Haare schneiden mit Maske: Das ist nach Meinung der Friseure sehr gut möglich. Die Betriebe wollen am 1. Februar wieder öffnen.Foto: Weihrauch Foto: Schwarzwälder Bote

Wirtschaft: Betriebe wollen am 1. Februar wieder arbeiten / "Haben viel in Sicherheit investiert"

Der harte Lockdown geht in die Verlängerung bis Mitte Februar. Für manchen der Friseur- und Kosmetiksalons, die nach den Schließungen vom Frühjahr 2020 zum zweiten Mal keine Kunden mehr bedienen dürfen, könnte dies das Aus bedeuten. Das wollen sie möglichst abwenden.

Zollernalbkreis. In gemeinsamen Briefen an den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und Sozialminister Manne Lucha (beide Grüne) sowie an Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) fordern die Handwerkskammer Reutlingen und die fünf Innungen des Friseur-Handwerks aus dem Kammerbezirk deshalb einen Neustart zum 1. Februar 2021.

"Fortdauernde Schließung nicht zielführend"

"Die von Bund und Ländern beschlossenen Corona-Maßnahmen haben die Leidensfähigkeit der Friseure und Kosmetiker auf eine harte Probe gestellt. Durch die mehrmaligen Verlängerungen geraten diese Betriebe und dadurch auch die betroffenen Mitarbeiter und deren Familien zunehmend in existenzielle Schwierigkeiten", fassen Harald Herrmann, Präsident der Handwerkskammer Reutlingen, und der Vizepräsident der Arbeitnehmerseite, Harald Walker, die wirtschaftliche und soziale Lage zusammen.

Im Kammerbezirk sind aktuell 1033 Friseur- und 719 Kosmetikbetriebe betroffen. Ohnehin stelle sich die Frage, so Herrmann und die Obermeister der Friseur-Innungen der Landkreise Zollernalb, Sigmaringen, Freudenstadt, Reutlingen und Tübingen, ob eine fortdauernde Schließung dieser Gewerbe sinnvoll und zielführend sei, um die Ausbreitung der Infektionen tatsächlich einzudämmen. Denn schließlich hätten die Unternehmen bereits im vergangenen Jahr gezeigt, dass ein Betrieb unter Corona-Bedingungen sehr wohl möglich sei.

"Friseure und Kosmetiker haben unter erheblichen finanziellen Aufwand in die Sicherheit von Kunden und Mitarbeitern investiert", betont Alexander Wälde, Obermeister der Friseur-Innung Freudenstadt und Vizepräsident der Handwerkskammer für die Arbeitgeberseite. Die geforderten Auflagen, wie beispielsweise das Tragen von Masken, Abstandsregeln, die Desinfektion von Mobiliar und Werkzeugen und das Verbot einzelner Dienstleistungen seien in den Betrieben konsequent umgesetzt worden. Auch habe sich die vorherige Terminvergabe, um die Kundenfrequenz zu steuern, in der Praxis bestens bewährt. "Die Erfahrungen zeigen, dass es funktioniert. Friseur- und Kosmetikbetriebe sind nun wirklich nicht als Corona-Hotspots aufgefallen", so Wälde weiter.

Neustart für Ausbildung dringend notwendig

Die Handwerksvertreter sehen deshalb alle wichtigen Voraussetzungen für eine baldige Wiedereröffnung erfüllt und fordern, die Betriebe bereits zum 1. Februar öffnen zu dürfen. Der Neustart sei auch mit Blick auf die Auszubildenden dringend notwendig. Zwar sei die betriebliche Ausbildung auch im Lockdown weiterhin unter hohem persönlichen Einsatz der Betriebsinhaber möglich, aber sicherlich nicht unbegrenzt finanzierbar. Denn Kurzarbeitergeld oder andere Absicherungen für Lehrlinge gebe es nicht.

"Wir haben den Eindruck, dass dieses verantwortungsvolle Verhalten der Betriebsinhaber für ihre Auszubildenden von der Politik noch zu wenig wahrgenommen wird", heißt es in dem Schreiben an die Landespolitiker. Ein fortgesetzter Lockdown bliebe nicht ohne schwerwiegende Folgen für die jungen Menschen und ihren Start in den Beruf.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: