Darf’s noch ein Weißkohl sein?Foto: Thiercy Foto: Schwarzwälder Bote

Soziales: Balinger genießen das samstägliche Einkaufen in der Fußgängerzone mit viel Disziplin

Der Bummel über den Wochenmarkt gehört für viele Balinger ebenso zum Wochenende wie die Rote Wurst zum Weckle. Daran ändert auch Corona nichts: Der Samstagvormittag ist reserviert für den Einkauf und natürlich den Plausch mit Bekannten. Die Umarmung zur Begrüßung fällt weg und der neueste Klatsch und Tratsch wird mit viel Abstand ausgetauscht.

Balingen. Ob weniger los ist auf dem Markt als sonst? Wolfgang Liebhardt kann es nicht beurteilen. Sein Stand, an dem er Raclette-Wurst verkauft, steht recht weit entfernt vom Marktplatz. Die Stadtverwaltung hat die Abstände zwischen den einzelnen Marktbeschickern vergrößert. Durch diese Entzerrung soll das Abstandhalten leichter werden. Für Liebhardt eine verständliche Entscheidung, wenngleich er durch den schlechteren Verkaufsort weniger Umsatz macht.

Coronakonform Schlange stehen? Die Balinger können es und reihen sich mit teilweise mehr als den vorgeschriebenen anderthalb Metern ein. Die Schlange bis zum Feinkoststand mit Oliven, Schafskäse und sonstigen eingelegten Leckereien reicht fast bis zum Marktplatzbrunnen. Der ist sonst übrigens einer der beliebtesten Treffpunkte, um mit einer Currywurst in der Hand im Schatten des Kirchturms mit Freunden zu reden. Jetzt aber scheinen die Menschen vorsichtiger zu sein, verzehren ihren Imbiss weit ab vom Schuss und, wenn überhaupt, in ganz kleinen Gruppen.

Auf den ersten Blick hätte man meinen können, dass es vor Gemüseständen, bei denen man die Ware gerne genau begutachtet, zu "Knubbeleien" gekommen ist. Beim zweiten Hinsehen aber ist schnell klar, dass sich dort Familienmitglieder gemeinsam um den Wocheneinkauf gekümmert haben. Und die dürfen natürlich Schulter an Schulter Kartoffeln, Salat oder Äpfel kaufen.

Ist es möglich, immer Abstand zu halten? Eigentlich tatsächlich nicht, obwohl der Platz zwischen den Ständen vergrößert wurde. Auf Höhe der Commerzbank ist der Weg zwischen den ausladenden Ständen regelmäßig verstopft, die Leute sind in beiden Richtungen unterwegs, bleiben stehen. Aber: Alle tragen, wie es die Stadtverwaltung für den Markt vorgeschrieben hat, Masken. Und das, obwohl sie im Freien sind. "Mauldäschle" aus Stoff sieht man kaum noch. Die Balinger halten sich auch hier an die Empfehlung, sind mit weißen FFP2- oder blauen OP-Masken ausgerüstet.

Nach dem Einkauf hieß vor Corona: Irgendwo noch einen Kaffee oder ein Sektchen schlürfen. Die Bars und Cafés sind allerdings zu – zum Mitnehmen aber gibt es das heiße Koffeingetränk. Das Kaffeewerk oder die "Liebelei" zum Beispiel bieten den To-Go-Service an. Die Menschen stehen in großen Kreisen mit den Bechern in der Hand im winterlich verschneiten Balingen. Und reden. Über Corona, klar, aber auch darüber, wie schön es ist, mit dem Wochenmarkt wenigstens noch ein Stück Freiheit, Normalität und Gesellschaft zu haben.

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