Fein säuberlich geparkt statt als Korso auf der Straße: Rund 70 Traktoren waren bei dem Protest dabei. Foto: Beyer

Weder Blockaden noch Traktor-Konvois: Bei der Demonstration auf dem Freudenstädter Marktplatz am Freitagnachmittag standen diesmal flammende Reden im Mittelpunkt. Mit auf der Bühne: Bürgermeisterin Stephanie Hentschel und Stadträtin Beate Gaiser.

„Wir haben bewusst darauf verzichtet, Freudenstadt heute mit Schleppern lahmzulegen“, rief Kreisbauernvorsitzender Gerhard Fassnacht von der Bühne auf dem Freudenstädter Marktplatz. Und tatsächlich: Schon vor Beginn der Kundgebung standen die Traktoren fein säuberlich aufgereiht auf dem unteren Marktplatz, während der Verkehr ungehindert weiterrollen konnte.

 

Der Anblick der dicht an dicht stehenden schweren Maschinen war dennoch beeindruckend. Circa 70 Fahrzeuge nahmen an dem Protest am Freitagnachmittag teil, schätzt die Polizei. Weit mehr Demonstranten kamen aber zu Fuß auf den unteren Marktplatz. Deren Zahl schätzt die Polizei auf Anfrage unserer Redaktion auf 500.

Unter den Teilnehmern waren auch einige Gesichter aus der lokalen Politik-Prominenz: So hatten sich die beiden CDU-Abgeordneten Klaus Mack und Katrin Schindele unter die Demonstranten gemischt, kletterten allerdings nicht auf die Bühne.

Bürgermeisterin mit dabei

Dafür nutzte Bürgermeisterin Stephanie Hentschel die Gelegenheit für einige deutliche Worte. Sie kritisierte unter anderem eine zunehmend von Städtern dominierte Politik. Als Beispiel nannte sie den hochsubventionierten ÖPNV in Großstädten, der den Staat drei Milliarden Euro koste. „Und gleichzeitig sollen die Landwirte darauf verzichten, dass ihnen ein Teil der zusätzlichen Abgaben auf Diesel erlassen wird.“

Auch kritisierte Hentschel „strengere Vorgaben bei der Tierhaltung“, die Düngemittelauflagen der EU und das Lieferkettengesetz. Die Folge: „Die Investitionskosten sind so hoch, dass es irgendwann nur noch Großbetriebe geben wird“, meinte Hentschel und warnte vor den Folgen für die Kulturlandschaft und vor steigenden Lebensmittelpreisen. Den Bauern wünschte sie mit ihrem Protest „viel Erfolg“.

Kreisbauernpräsident Gerhard Fassnacht (Mitte) bekam bei der Demo Unterstützung von Bürgermeisterin Stephanie Hentschel (links). Foto: Beyer

Neben Hentschel auf der Bühne stand auch Stadträtin und Dehoga-Kreisvorsitzende Beate Gaiser (FWV). „So kann es nicht weitergehen“, schimpfte Gaiser. „Was zu viel ist, ist zu viel.“

Den Bauern versicherte sie die Unterstützung der Gastronomie: „Wir vom Dehoga sind natürlich solidarisch mit Ihnen“, bekräftigte Gaiser. „Denn wo kommen unsere Lebensmittel denn her? Von Ihnen, den Bauern.“

Dabei verband sie den Kampf der Bauern mit der Forderung der Gastronomen nach einer Wiedereinführung des abgesenkten Mehrwertsteuersatzes. „Nur sieben Prozent auf Speisen sind fair und gerecht.“ Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) warf sie in diesem Zusammenhang vor, sein Wort nicht gehalten zu haben.

Hoffnung auf Einigung

Kreisbauernvorsitzender Fassnacht nutze seinen Auftritt, um nochmal das zentrale Thema der Proteste zu wiederholen: „Der Kampf gegen die Wegnahme der Dieselrückerstattung.“ Das sei auch im Interesse der Verbraucher, denn: „Die Subventionen sind das Geld, das der Verbraucher einsparen kann beim Lebensmitteleinkauf.“

Gleichzeitig äußerte Fassnacht auch die Hoffnung, dass noch eine Einigung erzielt werden könne. Er habe am Vortag mit zwei Abgeordneten der Regierungskoalition gesprochen. „Ich glaube, dass die etwas mitnehmen konnten.“

Die meisten Demonstranten kamen aber nicht mit dem Traktor sondern zu Fuß auf den unteren Marktplatz. Die Polizei schätzt die Teilnehmerzahl auf 500. Foto: Beyer

Und tatsächlich deuten die Zeichen nun erstmal auf Entspannung: In der nächsten Woche will der Kreisbauernverband keine Protestaktionen in der Region unternehmen, wie Fassnacht ankündigte. Und das obwohl manche Landwirte im Internet weitere Schlepperfahrten forderten, wie Fassnacht berichtete.

Und auch die Protestaktion selbst machte einen äußert gemäßigten Eindruck – nachdem am vorangegangenen Montag eine Solidarisierung einzelner Landwirte mit Montagsdemonstranten für Schlagzeilen gesorgt hatte.

Unter den Demonstranten waren auch die CDU-Abgeordneten Katrin Schindele und Klaus Mack. Foto: Beyer

Nur eine Teilnehmerin war durch ein Plakat, das sie um ihren Hals trug, als Unterstützerin der „Kritischen Bürger Freudenstadt“ zu erkennen. Und ein etwas abseits geparkter Traktor fiel mit der Aufschrift auf: „Deutsches Geld den Deutschen.“ Mehr Auffälligkeiten gab es nicht. Und auch die Polizei bestätigt, dass keine Straftaten registriert wurden.

Dazu passte dann auch, was Juliane Vees, Präsidentin der Landfrauen Württemberg Hohenzollern, bei der Kundgebung sagte. Sie lobt die friedlichen Proteste der vergangenen Woche. Und machte deutlich, extreme Gruppierungen und Chaoten wolle man nicht an der Seite haben.