Das Baugebiet Dole ist seit Anfang der 2000er-Jahre Thema bei der Stadt Calw Foto: Fritsch/Fritsch

Das Baugebiet Dole in Altburg ist auf der Zielgeraden. Doch vorliegende Dokumente sprechen von „Anomalien“ im Boden, die der Kampfmittelbeseitigungsdienst entdeckt hat. Besteht Grund zur Sorge?

Seit rund eineinhalb Jahrzehnten führt ein Arm des Kreisverkehrs am Ortseingang Altburg ins Leere. Noch länger beschäftigt das dort geplante Baugebiet Dole, in das dieser Arm führen soll, die Stadt. Doch nun sei man „auf der Zielgeraden“, so Andreas Quentin, Fachbereichsleiter Planen, Bauen, Verkehr, in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. In dieser wurde der Bebauungsplan beschlossen.

 

Was bei der Durchsicht der dazugehörigen Sitzungsvorlagen allerdings auffällt: Mehrere Dokumente befassen sich mit der Kampfmittelbeseitigung auf dem Areal, respektive mit der Frage, ob eine solche notwendig sein könnte. Ein normales Prozedere? Oder besteht gar Grund zur Sorge? Wir haben nachgefragt.

Ist ein Gutachten zur Kampfmittelbeseitigung Teil eines jeden Bebauungsplanverfahrens?

Zur Beruhigung vorneweg: Die Untersuchung nach Kampfmitteln durch das Regierungspräsidium (RP, in diesem Fall Stuttgart) ist tatsächlich ganz normal und gehört zu jedem Bebauungsplanverfahren, betont Stefanie Schweigert, Pressesprecherin der Stadt Calw. „Altburg ist sogar ein Teil der Stadt, über dem im Zweiten Weltkrieg vergleichsweise wenig Bomben fielen“, fügt sie an.

Was haben die Untersuchungen ergeben?

Dennoch ist in den Gutachten zu lesen, dass bei den Untersuchungen im angehenden Baugebiet 94 „Anomalien“ festgestellt wurden und dass weitere Maßnahmen notwendig sind. Im Wortlaut heißt es: „Das Untersuchungsgebiet liegt teilweise in einem bombardierten Bereich. Auf den uns vorliegenden Kriegsluftbildern konnten wir ab 16.04.1945 Bombentrichter in der Untersuchungsfläche sowie im unmittelbar angrenzenden Bereich erkennen. Mit Bombenblindgängern ist zu rechnen.“ Das war im Juli 2022.

Im November, erklärt Schweigert, wurden diese „Anomalien“ mit Baggern entfernt. Es seien lediglich Splitter freigelegt worden, heißt es in dem dazugehörigen Bericht. Der Teil des Areals, der bereits bebaut ist, konnte nicht untersucht werden; der restliche Boden nur bis zu einer Tiefe von fünf Metern.

„Das RP wird nie eine absolute Kampfmittelfreiheit garantieren, da die Luftbildauswertung und die Sensorik, die als Grundlage zur Beurteilung dienen, eine große, aber keine absolute Sicherheit geben kann“, meint Schweigert dazu. Um etwaigen Risiken, die daraus entstehen könnten, aus dem Weg zu gehen, wird der Kampfmittelbeseitigungsdienst bei Baubeginn mit vor Ort sein, so die Pressesprecherin der Stadt. Dieser wird die beteiligten Bauunternehmen einweisen, wie vorgegangen wird, falls doch etwas auftauchen sollte. Im Abschlussbericht steht darum der dramatisch wirkende Satz: „Die untersuchte Fläche ist nicht freigegeben.“ Damit sei aber nichts anderes gemeint, als dass eben vor Baubeginn eine Einweisung durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst erfolgen muss.

„Die Prüfung gehört bei jedem Bauplanverfahren standardmäßig dazu. Meist werden die Kampfmittel spätestens bei den Bauarbeiten entdeckt und konnten bisher jedes Mal entschärft werden“, so Schweigert abschließend.

Wie geht es jetzt weiter?

„Insgesamt sind wir froh mit dem Bebauungsplanverfahren jetzt so weit fortgeschritten zu sein, hoffen jetzt bald die letzten Hürden nehmen zu können und neuen Wohnraum in guter Lage schaffen zu können“, fügt die Pressesprecherin an. Entstehen sollen in dem recht kleinen Gebiet rund 20 Bauplätze.

Zunächst geht es nun an die Offenlage des Vorhabens. Einen Monat lang kann die Bevölkerung nun etwaige Einwände vorbringen. Im April, so Quentin in der Sitzung, sei dann der Satzungsbeschluss geplant, sodass im Sommer mit den Ausschreibungen begonnen werden könne. Läuft alles nach Plan, könne der Baubeginn im Spätsommer sein.