Vor elf Jahren kam die Ballerina Kristina Metova aus Moskau nach Oberndorf und baute sich hier nach und nach ein neues Leben auf. Zuletzt suchte sie nach geeigneten Räumen für ein eigenes Ballettstudio. Was danach geschah, kann sie immer noch kaum glauben.
„Hier ist ein bisschen mehr Platz als in meinem Wohnzimmer“, sagt Kristina Metova lachend, als sie uns am Eingang ihres Ballettstudios in der Kirchtorstraße 12 empfängt.
Die Schuhe werden gleich gegen Frottee-Badeschuhe, wie man sie aus Wellnesshotels kennt, getauscht, um den Ballettboden zu schonen. Danach geht es in das große, lichtdurchflutete Studio.
Vor einem Jahr hat sie ihre Schüler in Ermangelung geeigneter Räume noch zu Hause unterrichtet und dafür in ihrer Wohnung extra professionellen Ballettboden verlegt und Spiegel angebracht.
Ihr Weg nach Oberndorf
In Moskau war Kristina Metova eine bekannte Ballerina, Model und Sängerin, Tochter eines russischen Popsängers. Der Liebe wegen kam sie nach Oberndorf und blieb auch, als die Beziehung zerbrach.
Seitdem hat sich einiges getan. Metova hat eine kleine Tochter, seit 2018 einen Europameister-Titel im Ballett, ein Studium der Ballettpädagogik absolviert und ihre eigene Schule „TanzDance“ gegründet, in der sie Ballett und Tanz unterrichtet.
Auf der Videoplattform TikTok lädt sie zudem Videos zu den Themen Ernährung, Bewegung und Ballett hoch und musste dafür schon einiges an Kritik einstecken. Doch die 36-Jährige hat sich dadurch nicht entmutigen lassen.
Die Suche nach Räumen
Nachdem sie unserer Redaktion im Mai 2023 erzählt hatte, dass sie nach Räumen für ihr eigenes Ballettstudio suchte, meldete sich der nur wenige Monate später nach schwerer Krankheit verstorbene Architekt Dietrich Hopf bei ihr, wie sie berichtet.
Nicht nur hielt er die Räume seines Architekturbüros in der Kirchtorstraße 12 für perfekt geeignet, er half Metova auch dabei, die Umgestaltung für ihre Zwecke zu planen. Sie sei sehr dankbar und stolz darauf, dass ihr jemand so Bekanntes vertraut und an ihre Träume geglaubt habe, sagt die 36-Jährige.
Wie ein Kind
Im Januar 2024 bezog sie die Räume. Seitdem ist die Ballettschule für sie wie ein weiteres Kind geworden. Sie fühlt sich angekommen und hat große Ziele.
Aktuell unterrichtet sie rund 40 Kinder und einige Frauen. Für ganz kleine Kinder bietet sie das sogenannte Pre-Ballett an, in dem die Kinder spielerisch an die Struktur einer Ballettstunde herangeführt werden, außerdem die klassischen Ballettklassen für Kinder und Ballettstunden für Erwachsene.
Auftritte beim Frühlingsfest
Zudem hat sie zwei Gruppen, Kinder und Teenager, mit denen sie zeitgenössisch tanzt, und eine Gruppe aus Müttern und anderen Frauen, mit denen sie Choreographien mit Jazzdance- und Hip-Hop-Elementen auf High Heels einübt.
Sie werden beim Frühlingsfest des Handels- und Gewerbevereins Oberndorf am Sonntag, 5. Mai, gegen 17.30 Uhr ihren ersten Auftritt haben. Die Kinder tanzen bereits um 14 Uhr, kündigt Kristina Metova an.
Vorbereitung auf Aufnahmeprüfungen
Besonders freut sie sich darüber, Schülerinnen auf wichtige Aufnahmeprüfungen vorbereiten zu können. Für diese müsse täglich diszipliniert trainiert werden, denn die Konkurrenz sei groß, weiß Kristina Metova.
Ihre Schülerin Dericka Dirksen wurde kürzlich an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Mannheim aufgenommen. „Das war in Deutschland meine erste Schülerin, die es geschafft hat“, freut sich Metova, die auch schon in Russland Ballettunterricht gegeben hat.
Eine weitere Schülerin, Maria Thiessen, habe im November 2023 mit Ballett begonnen und werde nun Ende April in Genf bei einem internationalen Tanzwettbewerb antreten, erzählt ihre 36-jährige Trainerin stolz.
Vorbereitung für die Karriere
Aktuell arbeitet sie daran, dass ihre Schule offiziell als berufsvorbereitende Ballettschule anerkannt wird. Dort will sie eine gute Ausbildung für angehende Tänzer, Schauspieler oder andere Künstler bieten. Kenntnisse im Bereich Tanz benötige man in einigen Berufen, sagt Metova.
Die Motivation dazu, professioneller zu werden, komme dabei von den Schülern selbst, sagt sie. Viele kämen erstmal mit der Absicht, Ballett als Hobby zu betreiben, und wollten dann immer weiter kommen.
Disziplin ist das A und O
Dass Kristina Metova Ballettuniformen einführt, gefalle den Schülern, sagt sie. Für sie persönlich sind die Uniformen ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung. Sie gäben den Schülern das Gefühl, an einer Ballettakademie zu sein, und würden dadurch auch die Disziplin schulen, ist sie sich sicher.
Überhaupt sei ihr das Thema Disziplin sehr wichtig. „Das bringe ich hier schon den Vierjährigen bei“, sagt sie. Im Ballettstudio werde nicht herumgerannt oder geschrien wie im Kindergarten. Das hätten die meisten Schüler recht schnell verinnerlicht und würden schnell selbst merken, dass es hilfreich für die Weiterentwicklung sei.