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Balingen Warum man doch lieber bequem bleibt

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Ein Rind hält seine Nase knapp über ausgetrocknetem Boden. Foto: Woitas Foto: Schwarzwälder Bote

Mit der "Psychologie hinter dem Nichts-Tun" hat sich eine Arbeitsgruppe im Rahmen des Seminarkurses "Klimawandel, Global Risk Assessment und wir" am Gymnasium Balingen befasst.

Balingen. Dass den Bürgern Balingens der Klimawandel bekannt ist, hat die rege Teilnahme an der Umfrage des Seminarkurses des Gymnasiums gezeigt. In dieser gaben die Teilnehmer an, "gut" über ihre Möglichkeiten, die Umwelt zu schützen, informiert zu sein.

Auch hat sich in der weiteren Auswertung herausgestellt, dass die Bürger ihre selbst gesetzten Ziele meist erreichen. 96 Prozent der Teilnehmer waren beispielsweise bereit, auf Einwegflaschen zu verzichten, davon nutzen bereits 91 Prozent Mehrwegflaschen.

Als es zum öffentlichen Nahverkehr kam zeigte sich zwar eine hohe Bereitschaft der Balinger, diese umweltfreundlichere Methode der Fortbewegung in Anspruch zu nehmen. Aber der Großteil der Befragten nutzte diesen im Alltag nur höchstens fünf Mal im Monat. Die meisten begründeten diese Diskrepanz mit strukturellen Problemen des ÖPNV, welche sich auf so genannte strukturelle Barrieren zurückführen lassen, die klimafreundliches Verhalten ausbremsen, selbst wenn Aufgeklärtheit und Bereitschaft bezüglich des Themas bestehen. In diesem Fall bewerteten die Befragten die Leistungen des Nahverkehrs in Balingen durchschnittlich mit der Schulnote 4 und gaben an, dass die Möglichkeiten, auf das Auto zu verzichten, sehr limitiert seien. Allerdings sollte man hierbei zwischen den genannten strukturellen Barrieren wie beispielsweise schlechten Verkehrsanbindungen oder mangelnden finanziellen Mitteln, und den psychologischen Barrieren unterscheiden.

Das psychologische Phänomen, dass der Mensch über sein eigenes klimaschädliches Verhalten weiß und dieses sogar verändern möchte, dies aber dann doch nicht tut, ist ebenfalls aus der Umfrage herauszulesen. Beispielsweise erklärten sich 96 Prozent der Balinger bereit, beim Einkaufen von Produkten auf deren Umweltfreundlichkeit zu achten. Auf Nachfrage setzen dies allerdings nur knapp 38 Prozent um und verzichten somit aktiv auf Lebensmittel, die zum Beispiel schädliches Palmöl enthalten. Ganze 62 Prozent der Befragten sind jedoch nicht bereit, auf die Umweltfreundlichkeit ihrer Produkte zu achten, obwohl keine strukturellen Barrieren vorlagen, was bedeutet, dass sie alle materiellen Voraussetzungen haben, um umweltfreundlich zu handeln.

Die "Verlustaversion"

Daraus entwickelt sich eine zentrale Frage aus psychologischer Sicht: Warum tut ein Großteil der Menschen nichts gegen den Klimawandel, obwohl er in der Theorie dazu bereit wäre? Eine mögliche psychologische Erklärung dafür ist die so genannte "Verlustaversion". Sie beschreibt die Tatsache, dass wir einen Verlust höher gewichten als einen Gewinn.

Das hat zur Folge, dass es uns schwer fällt, uns von unseren klimaschädlichen Annehmlichkeiten wie einem eigenen Auto, zu trennen; selbst wenn wir uns dadurch die Aussicht auf einen "nicht klimageschädigten" Planeten verbauen. Auch ist es problematisch, dass wir den Klimawandel in unserer Gesellschaft als ein Problem der Zukunft ansehen, denn das lässt die Bereitschaft des Einzelnen ebenfalls sinken. Dies liegt daran, dass der Mensch sich Ereignisse in weiterer Ferne abstrakter vorstellt und ihnen deshalb eine geringere Wichtigkeit zuschreibt.

Ein weiterer Erklärungsversuch kann durch die Theorie der Massenpsychologie gewagt werden. Diese besagt, dass Menschen innerhalb einer Masse ein Verlust von Verantwortungsgefühl durch steigende Anonymität erfahren. In Bezug auf den Klimawandel heißt das beispielsweise, dass Menschen sich weniger für ihr Handeln verantwortlich fühlen. Einerseits, weil man nicht alleine für die Folgen des Klimawandels verantwortlich gemacht werden kann, und andererseits, weil man immer das Argument nennen könnte, dass alle anderen genauso wenig machen wie man selbst.

Letztlich bleibt noch der Ansatz der "Kollapsologie", einer Theorie, die sich mit der Annahme beschäftigt, dass die Zivilisation zusammenbricht. Einige Bürger empfinden den Kampf gegen den Klimawandel als bereits verloren, was sie nur noch mehr in der Annahme bestärkt, dass Maßnahmen und Einschränkungen sinnlos seien.

Abschließend ist zu sagen, dass man sich aktiv mit den oben genannten Denkweisen auseinander setzten muss, um die psychologischen Barrieren in Bezug auf den Klimawandel zu überwinden. Der Klimawandel ist kein Problem der Zukunft, wir spüren bereits heute die ersten drastischen Folgen. Jeder trägt die Verantwortung seines umweltschädlichen Verhaltens, und wir müssen alle unsere Prioritäten ändern, auch wenn wir zunächst das Gefühl haben, Einzelkämpfer zu sein oder nichts bewirken zu können. Am Ende wird es uns nämlich nicht egal sein, was mit unserem Planeten, unserem Land und unserer Heimat passiert. Von den Auswirkungen sind wir auch heute schon betroffen, weshalb wir unsere psychologischen Schranken offen konfrontieren und zu handeln beginnen müssen.

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