Ein neues Jahr ist ein guter Zeitpunkt zurückzublicken, aber auch den Blick in die Zukunft zu richten. Wie entwickelt sich Nagold 2024 und darüber hinaus? Was hat das für Auswirkungen? Hier unsere Prognosen zu den Themenbereichen Bevölkerungsentwicklung, Bildung und Betreuung.
Die Stadt Nagold ist beliebt – das zeigte sich nicht zuletzt im zweiten Gesamtrang, den Nagold beim Orts-Check unserer Redaktion unter allen Kreiskommunen einnahm. Das hat Folgen. Nagold legt in fast allen Bereichen zu.
Bevölkerung
Seit der Landesgartenschau im Jahr 2012 wächst Nagold kontinuierlich. Im vergangenen Jahr durchbrach die Stadt selbst in der immer etwas zurückhaltenderen Landesstatistik erstmals die 23 000-Einwohner-Marke. Die aktuellste Zahl des Landes liegt bei 23 339 Einwohnern (drittes Quartal 2023), zehn Jahre zuvor waren es 21 241, und 22 985 Einwohner Ende 2022. Die Stadt Nagold vermeldete zum 31. Dezember 2023 nach eigener Zählung des Bürgeramts sogar bereits 23 834 Einwohner.
Prognose: Nagold wächst weiter. Davon geht auch das statistische Landesamt aus – allerdings sind deren prognostizierte Zahlen längst erreicht. In deren Prognose hätte Nagold erst 2029 die 23 000-Einwohner-Marke geknackt und die heute bereits erreichte Zahl erst im Jahr 2039. Nagold wächst also deutlich schneller, als einst errechnet. Legte Nagold ab 2012 jährlich im Schnitt um 120 Einwohner zu, so scheint sich ab 2022 ein noch stärkerer Trend herauszuschälen. 2022 legte Nagold in einem Jahr um 226 Einwohner zu. Vom ersten Quartal 2022 bis zum dritten Quartal 2023 weist die Landesstatistik gar einen Zuwachs von 580 Einwohnern aus. Ginge es so rasant weiter, könnte die Stadt Nagold bereits 2025 die 24 000-Einwohner-Marke knacken. Nach der eigenen städtischen Statistik sogar bereits in diesem Jahr!
Kita-Betreuung
Es ist eines der Zukunftsthemen. Denn Nagold legt auch bei den Kinderzahlen wieder zu. Zu spüren bekommt das die Stadt zunächst in den Kitas. Insgesamt gibt es in Nagold 20 Kindertageseinrichtungen. 14 davon sind in städtischer Trägerschaft. Erst vor kurzem eröffnete die Stadt die neue Kita Steinachtal in Gündringen. Weitere Kitas sollen folgen. Laut dem letztjährigen Kita-Bericht liegt die Zahl der Kinder im Alter von drei Jahren bis zum Schuleintritt im Kita-Jahr 2023/24 bei 920. Im Jahr davor waren es 874 Kinder. Ähnlich ist das Bild bei der Kleinkindbetreuung: Die Zahl der Ein- bis Unter—Dreijährigen Kinder liegt im Kita-Jahr 2023/24 bei 493, ein Jahr zuvor waren es 442 und im Jahr 2021/22 nur 412.
Prognose: Nagold weist neue Wohngebiete aus, bliebt weiter ein attraktiver Wohnstandort und zieht dementsprechend auch junge Familien an. Zumindest für das nächste Kitajahr 2024/25 gibt es eine städtische Prognose für die Drei- bis Sechsjährigen. Demnach steigt die Zahl von 920 auf 948 – im Jahr 2019/20 lag die Zahl noch bei 809. Damit ist klar: In Kitas muss weiter investiert werden. Im November vergangenen Jahres eröffnete die Stadt erst die Kita Steinachtal mit 60 Plätzen in den Räumen der ehemaligen Grundschule. Unter anderem kündigte OB Großmann eine neue Kita auf dem Wolfsberg an. Zudem sind für 2024 Planungsraten von jeweils 500 000 Euro für die Standorte Hasenbrunnen und Vollmaringen vorgesehen.
Kein Mutmacher ist allerdings die Personalsituation – denn Erzieherinnen sind ein gefragtes Gut. Zudem belastet der überdimensionale Ausbau des Betreuungsbereichs natürlich auch den Etat. So ist laut Angaben der Stadt die Zahl der Stellen von 76,9 im Jahr 2013 auf 124,04 im Jahr 2023 gestiegen. Die Zahl der angebotenen Plätze stieg im Ü3-Bereich in zehn Jahren von 778 auf 961 und im U3-Bereich von 140 auf 160.
Bildung und Schule
Es dauert - vielen auch zu lange - bis mit den ganz großen Schulsanierungsprojekten begonnen wird. Der Grund ist klar: Nagold steckt bei den Schulen in einem gewissen Sanierungsstau. Umso höher sind die Ausgaben, die für Schulsanierungen und Neubauten in den nächsten Jahren gestemmt werden müssen. Das Bevölkerungswachstum spielt auch hier eine Rolle. Denn mittlerweile geht es auch mit den Schülerzahlen in der Stadt wieder nach oben – aber klar, es waren auch schon mehr. Das Tal mit 2801 Schülern insgesamt im Schuljahr 2021/22 ist jedenfalls durchschritten. 2022/23 waren es bereits 2856 Schüler, im aktuellen Schuljahr 2869. Zum Vergleich: Nagold hatte schon bedeutend mehr Schüler: Vor 20 Jahren waren es fast 4000.
Prognose: Schon der Blick auf die Kita-Zahlen macht deutlich, dass auch die Zahl der Schüler steigen wird. Für 2028/29 prognostizierte die Stadt im Sommer vergangenen Jahres eine Gesamtschülerzahl von 3082. Vor allem die Zahl der Grundschüler wird sich von aktuell rund 800 auf 900 im Schuljahr 2027/28 erhöhen. Eine Prognose, auf welche weiterführenden Schulen die Kinder künftig wechseln werden, ist dagegen weit schwieriger. Hier dürften auch Faktoren wie die Bauzeiten eine Rolle spielen. Dabei ist klar: Die Schulen stehen mittlerweile in Konkurrenz – auch mit Einrichtungen außerhalb Nagolds.
Finanziell ist der Schulausbau in Nagold das Mega-Thema und wird es auch noch auf viele Jahre bleiben. Im Fokus steht derzeit der Um- und Neubau der Zellerschule – ein 35 Millionen-Euro-Projekt, das aber noch immer nicht begonnen wurde. Im noch nicht beschlossenen Haushaltsplanentwurf 2024 ist die Zellerschule mit einer ersten Rate von 3,4 Millionen Euro eingeplant. Das darauf folgende Projekt wird eine noch größere Dimension haben: Es geht um die Zukunft des Otto-Hahn-Gymnasiums. Bis es hier wirklich losgeht, wird aber noch einiges an Zeit vergehen. 2024 jedenfalls ist noch keine größerer Ausgabe für den OHG-Neu- oder Umbau eingestellt, noch nicht einmal für die Planung.