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Balingen Größere Bedrohung als IS-Terror

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»Wenn die Chinesen unsere Energiewende nachmachen - und sie sind im Nachmachen sehr gut -, dann haben wir ein Stück weit die Welt gerettet«: Sven Plöger hat in der Balinger Stadthalle auf unterhaltsame Weise für ein Umdenken geworben. Foto: Marc Eich

Balingen - Genau zwei Minuten und 19 Sekunden dauert Abend für Abend sein ARD-Wetterbericht. Fast zwei Stunden lang hat Sven Plöger seine Zuhörer in der Balinger Stadthalle unterhalten - mit viel rheinländischem Witz, obwohl es um ein äußerst ernstes Thema ging.

"Klimawandel: Sind wir noch zu retten?" Der Vortrag, zu dem das Klimaschutzmanagement des Zollernalbkreises, die Energieagentur und der Verein Sonnenenergie Zollernalb eingeladen hatten, und der prominente Meteorologe mit dem rheinländischen Humor hat viele Zuhörer in die Balinger Stadthalle gelockt. So viele, dass man aus Sicherheitsgründen nicht alle einlassen konnte, die eingelassen werden wollten. Und manch einer, der es in den Großen Saal geschafft hatte, musste stehen.

Das Klima, so der Meteorologe, habe sich schon immer geändert. Aber das, was 2018 und 2019 geschehen sei, habe es so noch nie gegeben: "Der Sommer kam aus dem Nichts, und die Pflanzen hatten keine Ahnung, wann sie blühen sollten." Hochsommer in Lappland, Waldbrände in Schweden, Dürre in Sachsen und Thüringen, und 60 Wetterstationen in Deutschland, die Temperaturen über 40 Grad meldeten: "Da haben alle gespürt, es tut sich was, wir spüren die Dinge, die die Klimaforschung vor vielen Jahren vorhergesagt hat."

"Nicht so schlimm, das geht vorüber!"

Zunehmende Dürre in Europa, die anhand der Satellitenbilder greifbar wird, schmelzende Polkappen dito, Statistiken, die beweisen, dass die vergangenen fünf Jahre die wärmsten gewesen sind seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881. Und dazwischen ein Witz: "Treffen sich zwei Erden. Sagt die eine: ›Du, ich hab den Homo sapiens!‹ Meint die andere: ›Nicht so schlimm, das geht vorüber!‹" Es folgen Satellitenbilder von Waldbränden, Informationen zur Entwicklung der Weltbevölkerung, die sich in den vergangen 50 Jahren mehr als verdoppelt hat und Jahr für Jahr um weitere 80 Millionen anwächst, und zwischendurch etwas "große Politik": Der Brasilianische Präsident habe wohl von Herrn Trump gelernt, dass es den Klimawandel nicht gebe. Allein in diesem Jahr sei doppelt so viel Regenwald abgeholzt worden wie im vergangenen Jahr.

"Wir glauben in Deutschland, wir hätten schon so viel gemacht. Aber wir haben die Klimaziele um zehn weitere Jahre aufgeschoben, und wir produzieren in Deutschland mehr CO2 pro Kopf als jeder Brasilianer." Plögers Prognose: "Mit dieser Strategie werden wir das Ziel nicht erreichen." Und seine Einschätzung: "Das Klimapaket der Bundesregierung hat mich sehr irritiert."

Menschen würden den Klimawandel als größere Bedrohung ansehen

Warum alles so langsam gehe? Ein Beispiel: Der Exxon-Chef habe 357 Millionen Euro im Jahr mit fossilen Brennstoffen verdient, "und dann machen Sie dem klar, dass die Welt erneuerbare Energien braucht". Aber weltweit finde ein Umdenken statt, zu dem auch die Fridays for Future-Bewegung beigetragen habe: Die Menschen würden den Klimawandel als größte Bedrohung ansehen, noch vor dem IS-Terror, Cyberattacken und der US-Politik.

Wozu brauche man in Deutschland einen SUV? "Wie viele Erdwälle gibt es auf deutschen Autobahnen? Und wie viele Flussquerungen zwischen Köln und Dresden?" Allein 2018 seien weltweit 37 Milliarden Tonnen CO2 ausgestoßen worden, mehr als je zuvor. Und dabei laute das Ziel der EU, bis zum Jahr 2030 den CO2-Ausstoß auf zehn Milliarden Tonnen zu reduzieren, und bis 2050 auf Null. "Was wir jetzt machen, muss die Jugend ausbaden", warnte der Meteorologe. Das, was jetzt geschehe, sei wie ein drohender Asteroideneinschlag: "Da müssen sich alle zusammentun und versuchen, etwas zu machen, dass er nicht einschlägt."

Und ja, wir seien noch zu retten, betont Plöger. Noch. Aber jeder müsse seinen Beitrag leisten. Zu sagen, dass man allein sowieso nichts bewirken könne, sei falsch. "Wenn jeder so denkt, passiert gar nichts." Man denke an den Mauerfall in der ehemaligen DDR: "Die Leute haben erkannt, dass es sich lohnt, für ein gemeinsames Ziel zusammenzustehen."

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