Bleibt der Balinger Vhs vorerst noch erhalten: Ottmar Erath wird die WissensWerkstatt weiterhin betreuen. Chef der Einrichtung ist er nicht mehr. Foto: Ungureanu

Mit dem Übergang der Balinger Volkshochschule (VHS) in städtische Trägerschaft hat sich auch für deren Leiter Ottmar Erath etwas verändert: Er hört nach 31 Jahren auf.

Balingen - Aber noch nicht ganz: Er hat für die nächsten zwei Jahre die Bereichsleitung für die "WissensWerkstatt" übernommen. "So ist es, wenn man das Hobby zum Beruf gemacht hat", meint der 66-Jährige schmunzelnd.

 

Kann man sich die VHS ohne Ottmar Erath überhaupt vorstellen? Kann man, versichert er. Eigentlich habe er ja geplant, mit Erreichen des Regelalters in den Ruhestand zu gehen. Aber dann sei nach reiflichen Überlegungen die Entscheidung getroffen worden, mit der Bildungseinrichtung in städtische Trägerschaft überzugehen. "Und es war mir ein persönliches Anliegen, diesen Schritt mit den ganzen Konsequenzen zu begleiten, die VHS auf eine solide Basis zu stellen, zu wissen: Es geht weiter. Trotz der Pandemie, und auch nach der Pandemie."

"Ich habe gerne zugesagt"

Ursprünglich sei die VHS als "eingetragener Verein" mit 500 Mitgliedern gegründet worden, "um das ehrenamtliche Engagement zu fördern". Damals, 1974, sei es noch keine professionelle Bildungseinrichtung gewesen, habe keine Geschäftsführung gehabt.

Er selbst habe bei der Stadt Balingen angefangen als persönlicher Referent von Oberbürgermeister Eugen Fleischmann. Den habe er im VHS-Vorstand bei verschiedenen Anlässen vertreten müssen. Als die Stelle des VHS-Leiters vakant geworden sei, habe der Oberbürgermeister ihn gefragt, ob er das gerne machen wolle. "Ich habe um Bedenkzeit gebeten", erinnert sich Erath. "Er hat gemeint: ›In Ordnung, du hast Bedenkzeit bis morgen.‹ Ich habe gerne zugesagt."

Bereut habe er diese Entscheidung noch nie. Er habe große Freiheiten gehabt, Gestaltungsspielräume, Rückendeckung. Den Umgang innerhalb seines Teams bezeichnet er als vertrauensvoll und offen.

Mit der Entwicklung zur professionellen und größten Einrichtung für Erwachsenenbildung in Balingen habe man überlegt, welche Rechtsform für die Zukunft sinnvoll sei: "Allein 2019 hatten wir ein Haushaltsvolumen von 1,8 Millionen Euro. Privatrechtlich hätte man im Zweifelsfall persönlich dafür haften müssen. Das ist niemandem zuzumuten."

"Vor 25 Jahren war das ein Meilenstein, es gab Ähnliches noch nicht"

Übrigens gebe es bei den Volkshochschulen in Baden-Württemberg einen deutlichen Trend hin zur Kommunalisierung. Mittlerweile, weiß er, seien 60 Prozent der Einrichtungen im Land in kommunaler Trägerschaft.

Der Beschluss, die Balinger VHS in kommunale Trägerschaft zu übernehmen, sei einstimmig erfolgt – im Verwaltungsausschuss und im Gemeinderat. Letzterer wird auch über den Nachfolger oder die Nachfolgerin von Ottmar Erath entscheiden. Denn eine Nachfolge werde es gewiss geben.

Die kommissarische Leitung übernehme vorerst Harry Jenter, Leiter des städtischen Amts für Familie, Bildung und Vereine. Dessen Stellvertreterin und neue "hausinterne Chefin" ist Nicole Mayer, davor Stellvertreterin von Ottmar Erath.

Integrationszentrum, Freiwilligenagentur, Modellbahntreff, Jugendtechnikschule, "World Press Photo"-Ausstellung, zuletzt sogar Corona-Test- und Impfzentrum – viele Projekte sind in den vergangenen Jahren umgesetzt worden. Welche ihm besonders am Herzen liegen? "Die Jugendkunstschule", sagt Erath, ohne lange nachdenken zu müssen. "Vor 25 Jahren war das ein Meilenstein, es gab Ähnliches noch nicht."

Teilzeitbeschäftigung bei der VHS

Noch ein Projekt fällt ihm ein, zu dem es vor 25 Jahren eher zufällig gekommen ist: der Gospelchor "Voices, Hearts & Souls" – die Anfangsbuchstaben verraten die Nähe zur Vhs.

Juandalynn Abernathy habe bei der Volkshochschule angeklopft und angeboten, Gesangsunterricht zu erteilen. Im Gespräch habe sie viel aus ihrer persönlichen Geschichte erzählt, "und immer wieder ist der Begriff ›Gospel‹ gefallen", erinnert sich Erath. Er habe sie gefragt, ob sie einen Gospelchor unter dem Dach der VHS gründen wolle. Zunächst habe sie abgelehnt, dann doch zugesagt – und das Projekt "mit 80 Sängerinnen und Sängern sowie riesigem Engagement" umgesetzt.

Und die Zukunft? Er habe großes Glück gehabt, dass das, was er beruflich gemacht habe, auch seine Leidenschaft gewesen sei, sagt Erath. "Da war wenig Platz für Anderes" – und verrät mit einem Lachen, dass seine Frau ja gehofft habe, dass im Ruhestand der Garten sein Hobby sein werde.

Vorerst aber wolle er sich auf seine Teilzeitbeschäftigung bei der VHS konzentrieren. Denn die Begeisterung für Technik und Lego-Bauen sei ungebrochen.

Oldie-Band zum Ausgleich

Nebenbei habe er mit ein paar Freunden – allesamt Rentner – einen "losen Zusammenschluss" gegründet. Einmal im Monat wolle man sich zu Exkursionen, Betriebsbesichtigungen, Events – oder auch nur zum geselligen Beisammensein treffen. Und mit einem Freund, mit dem er früher Musik gemacht habe, wolle er wieder einsteigen – "ein bisschen in Richtung Oldie-Band, ein bisschen schwungvoll".