Vedad Ibisevic liegt nach der verlorenen Partie gegen Mainz am Samstag enttäuscht am Boden. Foto: Baumann

Er spielte für den VfB und den FC Bayern und verfolgt die beiden Clubs noch heute aufmerksam. Bernd Martin hat vor dem Duell an diesem Mittwoch in der Mercedes Benz-Arena (20 Uhr/Sky) einiges zu sagen – und empfiehlt dem VfB, langfristig an Trainer Thomas Schneider festzuhalten.

Er spielte für den VfB Stuttgart und den FC Bayern und verfolgt die beiden Clubs noch heute aufmerksam. Bernd Martin hat vor dem Duell an diesem Mittwoch in der Mercedes Benz-Arena (20 Uhr/Sky) einiges zu sagen – und empfiehlt dem VfB, langfristig an Trainer Thomas Schneider festzuhalten
Herr Martin, am Mittwoch treffen Ihre beiden Ex-Clubs aufeinander – fürchten Sie ein Debakel für den VfB gegen den FC Bayern?
(Überlegt) Alles ist möglich. Das Spiel kann hoch für den FC Bayern ausgehen– es kann aber auch ganz eng werden, wenn der VfB über sich hinauswächst.
Glauben Sie wirklich daran?
Naja, Fakt ist, dass ich noch nie so eine gute Bayern-Mannschaft gesehen habe, dabei verfolge ich diesen Club seit Anfang der 70er-Jahre aufmerksam. Selbst die Mannschaft um Franz Beckenbauer und Gerd Müller war nicht so gut wie die jetzige. Sie lassen momentan jeden Gegner durch ihre Ballsicherheit fast schon zu Tode laufen. Und noch etwas ist anders als früher.
Bitteschön.
Früher hat der FC Bayern meist nicht schön gespielt, war aber erfolgreich. Heute ist er immer noch erfolgreich – spielt aber auch noch schön. Dazu steht jetzt ein verschworener Haufen auf dem Platz. Früher gab es innerhalb der Mannschaft meist zwei oder drei Gruppen, die sich dann bei den Spielen irgendwie zusammengerauft haben.
Der FC Bayern München ist dem VfB Stuttgart zurzeit um Längen voraus – was muss der VfB tun, um in den nächsten Jahren zumindest ein bisschen aufzuholen?
Der VfB hat sich in den vergangenen Jahren oft an anderen Clubs orientiert. Mal wollte er in ein den nächsten Jahren so gut sein wie der FC Bayern, mal wollte er besser sein als der FC Schalke. Doch diese Denkweise ist falsch. Der VfB muss seinen eigenen Weg gehen und eine eigene Philosophie entwickeln. Dass der Club jetzt wieder vermehrt auf den Nachwuchs setzen will und damit auch eine Philosophie mit Leben füllen will, ist der richtige Weg.
Der aber wahrscheinlich Zeit braucht.
Ja, und genau das muss ich als Verein nach außen kommunizieren. Trainer Thomas Schneider und der gesamte Club müssen sich auch in nächster Zeit noch mit Altlasten aus der Vergangenheit herumplagen, als der VfB Millionen für Spieler ausgab, die den Verein nicht wirklich weitergebracht haben.
Weshalb jetzt eher wenig Geld zur Verfügung steht.
Genau. Umso wichtiger ist es, dass der VfB die Leute jetzt mitnimmt. Es muss klar nach außen kommuniziert werden, dass der eingeschlagene Weg mit den jungen Spielern Zeit braucht. Der VfB steht vor einer längeren Durststrecke. Aber wenn ich das offen anspreche, gehen die Schwaben diesen Weg doch auf Gedeih und Verderb mit. Der VfB muss die Leute nur mitnehmen. Wichtig ist auch, dass sich der Club klar zu Trainer Thomas Schneider bekennt.
Warum?
Weil er Teil der Jugendphilosophie ist. Der VfB muss ihm den Rücken stärken und voll auf ihn setzen. Die sportliche Leitung sollte ihm sagen: ‚Junge, du bist unser Mann, wir ziehen das mit dir die nächsten drei Jahre durch – egal, was passiert.’
So eine wohlwollende Haltung wünscht sich der VfB auch von potenziellen neuen Sponsoren – wie kann der Verein wieder attraktiver für Geldgeber werden?
Es ist doch immer das Gleiche: Man kann als Verein nicht einfach mal sagen: ‚Liebe Firmen, kommt mal her und gebt uns Geld’ . Es braucht sportlichen Erfolg und eine klare Philosophie – dann kommen die Unternehmen von ganz allein. Weil sie dann nämlich scharf darauf sind, einzusteigen.
Am Mittwoch könnte der VfB einen ersten Schritt dahin machen. Was erwarten Sie für ein Spiel gegen den scheinbar haushoch überlegenen Rekordmeister?
Der FC Bayern fährt schon seit langer Zeit zu Auswärtsspielen und hat nur ein Ziel: gewinnen. Der ganze Club drückt die Brust raus, das hat sich in den vergangene Jahren so verfestigt. Ich fürchte, dass es für den VfB in der Defensive nicht reichen, wird, wenn er Überzahl in Ballnähe schaffen will – weil die Bayern-Spieler einfach zu stark und gedankenschnell sind.
Umso mehr wird es an diesem Mittwoch wohl auf Torhüter Sven Ulreich ankommen, der zuletzt aber schwächelte. Ist die Kritik an ihm gerechtfertigt?
Ja, und so etwas muss ein Bundesligaprofi aushalten. Es es legitim, dass die sportliche Leitung Fehler anspricht und Druck macht. Nur, wenn man mit der Kritik umgehen kann, kann man als Profi besser werden. Fakt ist, dass er beim ersten Gegentor gegen Mainz niemals hätte rauslaufen dürfen.
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