Myriam Krüger aus Beffendorf ist Leiterin des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) und Geschäftsführerin beim SSV Ulm. Sie spricht über die Stimmung im Verein, die Situation im Jugendbereich und wie sie die Leistung der TSG Balingen beurteilt.
Vor dem Duell in der Bizerba-Arena haben wir die starke Frau beim SSV Ulm zum Gespräch getroffen.
Hallo Frau Krüger, die Partie in Balingen ist das nächstgelegene Ligaspiel zur Heimat. Gab es für Sie in der Vergangenheit Berührungspunkte oder Verbindungen mit der TSG?
Ja, es ist tatsächlich der nächste Weg. Aber außer ein paar Spielen in Balingen während meiner Jugendzeit besteht da keine Verbindung.
Toller Zuschauerschnitt
Es steht durchaus eine entscheidende Saisonphase an: Wie nehmen Sie die Stimmung im Verein wahr?
Wir hatten in der vergangenen Saison durchschnittlich 1800 Zuschauer, in dieser Saison liegen wir schon bei 2700, und die Topspiele in Ulm kommen erst noch. Das zeigt die Euphorie die gerade herrscht. Intern ist es aber wichtig, dass wir auf dem Boden bleiben. Es sind noch neun Spiele und im Fußball kann so viel passieren. Der aktuelle Vorsprung ist keine Garantie für den Aufstieg.
Ist die Tradition des Vereins ein Pluspunkt und eine Bürde zugleich? Es kann ja sicher schnell mal emotionaler werden..
Das stimmt. Die Erwartungshaltung nach dem Motto „Da waren wir ja schon mal“, ist schon hoch.
Der Profifußball in Ulm ist nun über 20 Jahre her. Was würde ein Aufstieg für den Verein bedeuten – und auch konkret für Ihre Aufgaben?
Wir sind gerade dran die Strukturen zu verbessern. In der 3. Liga würde noch mehr auf einen einprasseln. Das Lechzen nach dem Profifußball wäre für den Verein erfüllt. Wir als Geschäftsführung wollen aber bodenständig bleiben. Oft kommt der Vergleich mit Elversberg, aber das wäre nicht unsere Intention. Wir wollen einen Grundstein legen.
Ist ein Klassenerhalt in der 3. Liga womöglich sogar einfacher als ein Aufstieg dorthin?
Wir haben ja sogar Glück, dass der Erste der Regionalliga Südwest direkt aufsteigt, das ist in anderen Staffeln nicht der Fall. Ich halte unsere Liga aber auch für die mitstärkste, dass sieht man auch an den Teams die zuletzt aufgestiegen sind. Du brauchst einen Top-Kader um aus dieser Liga aufzusteigen, das hilft dir dann natürlich auch in der 3. Liga.
Sie planen also zweigleisig für die kommende Saison?
Ja, so sind wir vergangene Saison schon vorgegangen. Man macht zwei Liquiditätspläne, zwei Haushaltspläne und beantragt die Zulassung für beide Ligen.
Es scheint nicht langweilig zu werden. Können Sie Ihre Hauptaufgaben in der Doppel-Funktion skizzieren?
In der Geschäftsführung bin ich für das Personal, die Verwaltung und Strukturen zuständig. Alle wichtigen Entscheidungen treffe ich mit meinem Kollegen Markus Thiele zusammen. Im NLZ geht es ebenfalls darum Strukturen und Konzepte zu erarbeiten, wir sind ja noch ein sehr junges NLZ. Hinzu kommt die Auswahl und Weiterbildung der Trainer.
Top-Talente bleiben in Ulm
Wie zufrieden sind Sie grundsätzlich mit der Situation im Nachwuchs?
Wir hatten zu Beginn der Saison einen großen Umbruch – wenn man das berücksichtigt, bin ich sehr zufrieden. Wir konnten alle Top-Talente halten, das ist ein schönes Zeichen für die Zukunft. Wir sind auf dem richtigen Weg, aber so einem NLZ muss man Zeit geben, das dauert drei, vier Jahre, bis die Entwicklung wirklich zu sehen ist.
Wie schwierig ist der Spagat generell und speziell im Jugendbereich zwischen kurzfristigem Erfolg und langfristiger Entwicklung?
Im Jugendbereich sollten die kurzfristigen Ziele immer erreichbar sein. Langfristige Ziele wie eine gewisse Liga sind auch immer schwierig zu definieren. Der Fokus sollte auf der Entwicklung der Spieler sein.
Wie viel Spaß macht Ihnen die Arbeit im Jugendbereich?
Total viel Spaß! Ich kann meine Idee und Handschrift miteinbringen. Bei uns herrscht auch ein sehr gutes Miteinander.
Sie waren ja auch schon Jugendtrainer im NLZ des FC Bayern. Fehlt Ihnen die Arbeit auf dem Platz?
Ich schaue natürlich Einheiten und Spiele bei den Teams an, da kribbelt es schon immer wieder.
Wie sehen Sie generell die fußballerische Ausbildung in Deutschland. Wird da zu schwarz gemalt oder gibt es wirklich so viel Optimierungsbedarf?
Ich finde es erstmal schwierig, dass viele Entscheidungen von Personen getroffen werden, die im Alltag gar nicht in diesem Bereich arbeiten. Jetzt sagen alle wir brauchen Dribbler und man stellt alles dementsprechend um. Das wird sich dann aber irgendwann auf anderen Positionen wieder negativ bemerkbar machen. Da sollte man einen einheitlichen Ansatz finden.
Zurück zur Partie am Samstag: Die TSG Balingen arbeitet nicht unter Profibedingungen. Wie viel Respekt zollen Ihnen die Leistungen im Saisonverlauf ab?
Da habe ich total großen Respekt. Wir wissen wie schwer es ist, in solchen Tabellenregionen dabei zu sein. Ich glaube sie haben einen tollen Teamspirit, eine gute Mannschaft und einen guten Trainer.