Claus Lieb, Technischer Leiter der Gemeindewerke Baiersbronn (GWB), an der neuen Wehranlage in Klosterreichenbach. Foto: Klumpp Foto: Schwarzwälder Bote

Gemeindewerke: Turbine bringt Leistung von 220 Kilowatt

Die Gemeindewerke Baiersbronn haben ein neues Stauwehr zur Gewinnung von Wasserkraft eingeweiht. Claus Lieb, Technischer Leiter der Gemeindewerke Baiersbronn, erklärt die Funktionsweise des Baus.

Baiersbronn-Klosterreichenbach. "Das neue Wehr hat zwei Stauklappen, die unabhängig voneinander gesteuert werden können. Diese Technik ermöglicht es den Werken auch bei Hochwasserereignissen weiterhin Strom aus sauberer Energie zu gewinnen", wird Lieb in einer Pressemitteilung der Gemeinde zitiert.

Dies gelinge dadurch, dass die Stauklappen durch Absenken oder Aufstellen den Wasserpegel genau auf der optimalen Stauhöhe halten könnten. Vom neuen Stauwehr aus führe ein Kanal das Wasser zu einer Turbine im Ort Klosterreichenbach. Die Turbine erbringt eine Leistung von 220 Kilowatt. Beim Wehrneubau sei die Restwassermenge, die im Flussbett verbleibe, erhöht worden, was den ökologischen Zustand des Gewässers zwischen Wehr und Klosterreichenbach gerade in Zeiten der Trockenheit verbessere.

Fischpass überwindet Höhe von 2,86 Metern

"Ebenfalls neu und direkt für jeden ersichtlich, ist der neue Fischpass. Es handelt sich dabei um einen sogenannten Beckenfischpass", so Lieb. Der Fischaufstieg umfasst 20 Becken, die eine Höhe von 2,86 Metern überwinden. Das Besondere dabei: Der neue Fischaufstieg ist so konzipiert, dass auch Lachse mühelos hindurchkommen. Denn was viele nicht wissen: Die Murg ist ein historisches Lachsgewässer. Noch vor etwa 95 Jahren wurde aus der Murg Lachs gefischt. Doch durch bauliche Maßnahmen in der Murg und wegen der starken Verschmutzung der Gewässer durch die zunehmende Industrie verschwand der Lachs aus der Murg.

Im Jahr 1925 gab es die letzten historischen Nachweise der Fische. Heute hat sich die Qualität des Wassers aber wieder verbessert, und auch die baulichen Hindernisse werden Stück für Stück zurückgebaut oder durch Fischpässe ergänzt.

Strombedarf zu 15 Prozent gedeckt

Die Effizienzsteigerung des Wehrs beruhe auch auf einem optimierten Rechen, der eine erhöhte Durchflussgeschwindigkeit zulässt und gleichzeitig grobe Teile aus dem Fluss zurückhält, so die Gemeinde.

Der Rechen arbeite automatisch und bedürfe keiner zusätzlichen Wartung durch Mitarbeiter der Gemeindewerke. Um zusätzlich Strom zu erzeugen, befindet sich direkt hinter dem Rechen eine Wasserkraftschnecke mit einer Leistung von sechs bis sieben Kilowatt. Durch diese Anlage fließen pro Sekunde 350 Liter Wasser. Allein mit dieser Wasserkraftschnecke können im Jahr bis zu 15 Haushalte mit Energie versorgt werden. Die Gesamtleistung der Anlage entspricht dem Bedarf von ungefähr 265 Haushalten. Insgesamt decken in guten Jahren alle Wasserkraftanlagen der Gemeindewerke den Baiersbronner Strombedarf zu 15 Prozent.

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