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Balingen/Hechingen Drei Jahre Haft für sexuellen Übergriff am Bahnhof

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Am Balinger Bahnhof war es zu dem sexuellen Übergriff gekommen. Foto: Maier

Balingen/Hechingen - Ein 27-jähriger Somalier hat im Oktober vergangenen Jahres eine junge Frau am Balinger Bahnhof massiv sexuell bedrängt. Deshalb muss er für drei Jahre hinter Gitter.

Richter Breucker spricht langsam und deutlich, als er das Urteil der Großen Strafkammer am Landgericht Hechingen begründet. "Sie müssen es verstehen", sagt er zu dem Angeklagten. Der Dolmetscher überträgt die Begründung Wort für Wort, Satz für Satz in dessen Muttersprache. Wegen sexueller Nötigung und Körperverletzung wird der 27-Jährige zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt.

"Die Anklageschrift hat sich zu 100 Prozent als richtig erwiesen", legt der Richter dar. Der Somalier habe am 13. Oktober eine 17-Jährige am Balinger Bahnhof in massiver Weise sexuell genötigt – obwohl diese ihre Ablehnung deutlich zum Ausdruck gebracht habe. Die Erklärung des Angeklagten, es sei nur ein Missverständnis wegen mangelnder Sprachkenntnisse gewesen, lässt die Kammer nicht gelten: "Ihnen war klar, dass Sie das deutliche ›Nein‹ oder ›No‹ einer Frau hätten beachten müssen. Dieses Nein haben sie trotz ihrer Sprachprobleme sehr gut verstanden", sagt Breucker.

Mehrmals betont der Richter: Wäre es zu einer vollendeten Vergewaltigung gekommen, wäre der 27-Jährige deutlich strenger bestraft worden. "Gott sei Dank haben die Zeugen Schlimmeres verhindert", sagte er.

Strafmildernd wertete die Kammer den Umstand, dass der 27-Jährige zum Zeitpunkt der Tat "höchstwahrscheinlich nicht vollkommen gesund" gewesen sei. Anhaltspunkte dafür lieferte am zweiten Verhandlungstag ein Sachverständiger.

Opfer sagt: hätte auch lebenslänglich verdient

Der Facharzt, der den Angeklagten zweimal untersucht hatte, gab zu: "Die Beurteilung ist sehr schwierig und sehr unsicher." Mehrere Lebensläufe, widersprüchliche Angaben – manches sei auch für ihn, einen erfahrenen Fachmann für interkulturelle Fälle in der Psychiatrie, sehr schwer einzuordnen gewesen.

Die komplette Krankheitsgeschichte des Angeklagten, auch die Ermittlungsunterlagen und die Aussagen von Zeugen dienten neben den eigentlichen Untersuchungsergebnissen als Grundlage. Das Fazit des Gutachters: Der 27-Jährige leide unter paranoider halluzinogener Psychose, die möglicherweise durch den Konsum der Droge Kath hervorgerufen sei. Der Angeklagte räumte ein, die Droge in seiner Heimat regelmäßig zu sich genommen zu haben.

Manifest sei die seelische Störung erst in der Haft geworden. Auch mehrere Zeugen berichteten, am Tag des Übergriffs keine Auffälligkeiten im Verhalten des Angeklagten bemerkt zu haben. Eine verminderte Steuerungsfähigkeit zum Zeitpunkt der Tat konnte der Gutachter trotzdem nicht ausschließen. Das griff der Richter auf: "Dieser Krankheitszustand lag möglicherweise schon am 13. Oktober vor."

Staatsanwalt Engel hatte in seinem Plädoyer zuvor eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren gefordert. Er warf dem Angeklagten neben sexueller Nötigung und Körperverletzung auch versuchte Vergewaltigung vor. Das medizinische Attest belege zahlreiche Schürfungen und Prellungen, auch das DNA-Gutachten bestätige die Vorwürfe, argumentierte Engel. Beim Prozessauftakt hatte die 17-Jährige geschildert, dass sie an jenem Abend Todesängste hatte. "Die junge Frau leidet auch heute noch unter dem Geschehen", machte der Staatsanwalt klar. Den Verteidiger hatte das von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmaß indes "irritiert und fast geschockt": Er plädierte auf eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren.

Nun muss der 27-Jährige für drei Jahre ins Gefängnis. Die Voraussetzungen für eine Unterbringung in der Psychiatrie liegen laut Gutachter nicht vor. "Zum Glück sind Sie nicht so krank, das Sie in die Psychiatrie gehören. Ihre Medikamente müssen Sie aber weiterhin einnehmen", mahnte der Richter.

Das Opfer, die junge Frau aus Ebingen, meinte nach der Urteilsverkündung, für einen psychisch kranken Mann sei die Strafe angemessen. "Meiner Meinung nach hätte er aber auch lebenslänglich verdient", fügte sie hinzu.

 
 

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