Jörg Braun (links) freut sich mit Mohammad-Khaer Almasri über die erfolgreiche Ausbildung und den guten Nachwuchs im Betrieb.Foto: Braun GmbH Foto: Schwarzwälder Bote

Integration: Geflüchtete haben ihre Chancen genutzt / In der Ausbildung oder sogar schon fertig damit

Sie kamen vor Jahren als Geflüchtete. Zahlreiche Helfer standen ihnen zur Seite – erfolgreich. So manche Sprachbarriere wurde überwunden, und so mancher Betrieb ist froh über die engagierten Mitarbeiter aus dem Ausland.

Baiersbronn. Als der Zustrom von Geflüchteten auch in Baiersbronn groß war, ermöglichten hilfsbereite Menschen aus der Gemeinde den Schutzsuchenden einen guten Start in Deutschland. Damals kamen die verzweifelten Menschen, darunter viele junge Männer, meist aus dem Bürgerkriegsland Syrien und hatten kaum eine Perspektive. Heute haben viele eine erfolgreiche Ausbildung abgeschlossen und fühlen sich wohl in ihrer neuen Heimat.

Einer der vielen aktiven Helfer war Uwe Lange aus Obertal. Als ein Großteil der Immigranten in der ehemaligen Kneipe Mausefalle in Obertal untergebracht worden war, war er gleich bereit, sich um sie zu kümmern. Er hat nicht nur vielen eine Ausbildungsstelle vermittelt, sondern auch in der eigenen Firma Stellen zur Verfügung gestellt.

Rana Hammami hat die Ausbildung zur Bürokauffrau fast beendet und wird im Juli ihren Abschluss machen. "Es sind einfach tolle Leute, Rana ist eine super Arbeitskraft und hat gut Deutsch gelernt", sagt Uwe Lange, der Rana Hammami auch nach ihrer Ausbildung weiter beschäftigen wird. Für Rana Hammami, die in Deutschland ihren Ehemann Saleem Alkatsha kennenlernte und heiratete, waren die Sprachbarrieren am Anfang eine große Herausforderung. "Ich habe ja Hochdeutsch gelernt, und in der Berufsschule wurde dann Schwäbisch gesprochen, da musste ich noch mal eine Nebensprache dazulernen", erzählt sie und lacht. Die Ausbildung sei schon schwer gewesen, und besonders Corona habe da noch vieles komplizierter gemacht. Der Online-Unterricht sei nicht immer einfach gewesen, sagt sie.

Auch deutscheFreunde gefunden

"Wir haben deutsche Freunde hier gefunden, und auch der Kontakt zu meinen Kollegen ist gut. Wir fühlen uns sehr wohl", sagt die junge Frau. Ihren Ehemann Saleem hatte sie in Deutschland nach ihrer Flucht kennen und lieben gelernt. Mit einer großen Hochzeit im Obertaler Gemeindehaus schlossen sie den Bund fürs Leben. "Saleem arbeitet als Beikoch im Hotel Sommerberg und möchte es noch mal mit einer Ausbildung probieren. Denn der erste Versuch ist an den sprachlichen Problemen gescheitert", so Rana Hammami.

Eine Ausbildung als Straßenwärter beim Landratsamt in Freudenstadt macht Mohamad Kdemati. Er wird ebenfalls im Sommer mit der Ausbildung fertig sein. "Sprachlich funktioniert es gut. Schwierig waren am Anfang die Fachbegriffe", sagt sein Vorgesetzter Daniel Kugler, stellvertretender Leiter der Straßenmeisterei. Die Straßenmeisterei ist für alle Bundes-, Kreis- und Landesstraßen im Landkreis zuständig. Die Ausbildung zum Straßenwärter deckt vom Winterdienst bis zur Gehölzpflege an den Straßenrändern ein breites Feld ab. "Mir gefällt diese Arbeit, da die Abwechslung es nie langweilig werden lässt", sagt Mohamad Kdemati, der ebenfalls zu den Geflüchteten zählte, die in Obertal untergekommen waren.

