Für die Hausherren Anlass zum Trübsal, für fünf andere Vereine Grund zur Hoffnung auf einen gesicherten Versammlungsraum: Das Gebäude der Schützengilde in Heselwangen. Foto: Schnurr

Mindestens fünf Balinger Vereine sollen ab Herbst in Heselwangen geeignete Räume finden. Gaststätte unerwünscht.

Balingen - Mindestens fünf Balinger Vereinen fehlt es derzeit an geeigneten Räumen oder droht in naher Zeit Platznot. Nach Vorstellung der Stadtverwaltung sollen diese ab Herbst im Haus der Schützengilde Platz finden.

Akkordeonorchester, der Chor Zollern­alb Vox Humana, der Western-Tanz-Club Fire­boots Balingen-Frommern, der Tauchclub Octopus und die DAV-Bergsteigergruppe sollen ab dem 1. September den großen Versammlungsraum des Schützenhauses nutzen dürfen. Zu diesem Zweck will die Stadt den Saal anmieten. Die Miete beträgt voraussichtlich monatlich 400 Euro plus einen Anteil an den Betriebskosten.

Nötig wird dies, weil die Vereine bislang teilweise in Räumen zusammenkommen, die künftig verstärkt von den eigentlichen Nutzern beansprucht werden: Den Lagerraum der Akkordeonspieler benötigt die Balinger Feuerwehr, den Vereinsraum von Tauchclub und DAV will die Arbeiterwohlfahrt für Essen auf Räder und Seniorencafé nutzen.

Das Thema stand ursprünglich auf der jüngsten Tagesordnung des Verwaltungsausschusses, wurde dann aber kurzfristig heruntergenommen. Erst will die Stadtversammlung die Meinung des Heselwanger Ortschaftsrats zu diesen Plänen einholen.

Dessen Sitzung am heutigen Donnerstag ab 19.30 Uhr in der Ortschaftsverwaltung werden sicher nicht zuletzt Mitglieder des Akkordeon­orchesters verfolgen. Denn für die rund 200 Mitglieder, darunter 34 Aktive im ersten Orchester, ist die Suche nach einer neuen Bleibe besonders drängend, wie die Vorsitzende Silvia Kiefer erläutert.

Es gehe vor allem um einen Lagerraum für elektronische Geräte wie Verstärker, Bässe und Elektronium, um Pauken, Schlagzeug und Noten. Deren bisherige Unterbringungsmöglichkeit benötige die Feuerwehr als zusätzliches Büro. Künftig könnten diese Dinge in Heselwangen stehen.

Glücklich seien die Akkordeonspieler mit dem Schützenhaus aufgrund dessen Lage aber nicht, sagt die Vorsitzende: Das Gebäude sei abgelegen, die Zufahrtsstraße zu eng, und es fehle an Parkplätzen: Die Jugendorchesterspieler müssten nach der Probe von den Eltern abgeholt werden, gleichzeitig kämen die Musiker des ersten Orchesters zur Probe. "Wo sollen diese 25 bis 30 Fahrzeuge parken?"

Mangels Alternativen habe der Vorstand zwar beschlossen, den Orchesterbetrieb in den Räumen des Schützenhauses fortzusetzen. "Für uns stellt sich aber die Frage, warum alle anderen musiktreibenden Vereine in öffentlichen Räumen und Schulen unterkommen und auch dort Lagermöglichkeiten haben?" Und Unterricht soll es in Heselwangen nicht geben.

Die rund 40 Sänger des Chors Vox Humana haben zumindest nicht das Problem, schwere Instrumente mitbringen zu müssen. Sie probten bislang abwechselnd im katholischen Gemeindehaus Balingen und in Haigerloch, nach dem Abriss des Gemeindehauses nur noch in der kleinen Nachbarstadt.

Den Mitgliedern aus Balingen, Albstadt und Dormettingen sei Haigerloch auf Dauer jedoch zu weit, sagt die Vorsitzende Elke Fahrner. Nun soll das Schützenhaus Platz für ein Klavier und die im vierwöchigen Rhythmus stattfindenden Proben bieten.

Was für die Neunutzer Anlass zu Vorfreude oder zumindest eine Übergangslösung sein könnte, sorgt beim Hausherrn, der Schützengilde Balingen 1834, hingegen für Trübsal. Denn das gerade einmal zehn Jahre alte Vereinsheim ist Grund von Schulden in knapp sechsstelliger Euro-Höhe bei Bank und Landes-Schützenverband. Deretwegen hat der Verein vor kurzem Insolvenz angemeldet.

Im Heselwanger Ortschaftsrat geht es daher heute Abend nicht nur um die Zukunft von fünf, sondern gleich von sechs Vereinen. Ortsvorsteher Berthold Roller steht dem Vorschlag der Verwaltung aufgeschlossen gegenüber: "Ich sehe das als gute Möglichkeit, den Schützen unter die Arme zu greifen."

Wenig Chancen gibt er hingegen Plänen, wieder eine Gaststätte einzurichten. Der Schützenverein wollte mit der Pacht wieder Einnahmen erzielen. Doch damit habe man zu Zeiten des "Galgenhölzles" schlechte Erfahrungen gemacht, sagt Roller.

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