Bart Ravensbergen wehrt nicht nur reaktionsschnell Bälle ab, er wirft sie auch zielsicher ins gegnerische Tor. Der Keeper von Handball-Bundesligist Frisch Auf Göppingen hat schon acht Saisontreffer auf seinem Konto. Zufall – oder steckt mehr dahinter?
Es war die Schlüsselszene im Handball-Derby gegen den HBW Balingen-Weilstetten: Frisch Auf Göppingen war gerade dabei, einen Sechs-Tore-Vorsprung vollends zu verspielen, da wehrte Bart Ravensbergen einen Wurf des frei vor ihm auftauchenden HBW-Kreisläufers Nikola Grahovac ab. Der Frisch-Auf-Torwart feierte aber nicht ausgelassen seine Glanzparade, sondern schleuderte blitzschnell und mit der Präzision eines Messerwerfers den Ball über 40 Meter ins noch leere HBW-Gehäuse. Statt 25:24 stand es in der EWS-Arena 26:23 – und damit war die entscheidende Weiche für den 32:28-Sieg der Göppinger gestellt. „Das waren natürlich zwei ganz, ganz wichtige Punkte für uns, und ich bin froh, dass ich der Mannschaft so helfen konnte“, sagte Ravensbergen.
Schon in der ersten Halbzeit war der Niederländer nicht nur seiner Hauptaufgabe, dem Toreverhindern, nachgekommen, sondern netzte vom eigenen Kreis aus zum 6:7 ein. Insgesamt steht der 30-Jährige nun schon bei acht Saisontoren. Den Ligarekord hat er damit schon geknackt. In der aktuellen Torwart-Torjägerliste folgt Nikola Portner, der Keeper von Champions-League-Sieger SC Magdeburg, mit vier Treffern auf Platz zwei. Zum Vergleich: In der vergangenen Bundesliga-Spielzeit war der Schweizer Nationaltorwart Portner mit am Saisonende fünf Toren der treffsicherste Schlussmann in der Bundesliga.
13 Tore in 92 Länderspielen
2022/23 spielte Ravensbergen noch in der zweiten Liga bei der HSG Nordhorn-Lingen. Auch in dem Verein an der Grenze zu seiner Heimat traf er zwischen 2018 und 2023 regelmäßig ins gegnerische Tor. Genauso wie in der niederländischen Nationalmannschaft, für die er in 92 Länderspielen 13 Treffer erzielte. Zufall kann diese überdurchschnittliche Torausbeute also nicht sein.
„Ich trainiere das schon, zuletzt auch verstärkt mit Primoz Prost, meinem Torwart-Trainer bei Frisch Auf, denn gewisse Abläufe müssen einfach sitzen“, sagt der 1,90 Meter große Linkshänder. Lange überlegen darf er nicht, sonst ist der gegnerische Keeper wieder in sein Tor geeilt. Also müssen die Automatismen passen, um das Risiko nicht zu hoch werden zu lassen. Ravensbergen: „Ich kann mir keine zehn Würfe nehmen und fünf davon landen nicht im Tor.“
Duell bei den Füchsen
Immer mehr Trainer setzen im modernen Handball auf das Sieben-gegen-Sechs-Überzahlspiel. In Unterzahl wird der Torwart sogar fast immer zugunsten eines weiteren Feldspielers von der Platte genommen. Ravensbergen profitiert von diesem taktischen Mittel, seine außergewöhnlich ausgeprägte Handlungsschnelligkeit kommt ihm dabei entgegen. „Bart ist schnell im Kopf und schnell auf den Beinen. Sein Umschaltspiel ist wirklich allererste Sahne“, lobt ihn sein Vereinstrainer Markus Baur vor dem Auswärtsspiel an diesem Sonntag (18 Uhr) bei den Füchsen Berlin.
Dort trifft Ravensbergen auf einen Torwart-Kollegen Dejan Milosavljev, der einen anderen Stil verkörpert. Der Serbe war 2019 als Champions-League-Sieger aus Skopje in die Bundeshauptstadt gekommen und brachte 135 Kilogramm auf die Waage. Inzwischen sind es 20 Kilo weniger, was mehr Explosivität und Bewegungsfreude mit sich brachte. Der 27-Jährige ist mit 161 Paraden (30,32 Prozent gehaltene Bälle) aktuell ligaspitze. Zum Vergleich: Ravensbergen kommt – bei allerdings drei Stunden weniger Spielzeit als Milosavljev – auf 96 Paraden (27,12 Prozent gehaltene Bälle) und liegt damit auf Platz zehn. Ach ja, Tore hat der Füchse-Keeper in dieser Saison auch schon erzielt. Zwar keine acht wie Ravensbergen, aber immerhin zwei.
Spielplan
Bundesliga
MT Melsungen – Frisch Auf 29:19, Frisch Auf – Rhein-Neckar Löwen 27:27, ThSV Eisenach – Frisch Auf 27:24, Frisch Auf – VfL Gummersbach 32:29, HSG Wetzlar – Frisch Auf 29:24, Frisch Auf – HSV Hamburg 27:32, SC DHfK Leipzig – Frisch Auf 33:35, Frisch Auf – SC Magdeburg 26:27, TBV Lemgo Lippe – Frisch Auf 21:26, Bergischer HC – Frisch Auf 33:30, Frisch Auf – THW Kiel 27:34, TVB Stuttgart – Frisch Auf 31:29, Frisch Auf – TSV Hannover-Burgdorf 32:25, HC Erlangen – Frisch Auf 28:26, Frisch Auf – HBW Balingen-Weilstetten 32:28, Füchse Berlin – Frisch Auf (Sonntag, 10. Dezember, 18 Uhr), Frisch Auf – SG Flensburg-Handewitt (Samstag, 16. Dezember, 20.30 Uhr), Frisch Auf – Bergischer HC (Mittwoch, 20. Dezember, 19 Uhr), SC Magdeburg – Frisch Auf (Freitag, 22. Dezember, 19 Uhr).
DHB-Pokal
3. Runde: TBV Lemgo Lippe – Frisch Auf 25:31. Achtelfinale: VfL Gummersbach – Frisch Auf Göppingen (13. Dezember, 19.30 Uhr).(jüf)