“ setzte sich damals dafür ein, dass dieses Projekt nicht an eben dieser Stelle realisiert wird. Die Bisinger haben damals verhindert, dass ein Teil der Ortsgeschichte sozusagen mit Dreck zugedeckt wurde.
Die Geschichte des „Schlössles“ auf 130 Seiten
Die Burgstelle wurde 1993 ins Denkmalbuch eingetragen. In diesem Zusammenhang fanden damals seitens der archäologischen Denkmalpflege weitere punktuelle Nachgrabungen (2004/2005) statt, die neue Erkenntnisse zutage förderten. Dem Heimatverein ist es zu verdanken, dass die Geschichte des „Schlössles“ aus dem elften Jahrhundert in schriftlicher Form zusammengefasst wurde. Das Werk umfasst 130 Seiten – und man kann sagen, dass dort alles Interessante zu diesem Relikt aus dem Mittelalter zusammengetragen ist. Wer ein Exemplar haben will, kann dies beim Heimatverein erwerben.
Es war übrigens eine der Ausgrabungen, die die „Madonna von Ror“ zu Tage förderten. Ein Glück, denn nun bereichert sie die Ausstellung des Landkreises, ein Stück aus der Geschichte Bisingens – und des Zollernalbkreises.