Mit Kerstin Binder, damals Erdmann, war Juan García im Badkap in Albstadt tätig. Foto: Archiv Garcia

45 Jahre lang ging er mit Leidenschaft seinem Beruf nach; in wenigen Wochen verabschiedet sich Juan García Segura, Bademeister der Bäderbetriebe Winterlingen, in den Ruhestand. Der Abschied fällt nicht leicht – weder ihm, noch seinen Kollegen oder den Gästen.

Ruhig und gelassen lässt Juan García Segura seinen Blick über die beiden Wasserbecken im Winterlinger Naturfreibad schweifen. „Das muss in diesem Beruf einfach sitzen“, sagt er. „Wachsamkeit ist das A und O.“ García weiß, wovon er spricht: Schließlich ist „Hansi“, wie er von vielen genannt wird, seit 45 Jahren Bademeister – noch bis Ende Juli. Danach geht er in den Urlaub – und am 1. September in den Ruhestand.

 

„Das ist das Beste, was mir passieren konnte“, sagt er – und meint damit genau genommen mehrere Dinge. Zum einen die Winterlinger Bäder, in denen er seit 2018 die Badeaufsicht geleitet und auch Nachwuchs ausgebildet hat. Sodann seine Kollegen und Winterlingens Bürgermeister Michael Maier – mit den einen wie mit dem anderen hat er stets auf Augenhöhe sprechen können.

Vom frechen Bub zum Bademeister und Prokuristen

Den Winterlinger Jahren waren 36 im Badkap vorausgegangen, wo García zuletzt als Prokurist der Betreibergesellschaft g1 und der Badkap-Gastronomie tätig gewesen war. Angefangen hatte er am 1. September 1980 als Schwimmbadgehilfe im gerade erst eröffneten Erlebnisbad; später absolvierte er die Ausbildung zum Bademeister. „Ausgerechnet du?!“, habe der Bademeister am ersten Tag gesagt – die beiden waren alte Bekannte: „Als Bub hat er mich oft aus dem Ebinger Hallenbad rausgeschmissen“, erklärt er. Später hätten sie sich gut verstanden.

In den Fußstapfen des Vaters? – Nicht ganz!

Eigentlich hatte Juan García beabsichtigt, ungelernter Arbeiter in der Textilveredlung zu werden wie einst sein Vater, der 1959 als Gastarbeiter aus Spanien gekommen war und 1960 seine Familie nach Deutschland geholt hatte. Der Sohn war damals zwei Jahre alt; er wuchs bei „Oma und Opa Schäfer“ auf der Langenwand in Tailfingen auf, für die er „Hansi“ hieß: „Hans“, das deutsche Gegenstück zum spanischen „Juan“, war bereits an den Vater vergeben. Juan García trägt zwar dessen Namen; bei der Berufswahl schlug er dann doch andere Wege ein, was nicht zuletzt an seiner Frau lag: „Die hat gesagt: ,Eine Ausbildung muss sein.“ Sie legte ihm eine Annonce auf den Küchentisch: Das Badkap suchte Personal. „Hansi“ bekam dem Job, blieb und stieg nach und nach in der Hierarchie auf.

Als er Betriebsleiter wurde, gab sie ihre Arbeit auf; zuvor hatten beide in Schichten gearbeitet und sich im Wechsel um Haus und Kinder gekümmert. „Für beides bin ich ihr bis heute dankbar – mehr, als ich sagen kann.“

Ein Abschied, der niemandem leicht fallen wird

Juan García weiß, dass er Amt und Bäder in gute Hände abgibt – unter anderem in die von Tereza Horackova, seiner 44. – und letzten – Auszubildenden. Leichter wird ihm der Abschied deswegen nicht fallen: „Mir werden die vielen netten Gespräche fehlen, die ich mit meinen Kollegen und den Badegästen geführt habe.“ Und die kleinen Glücksmomente – zum Beispiel, wenn er nach bestandenem Schwimmkurs einem Kind das Seepferdchen-Abzeichen überreichen durfte. Nur einmal in 45 Jahren habe er ein lebloses Kind reanimieren müssen – und es auch geschafft.

Zum guten Schluss ein Open-Air-Konzert mit dem Trio Infernale

Jetzt freut er sich darauf, künftig mehr Zeit mit seiner Familie verbringen zu dürfen, mit seiner Frau im großen Garten zu sitzen und den vier Enkeln beim Spielen zuzusehen. Seine Verwandtschaft in Spanien wird er auch besuchen – „Meine Kinder waren häufiger dort als ich“ – und natürlich weiterhin mit seiner Band „Trio Infernale“ auftreten.

Nächster Gig ist übrigens das Open-Air-Konzert im Naturfreibad am Freitag, 28. Juli. Da werden sich gewiss viele Badegäste von „ihrem“ Hansi verabschieden – und er sich von ihnen.

Open-Air-Konzert im Naturfreibad Winterlingen

Konzertbeginn
ist am Freitag, 28. Juli, ab 18 Uhr; Einlass ist ab 17 Uhr. Der Eintritt ist frei, es findet kein Badebetrieb statt. Bei schlechtem Wetter wird das Konzert in die Halle in der Hermann-Frey-Straße verlegt. Es spielt die Band Trio Infernale mit Juan, Gerhard, Otto und Matthias.