Passt hierher ein Gewerbegebiet? Links vom Ortsausgang von Dürrwangen in Richtung Laufen könnten künftig möglicherweise Unternehmen ansiedeln. Der Frommerner Ortschaftsrat hat den Weg frei gemacht für das Bebauungsplanverfahren. Foto: Maier

Ortschaftsrat fasst Grundsatzbeschluss zu möglichem neuen Gewerbegebiet zwischen Dürrwangen und Laufen.

Balingen-Frommern - Nach einer kontrovers-kritischen Diskussion hat der Ortschaftsrat Frommern gestern Abend den Grundsatzbeschluss zu dem möglichen neuen Gewerbegebiet Firstäcker gefasst. Wert legten die Bürgervertreter darauf, dass sie nach den nun anstehenden Prüfungen auch noch "Nein" zu dem Vorhaben sagen können.

Mit dem Beschluss haben die Frommerner der Stadtverwaltung den Auftrag erteilt, in das Bebauungsplanverfahren einzusteigen. Ein entsprechender Beschluss wird wohl in der Dezember-Sitzung des Gemeinderats getroffen. In einem ersten Schritt wird dann genau untersucht, ob das Gebiet Firstäcker, das am Ortsausgang von Dürrwangen in Richtung Laufen gelegen ist, überhaupt für Gewerbeansiedlungen geeignet ist – und wie die schon jetzt absehbaren Konflikte gelöst werden können.

Ewald Stingel nannte einige davon: So sind die Grundstücks- und die Zufahrtsfragen noch nicht geklärt, ebensowenig, wie ein mögliches Gewerbegebiet für die unmittelbar angrenzen Anwohner verträglich gestaltet werden kann. Stingel erinnerte auch daran, dass der Frommerner Rat im Jahr 2001 den ersten Anlauf für das Gewerbegebiet Firstäcker abgelehnt habe. Angela Godawa merkte an, dass viele der Argumente, die vor 13 Jahren zum "Nein" führten, auch heute noch gültig seien. Ulrich Teufel fragte, ob man auf diesem schönen Flecken Erde, wo sich das Tal hin zum Albvorland öffnet, wirklich Gewerbe wolle. Frank Hildwein – im übrigen der einzige, der gegen den Beschluss stimmte – sagte, dass zunächst andere Gewerbeflächen in der Stadt gefüllt und Alternativen geprüft werden sollten, ehe man dieses "Sahnestück" von Natur opfere.

OB Reitemann wirbt für positives Votum

Ein Teil dieses "Sahnestücks" ist als Vogelschutzgebiet ausgewiesen; durchaus möglich ist, dass Vogelkundler bei näherer Betrachtung das Gewerbegebiet stoppen. Ein Teil der Firstäcker-Fläche ist zudem als Grünzug im Regionalplan Neckar-Alb ausgewiesen und kann gar nicht ohne ein umfangreiches Umwidmungsverfahren als Gewerbegebiet genutzt werden.

Michael Wagner, Leiter des Stadtplanungsamts, stellte Details zu möglichen neuen Gewerbegebieten in Balingen vor (siehe auch Info). Ortsvorsteher Hans Uhl sagte, dass auch er "nicht rückhaltlos" von dem Projekt überzeugt sei. Objektiv gesehen aber müsse man sagen, dass es ein ähnlich gut für die Ansiedlung von Gewerbe geeignetes und zudem kurzfristig verfügbares Gebiet nirgendwo sonst im Balinger Stadtgebiet gebe. Mit Beginn des Bebauungsplanverfahrens würden die kritischen Punkte geprüft, die Fakten kämen auf den Tisch. Dann werde der Ortschaftsrat erneut beraten.

Klar für das Gewerbegebiet Firstäcker sprach sich Günther Meinhold aus. Frommern sei historisch gesehen ein bedeutender Gewerbestandort: "Daran sollten wir anknüpfen." Und dafür brauche es eben nicht nur weiche, sondern auch harte Standortfaktoren – wie die Möglichkeit für Unternehmen, sich anzusiedeln. Thomas Strobel meinte, dass Gewerbeansiedlungen wichtig für Frommern seien – diese brächten Menschen hierher, erzeugten dadurch Nachfrage nach Wohnraum und könnten somit helfen, die Infrastruktur vor Ort zu erhalten.

Für ein positives Votum Frommerns warb in der Sitzung Oberbürgermeister Helmut Reitemann. Er sagte, die Stadt habe "hohen Bedarf" nach neuen Gewerbeflächen – zumeist von Balinger Firmen, die sich gut entwickeln und wachsen wollen. Reitemann verwies auf das enorme wirtschaftliche Wachstum Balingens: Allein in den vergangenen drei Jahren seien 1000 neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze in der Stadt entstanden, aktuell seien es insgesamt 16 400 – und damit so viele wie noch nie. Aktuell aber stoße man an Grenzen, weil es keine großen verfügbaren Gewerbeflächen mehr gebe.

Reitemann sagte zu, dass das nunmehr beginnenden Verfahren offen sei, die Frommerner also auch zu einem späteren Zeitpunkt, eben wenn die Daten und Fakten vorliegen, immer noch "Nein" sagen können. Üblicherweise hat der Gemeinderat das letzte Wort, Ortsvorsteher Uhl machte aber deutlich: "Wir bestehen auf dem Primat unserer Entscheidung."

Seite 2: Bewertung

Fünf Flächen hat die Stadt Balingen als potenzielle Gewerbegebiete beziehungsweise Erweiterung eines schon bestehendes Gewerbegebiets im Auge – neben Firstäcker nahe Dürrwangen mit zehn Hektar die Gebiete Steinenbühl in Balingen (5,6 Hektar), Hinter Lauen in Engstlatt (8,3 Hektar), Kelleregert in Weilstetten (5,5 Hektar) sowie Rote Länder in Weilstetten (16,1 Hektar).

In einer vergleichenden Bewertung liegt die Fläche Steinenbühl auf Platz 1; allerdings bestehen laut Stadtplanungsamt Einschränkungen hinsichtlich der relativ geringen Größe, der Nähe zu Wohngebieten sowie mit Blick auf den Naturschutz. Ein Teil der Fläche ist zudem schon für die Erweiterung der Firma Mehrer vorgesehen. Das Gebiet First­äcker liegt auf Platz 2. Auf Platz 3 setzen die Bewerter eine Erweiterung des Gebiets Rote Länder – nur Platz 3, muss man sagen. Denn eigentlich ist die Fläche dort hinsichtlich der Topografie und der Größe am besten geeignet. Das große Aber: Die Flächen sind in Privatbesitz, derzeit sei die Verkaufsbereitschaft "sehr gering". Auf den Plätzen 4 und 5 stehen die Gebiete Hinter Lauen und Kelleregert.