In die Fotofalle getappt: Die Europäische Wildkatze, die derzeit durch den Nationalpark streift. Foto: Nationalpark Schwarzwald

Glückstreffer für Forscher: Europäische Wildkatze tappt in Fotofalle. Erster Nachweis in Höhenlagen des Schwarzwalds.

Baiersbronn/Ruhestein - Geahnt hat es das Team des Nationalparks wohl schon länger, nun aber herrscht Gewissheit: Durch den Nationalpark Schwarzwald streift - mindestens - eine Wildkatze.

Erstmals ist im Großschutzgebiet eine der seltenen Europäischen Wildkatzen in eine Fotofalle getappt. Entstanden ist die Aufnahme im Gebiet Wilder See. "Wir hatten schon vor einigen Jahren mal Hinweise bekommen, dass Wildkatzen bei uns unterwegs sein könnten, aber es gab nie einen sicheren Beweis. Wir freuen uns sehr, dass dieser nun geglückt ist", wird Raffael Kratzer in einer Pressemitteilung des Nationalparks zitiert. Kratzer ist zuständig für das Wildtier- und Fotofallenmonitoring im Schutzgebiet.

Ganz neu ist der Schnappschuss allerdings nicht. Die Aufnahme entstand bereits am 21. März. Da die Fotofallen teils in unwegsamem Gelände platziert werden, werden die Chips nur alle paar Monate ausgelesen.

Die Aufnahme der Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris) ist für das Team des Parks ein echter Glücksfall. Die Tiere gelten als extrem scheu, sind meist nur in der Dämmerung oder bei Nacht unterwegs und suchen Deckung im Unterholz.

Doch wie unterscheidet man eine Wild- von einer getigerten Hauskatze? "Die zwei bis drei getrennten Ringe am Schwanz, die verwaschene Tigerzeichnung, die dunkleren Streifen im Nackenbereich sowie der stumpfe, buschige Schwanz" seien typische Erkennungszeichen einer Wildkatze, heißt es in der Pressemitteilung.

"Ob es sich um ein einzelnes Exemplar handelt oder ob mehrere Wildkatzen im Gebiet unterwegs sind, können wir noch nicht sagen“, wird Marc Förschler, Leiter des Fachbereichs Ökologisches Monitoring, Forschung und Artenschutz zitiert. "Wir hoffen, dass unser Wildtiermonitoring hier noch weitere Erkenntnisse bringt."

Hintergrund: Die Wildkatze

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die Wildkatze in Baden-Württemberg noch weit verbreitet. Doch die starke Bejagung dezimierte den Bestand, ab 1912 galten die Tiere als ausgerottet. Erst 2006/2007 konnte die Art wieder nachgewiesen werden.

Heute ist die Wildkatze in Baden-Württemberg vor allem in der Rheinebene verbreitet. Die Reviere der Tiere können bis zu 3000 Hektar umfassen, die Waldbewohner gelten nach wie vor als gefährdet.

Auch in den Hochlagen des Schwarzwalds hatte es in den vergangenen Jahren vereinzelte Hinweise auf die Existenz von Wildkatzen gegeben. Sicher nachweisen ließen sich die scheuen Tiere bislang aber nicht.

Alle Wildkatzen-Beobachtungen in Baden-Württemberg werden bei der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg gesammelt. Dort können sie, wie auch Beobachtungen von Wolf und Luchs, unter "wildtiermonitoring.fva-bw@forst.bwl.de" gemeldet werden.

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