Um die Härten nach der Kappung der Gäubahnstrecke in Stuttgart im Sommer 2026 abzufedern, will das Land mehr Züge fahren lassen. Ob auch die S-Bahn ihren Teil dazu beiträgt, ist weiterhin ungewiss.
Aufatmen entlang der Gäubahn: Die Anrainer der Eisenbahnstrecke von Stuttgart an den Bodensee, in den Schwarzwald und in die Schweiz haben zufrieden auf das vom Land am Freitag vorgelegte Konzept reagiert. Mit insgesamt elf Kompensationsmaßnahmen will Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) die Härten abfedern, die von Städten und Institutionen an der Strecke durch die geplante Unterbrechung der Verbindung im Sommer 2026 befürchtet werden.
Warnung vor überzogenen Erwartungen
Der Verkehrsminister stand zum einen bei den Anrainern im Wort, sich um Verbesserungen zu bemühen. Zum anderen musste Hermann aber dafür sorgen, dass die Erwartungen nicht ins Kraut schießen. „Wir machen nur das, was auch auf der vorhandenen Infrastruktur gefahren werden kann“, gab der Minister die Marschroute vor. Herausgekommen ist dabei ein Paket von elf Maßnahmen. So finanziert das Land weiterhin die Ausnahmeregelung, wonach die Intercity-Züge auf der Gäubahn auch mit Nahverkehrfahrscheinen wie dem Deutschladticket genutzt werden können. Zudem will das Land pro Jahr mehr als eine Millionen zusätzliche Zugkilometer bestellen. Unter dem Strich bedeute das 70 Prozent mehr Regionalverkehr auf der Strecke, rechnet das Ministerium vor. „Wir führen nun auch auf der Gäubahn den Metropolexpress als Standard ein“, so Hermann. Für die Städte und Gemeinden zwischen Horb am Neckar und Stuttgart-Vaihingen bedeute das mindestens einen Halbstundentakt in Richtung Stuttgart.
Das Konzept der Deutschen Bahn sieht vor, dass Fahrgäste der Gäubahn in Stuttgart-Vaihingen auf die S-Bahn wechseln, wenn die Strecke voraussichtlich im Sommer 2026 beim Nordbahnhof gekappt wird. Durch den Umstieg verlängere sich die Reisezeit in einer Größenordnung zwischen sechs und zehn Minuten, sagt Gerd Hickmann, Leiter der Abteilung für Öffentlichen Verkehr im Ministerium. Pläne, den Umstieg an einen noch zu bauenden Bahnsteig im Bereich des Nordbahnhofs zu verlegen, wurden vor kurzem auf Eis gelegt.
Land gibt Millionenbeträge aus
Hermann erinnerte daran, dass das Land zehn Millionen Euro in den Ausbau des Bahnhofs in Stuttgart-Vaihingen investierte habe, damit dieser auch die Rolle als Umsteigeort spielen könne. Die angekündigte Ausweitung des Metropolexpress-Verkehrs schlage mit zwölf Millionen Euro zu Buche, für mehr Züge auf den Zubringerstrecken zur Gäubahn gibt das Land acht Millionen Euro aus. Die ebenfalls anvisierte Verlängerung der Stuttgarter S-Bahnlinie 1 im Stundentakt bis Horb würde weitere drei Millionen Euro kosten. Ob es dazu kommt, hängt von den weiteren Verhandlungen mit dem für die S-Bahn verantwortlichen Regionalverband Stuttgart ab.
Gegen die Kappung der Gäubahn im Zuge von Stuttgart-21-Arbeiten sind zwei Klagen anhängig. Der FDP-Landtagsabgeordnete Hans Dieter Scheerer forderte, auch eine alternative Führung der Gäubahn via Renningen nach Stuttgart weiter zu prüfen.