Felix Bahn und Stefanie Köpfler-Bertels gestalteten den Gottesdienst in der Dürrwanger Petruskirche mit.Foto: Lüken Foto: Schwarzwälder Bote

Religion: Felix Bahn und Stefanie Köpfler-Bertels gestalten musikalischen Gottesdienst zum Ewigkeitssonntag in Dürrwangen

Felix Bahn, Leiter der Streicherklasse der Jugendmusikschule Balingen, und Stefanie Köpfler-Bertels, Organistin, haben in der Dürrwanger Petruskirche den Gottesdienst zum Ewigkeitssonntag bereichert. Sie überzeugten durch ihr niveauvolles und eindrückliches Spiel auf Bratsche und Orgel.

Balingen-Dürrwangen. Stefanie Köpfler-Bertels hatte dafür ihre Truhenorgel mitgebracht, ein Instrument, das für das Solospiel ebenso geeignet ist wie für die Begleitung eines Melodieinstruments. Die Bratsche entfaltete einen warmen, tenoralen Klang; zum Teil kontrastierte sie die Begleitung durch die Truhenorgel, zum Teil ergänzte sie die Klänge.

Bei Bach mauserte sich das zuvor in den Hintergrund verbannte Begleitinstrument zum gleichwertigen Partner des Soloinstruments. Das wurde gleich zu Beginn des Gottesdienstes im Adagio der Komposition Bachs hörbar: So sonor die Bratsche ihre Töne auch hören ließ – die Truhenorgel setzte ihr ein geistvolles Spiel dagegen. Sie nahm Impulse von der Bratsche auf, und die Bratsche antwortete auf Motive der Orgel. Die Orgel wurde leichtfüßig gespielt, voller Freude an den Läufen und Trillern, und die Bratsche sorgte für den wohlklingenden Ausgleich.

Der zweite Satz ließ die Orgel noch mehr als solistische Ergänzung der Bratsche erscheinen. Hier stand die Triosonate Pate: Eine Stimme wurde von der Bratsche gespielt, eine von der Orgel mit der rechten Hand; die Basslinie wurde von der linken Hand der Organistin beigesteuert. Es kam zu einem begeisternden, jubelnden Miteinander. Das lag auch daran, dass der Bratschist stilsicher auf ein ausuferndes Vibrato verzichtete und den geradlinigen Klängen seines Instrumentes vertraute.

Dieses Miteinander zeichnete auch Prélude und Fugue D-Dur von Georg Friedrich Händel aus. Auffallend war die Spannung, die beide Interpreten in den scharfen, punktierten Rhythmen der Prélude erzeugten. Auch hier erwiesen sie sich als kompetente Sachwalter des Komponisten. In der Fugue übernahm die Bratsche eine Stimme und feierte dadurch mit der Orgel zusammen die kontrapunktischen Raffinessen der Komposition.

Pfarrerin Margarete Goth wies in ihrer Predigt auf den Ernst der gegenwärtigen Situation hin: "Wir sind im Nebel gefangen und fahren auf Sicht. Das beschreibt das Leben, das Sterben und den Weg durch die Trauer."

Der Begriff Quarantäne, fast vergessen, sei wieder in aller Munde. Doch sie fand tröstende Worte eines Menschen, der auch in Quarantäne war: Johannes der Offenbarer habe in einer Vision das himmlische Jerusalem auf die Erde kommen sehen – ein Bild dafür, dass Gott den Menschen in der Krise nahe sei und diese letztlich überwinde.

Versöhnlicher Ausblick

Darauf antwortete die Organistin, jetzt an der Kirchenorgel, mit der Choralbearbeitung "Wachet auf, ruft uns die Stimme" aus den sogenannten Schüblerschen Chorälen von Johann Sebastian Bach. Stefanie Köpfler-Bertels wählte eine Registrierung, in der Begleitung und Choral gleichwertig waren, sich aber gut hörbar voneinander unterschieden – eine sehr geglückte Auffassung. Spieltechnisch erscheint die Choralbearbeitung leicht; in Wahrheit benötigt sie die musikalische Präsenz des Organisten vom ersten bis zum letzten Ton. Stefanie Köpfler-Bertels bewältigte diese Herausforderung mit Bravour.

Als Nachspiel zu diesem eindrücklichen Gottesdienst wählten die Solisten die beiden letzten Sätze aus der Gambensonate Bachs. Im dritten Satz schreitet die Musik verhalten und nachdenklich voran, einem Trauermarsch gleich. Damit wurde das Thema des Sonntages noch einmal aufgenommen. Der letzte Satz hingegen sprudelte wieder vor Fröhlichkeit. So endete dieser musikalische Gottesdienst zum Ewigkeitssonntag mit einem versöhnlichen musikalischen Ausblick.

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