Der Balinger Weltladen in der Schwanenstraße feiert 30-jähriges Bestehen. Auch Oberbürgermeister Helmut Reitemann (hinten Mitte) ist zum Empfang gekommen, um zu gratulieren. Foto: Fiedler Foto: Schwarzwälder-Bote

Balinger Weltladen feiert 30-jähriges Bestehen / Stadt unterstützt Konzept / Gewinn steht nicht im Vordergrund

Von Julius Fiedler

Balingen. Fair handeln – nach diesem Prinzip arbeitet der Weltladen in Balingen. Am Samstagvormittag wurde das 30-jährige Bestehen in den Verkaufsräumen in der Schwanenstraße gefeiert.

Die Mitarbeiter waren natürlich gekommen, ebenso die Gründungsmitglieder und Vertreter des Trägervereins "Freundeskreis Dritte Welt", der neben dem Geschäft in Balingen noch fünf weitere Weltläden in der Region betreibt. Auch Oberbürgermeister Helmut Reitemann ließ es sich nicht nehmen, dem Weltladen und seinen Mitarbeitern zu gratulieren.

Begonnen hat die Geschichte des Weltladens im Herbst 1985 mit einer Gründungskonferenz, in der damaligen Stadiongaststätte am Au-Stadion "mit sehr großer Resonanz", wie Bernhard Schädle-Horn, Gründungsmitglied des Balinger Weltladens und Vorstand des Trägervereins, sich erinnert.

Über 100 Menschen diskutierten damals, ob es sinnvoll sei, in Balingen einen Dritte-Welt-Laden zu betreiben. Aus diesen kristallisierte sich eine Gründungsgruppe heraus, von deren Mitgliedern einige heute noch im Laden aktiv sind. Nach einigen Umzügen ist der Weltladen seit 1999 in der Schwanenstraße zu Hause.

"In diesem Zeitraum hat sich unser Umsatz vervielfacht", berichtet Schädle-Horn. Dies bedeute auch, dass der faire Handel in Balingen auf immer mehr Interesse stoße.

Das zeige sich etwa am Siegel "Fair-Trade-Stadt", das Balingen trägt. Der Weltladen ist auch anderweitig engagiert, den fairen Handel voranzutreiben. Beispielsweise gibt es an der Waldorfschule Frommern einen Schulweltladen, einen Stand auf dem Wochenmarkt und das "faire Frühstück" auf dem Marktplatz.

Die Arbeit im Balinger Weltladen basiert auf ehrenamtlichem Engagement. Insgesamt kommen jährlich etwa 2000 ehrenamtlich geleistete Arbeitsstunden zusammen. 32 Personen arbeiten derzeit im Weltladen. Zum Leitungsteam gehören Gabi Weible, Esther Mattes, Herbert Bieser und Hans-Martin Hauch.

Doch was macht den Weltladen so besonders? "Unsere Idee ist es, dass nicht die Gewinnmaximierung im Vordergrund steht, sondern die Umsatzmaximierung. Das liegt ganz einfach daran, dass jedes Produkt, das wir verkaufen, hilft, die Lebensbedingungen des Produzenten zu verbessern. Je mehr Produkte von uns gekauft werden, desto mehr Produzenten werden angemessen und menschenwürdig für ihre Arbeit bezahlt", erklärt Bernhard Schädle-Horn. So entstehe eine Situation mit hochwertigen Produkten auf der einen Seite, und menschenwürdige Bezahlung auf der anderen.

Das Team in der Schwanenstraße sucht derzeit übrigens Verstärkung.

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