Im September 2018 hat er mit der Ausbildung begonnen. Nun freut er sich auf seinen Abschluss. "Der Corona-Lockdown war schwierig. Trotzdem hatten wir im dritten Lehrjahr Glück, da unsere Unterrichtsblöcke fast alle stattfinden konnten. Ich glaube, die anderen Lehrlinge im ersten und zweiten Jahr hat es da noch härter getroffen", erzählt er. Wie Rana Hammami berichtet auch er, dass die Sprache und der damit verbundene Dialekt ein Problem gewesen sei. Doch inzwischen hat er sogar den Lkw-Führerschein, der Teil der Ausbildung ist, in der Tasche. "Durch die Corona-Pandemie hat es etwas länger gedauert. Nun fehlt mir noch der Anhängerführerschein", sagt er.

Zu gutem Starttragen viele bei

Wie den anderen Flüchtlingen haben auch ihn viele Menschen unterstützt, damit er hier im Landkreis einen guten Start hat. "Heike und Harald Dieterle, aber auch Gerhard Gaiser und Clemens und Julia Schmid haben mir sehr geholfen, dafür bin ich ihnen heute immer noch sehr dankbar." Der Kontakt zu ihnen sei nach wie vor vorhanden. Harald Dieterle hatte ihm damals geholfen, die Ausbildungsstelle beim Landratsamt zu finden. "Wir haben die Stelle in der Zeitung gesehen, und nach der Bewerbung hat es dann geklappt." Unterstützung gab es dann während seiner Ausbildung von seinem Vorgesetzten Ralf Jesse und den Kollegen. Dafür ist Mohamad Kdemati sehr dankbar. Viel Kontakt habe er zu seiner Familie in Syrien, aber hier im Landkreis fühlt er sich wohl. "Leider sind gerade alle Fitnessstudios geschlossen, das fehlt mir sehr", sagt er.

Seine Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik bei der Firma Gottfried Braun in Baiersbronn hat Mohammad-Khaer Almasri erfolgreich bestanden. Dank seines Ausbildungsbetriebs und der Vermittlung von Uwe Lange kann er nun als festangestellter Mitarbeiter in die Zukunft schauen.

"Mohammad-Khaer ist ein Musterbeispiel für erfolgreiche Integration, und er bekommt bald einen deutschen Pass", sagt Firmenchef Jörg Braun. Die Firma gebe den ausländischen Mitarbeitern gerne eine Chance, sagt Braun, der begeistert von ihrem Arbeitswillen und ihrer Motivation berichtet. "Wir haben auch schon Spanier und Bulgaren gehabt, das hat immer gut geklappt."

Nicht nur der Ausbildungsbetrieb habe ihn stark unterstützt, auch Hans Rothfuss und Uwe Lange habe er viel zu verdankten, sagt Mohammad-Khaer Almasri. "Hier bei der Firma Heizung Braun haben mir meine Ausbilder auch sehr geholfen. Es gab extra Unterricht für die Fachbegriffe, und am Samstag kamen alle, um zu üben." Die Ausbildung sei toll gewesen, nur so habe er sie auch erfolgreich bestehen können. Dass er übernommen wird, freut den jungen Mann, der zu denjenigen gehörte, die einst in der "Mausefalle" untergekommen waren. Auch der Kontakt zu seinen Kollegen sei gut. "Ich bin jetzt fünf Jahre hier und habe mich an die andere Kultur gewöhnt."

Er hat noch Kontakt zu seinen früheren Mitbewohnern aus der "Mausefalle" und erinnert sich dankbar an die Hilfe zurück. "Fast jeden Tag telefoniere ich mit meiner Familie, die zum Teil noch in Syrien, aber auch in Jordanien wohnt. Hier in Baiersbronn fühle ich mich wohl, trotz des Schwäbisch", sagt er lachend. Die damaligen Helfer sind stolz und froh, dass aus ihren ehemaligen Schützlingen etwas geworden ist und sie mithelfen konnten, ihnen eine Ausbildung zu ermöglich. "Sie sind jetzt Teil unserer Gesellschaft und gute Mitarbeiter", sagt Uwe Lange.

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