Die Eisenbahnbrücke über die Eyach im Balinger Norden ist marode: Die Bahn stellt bis zur Gartenschau 2023 eine neue Schienenüberführung her. Foto: Maier Foto: Schwarzwälder Bote

Vorhaben: Arbeiten sollen im Februar beginnen / Künftige Parkplatzfläche dient als Baustellenlager

Möglichst bis zur Gartenschau will die Stadt auf der Wiese oberhalb des Naturfreundehauses Stadtmühle in Richtung B 27 Parkplätze für Wanderer sowie für Wohnmobile anlegen. Nach derzeitigem Stand scheint das auch realisierbar zu sein – trotz des unweit davon anstehenden Neubaus der Eisenbahnbrücke über die Eyach.

Balingen. Wie berichtet, will die Bahn die bald 100 Jahre alte Schienenüberführung über die Eyach unterhalb von Schmiden erneuern. Laut einer Datenerhebung aus dem Jahr 2017 gehört sie zu den marodesten Brückenbauwerken der Bahn bundesweit. Sie hat nach Angaben des Unternehmens ihre "technische Nutzungsdauer" erreicht.

Die Balinger Stadtverwaltung begrüßt den Neubau grundsätzlich, hatte indes bisher immer die Sorge, dass dieser sich beißen würde mit den Planungen für die Gartenschau im Jahr 2023. Befürchtet wurde im Rathaus, dass im schlimmsten Fall die Bahnstrecke, auf der Tausende Besucher aus dem Norden und dem Osten nach Balingen kommen sollen, gerade in dieser Zeit gesperrt sein würde. Oder dass die Brückenerneuerung die ebenfalls anstehenden Arbeiten rund um die Stadtmühle – Anlegung der neuen Parkplätze, Neubau "Mühlengeist" – behindern würden. Beziehungsweise dass die Bahnarbeiten die Nutzung der Flächen rund um die Stadtmühle und das Areal Hahn & Schneckenburger, wo eine grüne Erlebnislandschaft entsteht, beeinträchtigen würde. All diese Unwägbarkeiten aber sind nun vom Tisch.

Wie die Bahn auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt, beginnen die Arbeiten im Zusammenhang mit der neuen Bahnbrücke in Kürze, im Februar soll es soweit sein. Zunächst sollen Bäume und Sträucher rund um das bestehende Bauwerk zurückgeschnitten werden. Erste Bautätigkeiten sind laut einem Sprecher für Sommer 2021 vorgesehen, die Hauptarbeiten indes erst für 2022 geplant. Die neue Brücke werde dann neben dem bestehenden Gleis errichtet. Diese soll im September 2022 an ihren Ort an der Bahnstrecke verschoben werden – ganz ähnlich also wie auf der Bahnstrecke zwischen Balingen und Endingen, wo in diesem Sommer die neue Brücke über die Steinach installiert worden war. Im Herbst vor dem Gartenschaujahr also werden Züge über die dann neue Brücke rollen. Die Gesamtarbeiten mit einem geschätzten Volumen von rund 7,8 Millionen Euro sollen nach Angaben der Bahn im Frühjahr 2023 fertiggestellt sein – pünktlich zur Gartenschau.

Die spannende Frage aus Sicht des Balinger Rathauses ist nun nicht nur, wann genau die Bahn mit ihrem Bautrupp wieder an der Brücke abzieht, sondern wann die Wiese oberhalb der Stadtmühle wieder zur Verfügung steht. Darauf will die Bahn nach Angaben von Baudezernent Michael Wagner ihr Baulager einrichten. Dort sollen die für das Vorhaben notwendigen Materialien gelagert werden. Und genau dort will indes die Stadt gemeinsam mit den Naturfreunden sowie Siegfried Reiter ("Mühlengeist") möglichst bis zur Gartenschau einen Parkplatz anlegen, der über 2023 hinaus als Ausgangspunkt für Ausflüger dienen soll. Den Planern schwebt dabei eine einfache, geschotterte Fläche vor, nach dem Vorbild vieler Wanderparkplätze auf der Alb. Für die Anlage eines solchen Parkplatzes werde man wohl einige Wochen brauchen, so Baudezernent Wagner. Seine Hoffnung: Dass die Bahn die Wiese so rechtzeitig räumt, dass die Stellplätze rechtzeitig bis zur Gartenschau fertigwerden. Und dazu vielleicht auch jene für die Wohnmobilisten.

Ursprünglich war nahe der Stadtmühle auch einmal ein größerer Parkplatz vorgesehen gewesen, mit Blick auf die Gartenschau. Doch diese Idee ist laut Wagner vom Tisch: Stellplätze – mehr als 1500 Stück – gebe es auf dem Messeglände sowie an der SparkassenArena genügend. Wobei diese großen Abstellflächen im Gartenschaujahr wegen Veranstaltungen wie dem Festival Bang Your Head oder dem Volksfest nicht immer uneingeschränkt zur Verfügung stehen.

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