Dominic Vogel ist Leiter der „Engelsburg“. Für den einstigen Kinderpfleger ist sein Beruf eine Berufung. Doch wünscht er sich, dass in der Gesellschaft die Option des „männlichen Erziehers“ bekannter wird. Dabei geht der 28-Jährige mit gutem Beispiel voran.
„Die Arbeit im Erziehungswesen gehört zu den wichtigsten Jobs der Welt“, schwärmt Dominic Vogel. Der 28-Jährige ist Leiter des Kindergartens Engelsburg in Neukirch. Doch eigentlich wäre alles anders gekommen.
„Ich wollte Architekt werden“, verrät der Pädagoge. Doch da es damals im Schulpraktikum der 8. Klasse keine freien Plätze als Bauzeichner gegeben habe, bewarb er sich eben in einem Kindergarten in Karlsruhe-Durlach.
Mit Leidenschaft zum Kita-Leiter
Die Wochen mit den Kindern hätten ihm so viel Spaß gemacht, dass er nach der Schule ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in einer Einrichtung anschloss und von 2013 bis 2016 eine Ausbildung zum Kinderpfleger machte.
An seine Anfangszeit im Rottweiler Kindergarten Hegneberg denkt er noch mit viel Freude zurück. „Mit Leidenschaft zum Beruf kannst du es von der untersten Stufe bis zur Leitung bringen“, möchte er an seinem Beispiel deutlich machen.
Für Vogel ist es etwas Wunderschönes, die Kinder zu begleiten, die unsere Zukunft prägen werden. Als Bild, wie er die Erziehung verteilt sieht, nimmt er ein Bild aus der Natur. „Das Kind ist die Blume, die Eltern die Sonne und das Kita-Personal gießen das kleine Pflänzchen.“
Eltern miteinbeziehen
Diese enge Zusammenarbeit spiegelt sich auch in der Erziehungspartnerschaft wider, die es in der „Engelsburg“ gibt. Das Miteinander mit Elternbeirat sowie der gesamten Elternschaft wird auch durch die Kita-App „Stay informed“ ermöglicht. Dabei können Mitteilungen schnell und papierlos verschickt werden, Abstimmungen getätigt sowie im eigenen Chat Gespräche stattfinden. Neben diesen digitalen Möglichkeiten ist Transparenz auch etwas, was Vogel am Herzen liegt.
„Gerade läuft eine Umfrage der Eltern, die sich längere Öffnungszeiten wünschen“, erklärt er. Toll findet er auch, dass sich alle Nachrichten mit einem Klick in verschiedene Sprachen übersetzen lassen – ein weiterer Schritt zur inklusiven Gemeinschaft.
Höhere Bezahlung notwendig
Die Frage, wie man in dem heute vor allem von Frauen ausgeübten Beruf den Anteil der Männer erhöhen könne, sieht er auf mehreren Ebenen. Zum einen müsse man sich als Gesellschaft vom Klischee lösen, dass Erzieherinnen nur mit Kindern spielen und Kaffee trinken. Weg vom traditionellen Schubladendenken, lautet sein Wunsch.
„Das ist ein herausfordernder Beruf, der einem im Zwischenmenschlichen unglaublich viel zurückgibt“, sagt er. Zugleich müsse die Politik durch eine entsprechende Bezahlung die Attraktivität des Berufs steigern.
Es braucht positive Vorbilder
Zusätzlich brauche es mehr positive Vorbilder. „Mein früherer Kindergarten hat jetzt auch einen Leiter“, weist Vogel auf eine langsame Veränderung hin. Und da ist noch etwas, was ihn besonders freut: „Mein jüngerer Bruder will sein FSJ ebenfalls in einer Kita machen“, sagt er – nun selbst ganz Vorbild.
Um dies noch weiter auszubauen, brauche es Förderprogramme und Info-Abende, um Jugendliche auf den Beruf aufmerksam zu machen.
„Macht ein Praktikum oder ein FSJ, um in den Kindergarten reinzuschnuppern“, rät er den Schülern. Denn so könne man schnell feststellen, ob das der Beruf ist, der zu einem passt. Kein Tag sei wie der andere, aber alle doch gleich schön.
Der Beruf stelle einen Beitrag für die zukünftige Gesellschaft dar, denn die Kinder von heute seien die Zukunft von morgen, so das Resümee des Kindergarten-Leiters.
Informationen
Rottweil
In der Stadt gibt es fünf städtische Kindergärten – etwa die Engelsburg. Darüber hinaus sind die katholische Kirche mit neun Einrichtungen sowie die evangelische mit dreien private Träger. Ebenso gibt es einen Waldorfkindergarten.
Fehlendes Personal
2023 fehlen bundesweit 98 600 Erzieher, Tendenz steigend. Bis 2030 könnten 230 000 Fachkräfte fehlen.