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Balingen Baumdenkmale bald wieder zu sehen

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Man sieht die historischen Bäume vor lauter Bäumen kaum: Vier besondere Exemplare – das älteste gepflanzt 1823 – stehen auf dem Lindlesberg (hinten) in Balingen, dem nördlichen Ausläufer des Kleinen Heubergs. Um sie besser sichtbar zu machen, wird der Baumbestand drumherum im Winter ausgelichtet. Foto: Maier Foto: Schwarzwälder Bote

Es klingt paradox: Auf dem Balinger Lindlesberg lässt die Stadt im Winterhalbjahr den Mischwaldbestand im Kuppenbereich umfassend zurückschneiden – und das wird auch noch dem sogenannten Ökokonto zugeschrieben. Warum das? Hintergrund sind vier besondere Einzelbäume.

Balingen. Heute kaum noch zu sehen, stehen auf dem Lindlesberg und damit dem nördlichsten Ausläufer des Kleinen Heubergs oberhalb der Balinger Innenstadt als Naturdenkmale ausgewiesene Bäume. Sie sollen durch den Freischnitt wieder besser erkennbar werden. Zudem wird laut Stadtplanerin Sabine Stengel die Fläche, auf denen die Forstarbeiten anstehen, hinsichtlich des Pflegeaufwands deutlich entlastet. Und gerade mit Blick auf die Balinger Gartenschau diene die Maßnahme dazu, den Heuberg wieder besser zu erleben – sowohl was den Blick hinauf wie jenen hinab betrifft: Eigentlich hat man vom Heu- und vom Lindlesberg eine prima Aussicht auf die Innenstadt und die Balinger Berge. Dieser ist aber durch den starken Wuchs vor allem von Robinien stark eingeschränkt bis unmöglich.

Auftakt der Reihe macht die Kronprinzen-Eiche

Der Technische Ausschuss des Gemeinderats hat für die Arbeiten am Mittwochabend einstimmig grünes Licht gegeben; davor hatte bereits das Landratsamt erklärt, das Vorhaben mitzutragen. Die Stadtverwaltung will nun auch noch einen Freischnitt-Appell an die Eigentümer der Grundstücke am Lindles- sowie am Heuberg richten, damit diese ebenso wenn möglich bis zur Gartenschau ihre Gehölze lichten. Und damit ebenso einen noch besseren Blick auf die Innenstadt und die umliegende Landschaft möglich machen.

Bei den vier Bäumen, die durch die Forstarbeiten wieder besser zur Geltung kommen, handelt es sich um historische Einzelbäume. Der älteste davon ist, so schrieb es der mittlerweile verstorbene Waldemar Rehfuss in einem Beitrag für die Heimatkundlichen Blätter 1996, ist die sogenannte Kronprinzen-Eiche: Sie wurde 1823 zu Ehren des frischgeborenen Karl gepflanzt, Sohn des damaligen württembergischen Königs Wilhelm I. und dessen Frau Pauline. In einem Schreiben dankte der König den Balingern persönlich für die Pflanzung des Baums.

Aber nicht nur für den Thronfolger, auch für Wilhelm I. setzten die Balinger einen Baum in die Erde: Die sogenannte Wilhelms-Linde folgte 1841, Anlass war das Regierungsjubiläum des Königs. Bis dahin war der Lindlesberg in Allmend-Stücke gegliedert, nun beschloss der Gemeinderat, auf Teilen des Ausläufers des Heubergs eine schöne Baumanlage anzulegen. Dies übernahm, daran erinnerte Ingrid Helber (FDP) im Technischen Ausschuss, der Verschönerungsverein; auf dessen Mitglieder geht die prächtige Allee auf dem Heuberg zurück.

Eiche ein "Ehrenmal der deutschen Krieger"

Der nächste in der Reihe der besonderen Exemplare ist die 1883 gepflanzte Luther-Eiche; Anlass war dessen 400. Geburtstag. Man wolle damit "der Freude und Verehrung über die Leistungen des großen Reformators" Ausdruck verleihen, heißt es im dazugehörigen Gemeinderatsbeschluss. Eine Freude dürfte die Pflanzung auch bei den Balinger Schülern ausgelöst haben: Sie bekamen anlässlich der Pflanzung Brezeln geschenkt. Diese drei Bäume – Wilhelm, Karl und Luther – sind nach Angaben des Balinger Stadtarchivs als Naturdenkmale gelistet.

Jedoch befindet sich auf dem Lindlesberg noch ein Baum, der einen prominenten Namen trägt (den man heute wohl so aber nicht mehr vergeben würde): die Hindenburg-Eiche. Die Balinger pflanzten sie am 15. November 1917 zu Ehren des damaligen Generalfeldmarschalls. Paul von Hindenburg hatte kurz davor seinen 70. Geburtstag gefeiert; das königliche Innenministerium hatte dazu einen Erlass herausgegeben, wonach in Veranstaltungen der Dank, die Liebe und die Verehrung des deutschen Volkes für diesen Mann zum Ausdruck kommen solle.

So geschah es auch in Balingen: Die Eiche kam in den Boden, wurde feierlich geweiht. Laut einem Bericht des "Balinger Volksfreunds" zog eine große Anzahl von Balingern, darunter viele Schüler und Soldaten – es herrschte noch Krieg –, mit Fahnen in Richtung Heuberg. Stadtschultheiß Hofmann hielt eine Rede, feierte die Taten Hindenburgs und betonte, dass die Eiche zugleich ein Ehrenmal der deutschen Krieger sein solle.

Noch in der Zeit der Pflanzung der Hindenburg-Eiche war die Kuppe des Lindlesbergs unter Weidenutzung völlig gehölzfrei, die prominenten Bäume waren weithin sichtbar. Nach Aufgabe der Weidenutzung entwickelte sich drumherum ein laubbaumgeprägter Mischwaldbestand, darunter viele Robinien.

Die nun anstehenden Forstarbeiten sind derweil nicht die ersten ihrer Art: Bereits zu Beginn der 1990er-Jahre ließ die Stadt viele der Gehölze fällen, um die historischen Bäume wieder besser zur Geltung zu bringen. Allerdings wuchsen vor allem die Robinien in den Folgejahren stark. 2010 ließ die Stadt die oberen Kuppenbereiche um die Naturdenkmale von dem dichten Jungbaubewuchs befreien; zudem soll mit gezielter Ziegenbeweidung die Offenhaltung gewährleistet werden. Im Februar dieses Jahres wurde zudem den Wurzelausläufern der Robinien der Garaus gemacht.

Nun also soll die "kranzförmige Entnahme des Gehölzbestands" folgen. Bäume weg, damit man Bäume besser sehen kann. Der älteste davon, die Krinprinzen-Eiche, das passt dann auch wieder zum Hintergrund der Aktion, feiert demnächst seinen 200. Pflanztag. Im Jahr 2023. Dem Jahr der Gartenschau.

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