Ist die Steuererklärung abgegeben, beginnt das Warten auf den Bescheid. Foto: Gern

Ist die Steuererklärung abgegeben, beginnt das Warten auf den Bescheid. Das Finanzamt Balingen ist recht schnell unterwegs. Finanzamtschef Albin Geiger berichtet, was das Finanzamt ausbremst und ab wann die Erklärungen bearbeitet werden.

Das sagt Finanzamtschef Albin Geiger zur Durchlaufzeit, zu Grundsteuerbescheiden und zu einem vermehrten Eingang an Erklärungen nach der Corona-Pandemie.

 

So lange braucht das Finanzamt Balingen für die Bearbeitung

Laut der Plattform lohnsteuer-kompakt.de liegt die Bearbeitungszeit bei 52 Tagen – und damit über dem Durchschnitt in Baden-Württemberg (63).

„Die von lohnsteuer-kompakt.de veröffentlichten Bearbeitungszeiten weisen durchaus einen richtigen Trend“, berichtet Geiger dazu unserer Redaktion. Allerdings werte die Plattform „nur eine eingeschränkte Anzahl von Steuererklärungen aus, während die Daten in der Steuerverwaltung Baden-Württemberg auf der Grundlage aller abgegebenen Steuererklärungen ermittelt werden“.

Geiger legt Zahlen vor: Die durchschnittliche Durchlaufzeit habe 2023 in Baden-Württemberg 54 Tage betragen, das Finanzamt Balingen war mit 47 Tagen noch ein wenig schneller.

Die Bearbeitungszeit habe sich im Landesdurchschnitt und beim Finanzamt Balingen „erfreulicherweise“ nicht verlängert, sondern liege auf dem Niveau von 2022, so Geiger.

Steuererklärung: Das beschleunigt oder verlangsamt die Bearbeitung

Ein Platz im vorderen Drittel der baden-württembergischen Finanzämter – damit ist Geiger „zunächst einmal zufrieden. Wir wollen aber dennoch die Durchlaufzeit weiter verbessern.“

Er sei zuversichtlich, dass dies gelingen wird, schränkt aber ein: „wenn nicht weitere zusätzliche Aufgaben oder Erschwernisse auf die Finanzämter zukommen“.

Das bremst im Finanzamt Balingen

„Hierzu gehört zunächst die Grundsteuerreform“, so Geiger. Das Finanzamt Balingen muss im Rahmen des neuen Grundsteuergesetzes 120 500 neue Grundsteuerbescheide erlassen.

Dazu kommt: Wegen der Corona-Pandemie wurden Fristverlängerungen zur Steuererklärungsabgabe gewährt. „Dies führt jetzt dazu, dass wir im Jahr 2023 und auch in 2024 einen vermehrten Eingang an Erklärungen haben.“ Diese Rückstände müssten abgearbeitet werden.

Personalnot kennt indes auch das Finanzamt Balingen. Geiger spricht von „personellen Engpässen“: „Wir bemerken den gestiegenen Konkurrenzdruck in der Nachwuchsgewinnung.“

Geiger betont, dass es nicht auf die Schnelligkeit allein ankomme. Im Sinne der Steuergerechtigkeit zähle die Qualität der Steuerbescheide.

Steuererklärung: Deshalb sind die Bearbeitungszeiten unterschiedlich

Finanzamtschef Geiger kann dafür Gründe nennen. „Regionale Besonderheiten wie zum Beispiel die Grenznähe zur Schweiz können sich in der Komplexität der Steuerfälle oder auch auf die Personalgewinnung auswirken.“ Eine größere Anzahl von Pensionierungen im laufenden Jahr wirke sich ebenfalls aus.

Außerdem kommt es auf die Qualität der eingereichten Steuererklärungen an: Muss das Finanzamt Rückfragen stellen, dauert die Bearbeitung am Ende länger.

So viele Steuererklärungen bearbeitet das Finanzamt Balingen pro Jahr

„Die primäre Zielsetzung ist derzeit, im Laufe eines Kalenderjahres 100 Prozent der jährlich anfallenden Steuerfälle zu bearbeiten und zugleich Rückstände infolge von Corona-Erleichterungen abzubauen“, erklärt Geiger.

Im Finanzamt Balingen müssen demnach jährlich 72 500 Einkommensteuerfälle bearbeitet werden.

Dann werden die Steuererklärungen bearbeitet

„Grundsätzlich in der Reihenfolge des Erklärungseingangs“, sagt Geiger. „Je eher eine Steuererklärung abgegeben wird, desto früher kann ein Steuerbescheid ergehen.“

Aus programmtechnischen Gründen – dafür nennt Geiger als Beispiele Datenlieferungen der Krankenkassen und Arbeitgeber für das abgelaufenen Jahr – werden die Finanzämter 2024 voraussichtlich erst ab Ende März mit der Bearbeitung der Steuerfälle für 2023 beginnen. „Vorherige Nachfragen zum Bearbeitungsstand machen also keinen Sinn.“