Der Balinger Gemeinderat hat beschlossen, dem Bauvorhaben des real-Markts Auf Gehrn stattzugeben. Foto: Maier

Innenstadtrelevanter Bereich bei Zusammenschluss von Food- und Nonfood-Markt kleiner.

Balingen-Endingen - Bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung hat der Balinger Gemeinderat beschlossen, dem Bauvorhaben des real-Markts Auf Gehrn stattzugeben. Weil der Grundstückseigentümer Edeka neu bauen und eine weitere Edeka-Filiale eröffnen will, sind die Tage des real-Lebensmittelmarkts gezählt. Daher soll real auf der gegenüberliegenden Straßenseite erweitert werden; die beiden bisherigen Standorte sollen zusammengeführt werden.

Real sei auf die Stadt zugekommen mit dem Antrag, die Verkaufsfläche auf 3850 Quadratmeter zu erweitern, erläuterte Baudezernent Michael Wagner. Dabei sollen innenstadtrelevante Bereiche reduziert und der Markt im Großteil zu einem Lebensmittelmarkt umfunktioniert werden. Es gelte jetzt zu prüfen, ob die rechtlichen Vorgaben "weitgehend eingehalten werden können". Ziel sei es, den Bebauungsplan noch in diesem Jahr zu ändern; der Erweiterungsbau könnte dann im nächsten Jahr fertig werden.

Der Regionalverband Neckar-Alb unterstütze das Vorhaben, sagte Oberbürgermeister Helmut Reitemann: "Ich glaube, dass wir das hinkriegen. Wir müssen dabei aber bestimmte Regelungen beachten." Dietmar Foth (FDP) brachte es auf den Punkt: "Wir müssen mit Geschick eine Ausnahmegenehmigung schaffen." Balingen brauche den real-Markt, nicht nur, weil er "einen gewissen Charme" habe, sondern auch als Konkurrenz zu anderen Anbietern. Und die Elektro-Abteilung sei "eine der wenigen Alternativen" in der Stadt. Auch das Lebensmittelgeschäft sei wichtig.

Ulrich Teufel (SPD) erkundigte sich nach dem Marktgutachten: "Ich mach’ nicht gerne halbe Sachen", sagte er. Die Informationen in dem Marktgutachten seien für die Entscheidung wichtig.

Detaillierte Ergebnisse würden noch nicht vorliegen, führte Michael Wagner aus. Aber vom Marktgutachter gebe es "positive Aussagen". Zuletzt habe es einen Arbeitskreis mit der IHK und dem Regionalverband gegeben, das Marktgutachten sei derzeit in der sogenannten Schlussbearbeitung: "Real bekommt einen Rahmen, der ausgefüllt werden kann."

Peter Seifert (Grüne) erklärte, dass auch er mit dem Regionalverband gesprochen habe: "Die sehen das gar nicht so positiv." Er habe den Verdacht, dass dann, wenn ein Investor komme, alles an dessen Forderungen angepasst werde. Das Vorhaben sei für die Innenstadtentwicklung ­"defi- nitiv negativ": Wenn künftig ein Investor im Lindle- oder im Bahnhofsareal einen dringend benötigten Lebensmittelmarkt bauen möchte, könnte das daran scheitern.

"Das sehen wir nicht so", konnterte der Oberbürgermeister: "Wenn ein Investor in der Innenstadt einen Lebensmittelmarkt bauen will, der dort gebraucht wird, kann er das trotzdem tun." "Dringend gebraucht?", warf Dietmar Foth ein: "Im Zentrum haben wir einen Lebensmittelmarkt."