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Baiersbronn Kallfass wirft die Zeitmaschine an

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Der Chor Semiseria unter der Leitung von Frank Schlichter mit Firmenchef Ernst Kallfass. Fotos: Braun Foto: Schwarzwälder Bote

Ungewöhnlich bis extravagant war das Konzert in der Werkhalle der Firma Kallfass GmbH, Maschinen plus Automation. Rund 400 Gäste waren gekommen, um mit dem Tübinger Chor Semiseria und Heiner Kondschak in die wilden 60er-Jahre zurück- versetzt zu werden.

Baiersbronn-Klosterreichenbach. Die Veranstaltung hatte einen besonderen Charakter. Neben Chorgesang auf hohem Niveau war es Heiner Kondschak, der mit seinen pointierten Moderationen und dem Rückblick auf die damaligen gesellschaftlichen und politischen Anschauungen die Gäste begeisterte und den Geist der 68er wieder auferstehen ließ.

Geschäftsführer Ernst Kallfass eröffnete die Veranstaltung mit einem kleinen Rückblick auf die Firmengeschichte und seinen Lebenslauf. Denn Anlass des Konzerts war das Firmenjubiläum: Das Unternehmen feiert sein 70-jähriges Bestehen. "Der heutige Tag stellt für mich einen Scheitelpunkt meines Wirkens dar. Ende des letzten Jahres wurden zwei alleinvertretungsberechtigte Geschäftsführer und ein neuer Prokurist bestellt, die in Zukunft die Firma weiter führen", so Kallfass. Nach der Gründung der Firma durch seine Eltern im Jahr 1949 ist aus der kleinen Werkstatt nach und nach das heutige Unternehmen entstanden.

Kallfass verriet neben der betrieblichen Entwicklung auch viel Persönliches. Der begeisterte Fußballspieler engagierte sich an vorderer Front in der Lehrlingsbewegung, trug Bart und hätte sich seinen weiteren Lebensweg auch in der Entwicklungshilfe vorstellen können. "Ich habe dann doch erstmal den Weg des Maschinenbauers eingeschlagen. An der Hochschule in Duisburg habe ich mich nicht nur hochschulpolitisch betätigt. Es wurde natürlich auch gestreikt", erzählte Ernst Kallfass.

In eingeblendeten Bildern konnte man viel Privates über ihn erfahren. "Ich frage mich immer, ob ich nun tatsächlich ein richtiger 68er war, im Oktober bin ich dann aber sicher einer." Fürs Rentenalter habe er sich vorgenommen, sich wieder in diese Zeit zurückzuversetzen, sagte er. Den Anfang dazu machte der Auftritt des Chors Semiseria unter der Leitung von Frank Schlichter, der in beide Richtungen dirigierte und seinen Chor und das Publikum fest im Griff hatte.

Klangvoll und stimmgewaltig präsentierten sich die rund 50 Akteure und verzauberten – begleitet von Alexander Pfeiffer (Keyboard) und Ralf Gottschald (Percussion) – von Beginn an die Gäste. Eine Mischung aus Revuegesang und ungewöhnlichen musikalischen Arrangements dominierte den Abend.

Mit Beatles-Song geht’s gefühlvoll los

Das Konzert unter dem Motto "The Times they are changin’" spiegelte den Geist der 60er-Jahre wider und ließ die Besucher in die damalige Musikszene eintauchen. Mit dem Stück "All you need is Love" von den Beatles, bei dem sich der Chor von seiner gefühlvollen Seite zeigte, ging es los. Heiner Kondschak, Moderator des Abends, bestach mit seinen fundierten Rückblicken und humorvollen Einlagen. Ob Prager Frühling, Vietnamkrieg oder Mondlandung – eindrucksvoll war der Blick in die Geschichtsbücher, den Kondschak bot.

Stimmgewaltig sang der Chor Songs aus dem bekannten Musical Hair. Im Kontrast zur schwungvollen Hippie-Musik sorgte die Hymne der Friedensbewegung – "We shall Overcome" – für Gänsehautfeeling. Heiner Kondschak griff zur Gitarre und zum Mikrofon und zeigte auch sein musikalisches Können.

Unterstützt vom Chor präsentierte er ein Potpourri aus bekannten 68er-Songs. Und für den umgetexteten Song "Rote Fahnen soll man hissen" gab es tosenden Applaus. Immer in Bewegung war der Chor bei Stücken wie "Hare Krishna" oder dem Stück "Let the Sunshine in" aus dem Musical Hair, bevor er kurz vor der Pause mit ungewöhnlichen Tönen erstaunte. Mit Raunen, Grummeln, Summen und weiteren überraschenden Klängen gaben die Chormitglieder eine Folke-Rabe-Komposition zum Besten und zeigten, dass sie auch ganz unkonventionelle Wege gehen.

Nach der Pause ging es schwungvoll weiter. Sängerin Beatrix Kayser begeisterte mit ihren Soli – unter anderem in dem Stück "Mercedes Benz". Kurze Einblendungen von Zeitzeugen, die per Videoeinspielung zu Wort kamen, ergänzten das Programm mit Aussagen und Einschätzungen zur damaligen Zeit.

Am Ende singen und tanzen alle mit

Am Ende gab es viel Applaus für einen Abend, der nicht nur in die Vergangenheit entführte, sondern auch dem musikalischen Anspruch mit einer guten Portion Humor gerecht wurde. Spätestens als die ganze Halle beim Schlusslied mitsang und tanzte, war der Erfolg des ungewöhnlichen Konzerts sichtbar. Die Spenden des Abends wurden für ein Ernährungsprojekt in Afrika gesammelt.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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