Heizer Heiko Weiß schaut nach dem Rechten. Foto: Schwark

Fährt die 58 311 in Baiersbronn ein, ist sie Anziehungspunkt für junge und alte Eisenbahnfreunde.

Baiersbronn - Bis Anfang 1967 beförderten Dampfloks die Züge duch das Murgtal bis nach Freudenstadt. Die Faszination der Dampfrösser ist ungebrochen, das zeigt sich dann, wenn die Ulmer Eisenbahnfreunde ihre Sonderfahrten nach Baiersbronn veranstalten. Mehrmals im Jahr sind die Ulmer Eisenbahnfreunde, Sektion Ettlingen, mit ihren Dampfsonderzügen im Murgtal unterwegs. Ältere Bürger können sich noch erinnern, als in der Blütezeit der Deutschen Bundesbahn sogar schwere Schnellzüge, von Dortmund kommend, teilweise mit drei Dampfloks den Berg hinaufbefördert wurden.

Mit Aufkommen der Dieselloks und einsetzender Elektrifizierung fand die Dampflok-Ära in Deutschland Anfang der 70er-Jahre ihr Ende. Viele Eisenrösser landeten auf dem Schrottplatz, doch es fanden sich viele Eisenbahn-Enthusiasten zusammen, um einige Dampfloks der Nachwelt zu erhalten. Diesem Zweck haben sich auch Mitglieder der Ulmer Eisenbahnfreunde, Sektion Ettlingen, verschrieben. Ausnahmslos werden deren Züge vom Verein betrieben und auf dem neuesten technischen Stand gehalten. Denn bei aller Romantik steht die Sicherheit an erster Stelle. Mitglieder, die im Fahrdienst tätig sind, verfügen daher über eine fundierte Ausbildung.

Kürzlich lief in Baiersbronn ein Sonderzug mit der badische Güterzuglok G12 mit der Bezeichnung 58 311 als Zugpferd in Baiersbronn ein. Die echte Rarität haben die Ulmer Eisenbahnfreunde im Jahr 1984 erworben. Die 1921 gebaute Lok der Maschinengesellschaft Karlsruhe wurde ab 2001 wieder fit gemacht. Nach aufwändiger Hauptuntersuchung war die 58er ab Juni 2006 wieder fahrbereit. Seitdem hat sie zahllosen Mitfahrern in den Sonderzügen viel Freude bereitet. Auch in Baiersbronn war der Zug im Bahnhof von vielen Familien umlagert. Viele Eisenbahnfans entschlossen sich zu einer Pendelfahrt nach Rau­münzach.

Zugführer war Hans-Peter Fantoli, ein Eisenbahner mit Leib und Seele. Der Küchenmeister fing vor 15 Jahren im Speisewagen an. Da Zugbegleitpersonal knapp war, entschloss er sich zur Ausbildung als Zugführer. Die Ausbildungsabschnitte absolvierte er bei der Deutschen Bahn und der AVG. Darunter war auch die Ausbildung zum Wagenprüfer und Bremsberechtigten. Fantoli begleiteten vier Schaffner sowie ein Zugführer in Ausbildung.

Der Wagenpark bestand aus antiquierten Reisezugwagen und Speisewagen, teilweise aus den 30er-Jahren. Seit über 20 Jahren ist Lokführer Michael Schweizer dabei. Nahezu jedes Wochenende oder auch unter der Woche wird an Loks und Wagen gearbeitet, erläuterte er. Mehrere Jahre war Schweizer als Heizer unterwegs. Seit zehn Jahren ist er ausgebildeter Lokführer. Ihn begeistert die lebendige Materie der Dampflok, die mit sechs Tonnen polnischer und russischer Steinkohle befeuert wird. 20 Kubikmeter Wasser fasst die Lok, das am Hydranten in Baiersbronn gefasst werden konnte. Im Hauptberuf ist der Lokführer Bauingenieur bei der Deutschen Bahn. Im März war er mit der 58er auf Filmtour in Berlin und Görlitz unterwegs. Im Hollywoodstreifen "Die Bücherdiebe" kann die stattliche Lok ebenfalls bald bewundert werden. Bereits am 1. September gibt es beim Baiersbronner Bahnhofsfest ein Wiedersehen mit der Dampflok 58 311.

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