Patrick und Nicole Mittmann gewinnen nicht nur Bronze bei der Weltmeisterschaft in München. Sie verdienen sich auch die Auszeichnung „Bestes Schmuckstück“. Foto: © GHM/Thomas Plettenberg

Nach gut zehn Monaten Planung, Vorbereitungen, Probebacken ist es auf der iba-Messe für Bäckerei, Konditorei und Snacks in München für Nicole und Patrick Mittmann aus Wildbergs Stadtteil Sulz am Eck soweit. Sie treten gegen elf Teams aus verschiedenen Ländern in der Weltmeisterschaft an. Und die Arbeit, das Training und die Anspannung zahlen sich aus.

Die Aufregung ist groß, erzählt Nicole Mittmann. Plötzlich sitzt beim Frühstück womöglich die Konkurrenz aus China oder Italien am Nebentisch. Obwohl seit Januar die Vorbereitungen laufen, wird erst vor Ort klar: „Jetzt müssen wir abliefern, jetzt gilt’s.“

 

Nicole und ihr Cousin Patrick Mittmann aus Wildberg sind endlich in München angekommen. Dort werden die beiden einige nervenaufreibende Tage verbringen. Denn wieder einmal geht es um die Weltmeisterschaft – die Weltmeisterschaft im Backen.

Aufgrund von Corona ist es schon eine Weile her: 2019 wurden die heute 27-Jährige und der heute 28-Jähriger aus Sulz am Eck Vize-Weltmeister in Rimini. Nur ein Jahr, nachdem sie die Deutsche Meisterschaft gewannen.

Nun stehen sie wieder, aufgeregt und etwas nervös, in der Backstube auf der iba (Weltmesse für Bäckerei, Konditorei und Snacks) in München. Sie treten gegen elf internationale Teams an.

Erste Ideen und Pläne

Im Januar beginnt die lange und anstrengende Reise. Gemeinsam feilen sie an den ersten Ideen. Was für Kleingebäck bietet sich an? Welche Plunderstücke überzeugen nachher die Jury? Während bei ihrer ersten Weltmeisterschaft in Rimini alles genau vorgegeben war, haben die beiden in Deutschland viel Spielraum. Neben wenigen Einschränkungen stehen nur das Motto „The Animal World“ (Die Welt der Tiere) und die vier Kategorien – Kleingebäck, Brot, Plundergebäck und das Schmuckstück – fest, erläutert der 28-Jährige.

„Patrick ist der Kreative von uns beiden“, gibt Nicole Mittmann zu. Die Ideen für das Gebäck liefert meist er. So zum Beispiel für die kleinen Matcha-Frösche mit aufgesetzten Augen und Marmeladenfüllung. Aber an Entwicklung, Umsetzung und Finalisieren sitzen sie dann gemeinsam dran.

Vorbereitung und Training

Und das ist gar nicht so ganz ohne: Denn die beiden Bäckermeister arbeiten Vollzeit in der Bäckerei Holger Wörner in Jettingen. Da muss das Planen und anschließende Training für die Meisterschaft erst einen Platz im Zeitplan finden.

„In China ist das ganz anders“, wissen die beiden. Dort würden die beiden besten Bäcker ermittelt und zwei Jahre lang nur auf die Meisterschaft vorbereitet. So ist das in Deutschland nicht möglich – was Nicole und Patrick aber auch nichts ausmacht.

Also setzen sich die beiden oft nach der Arbeit noch zusammen. „Wir verbringen dann schon auch mal 14 oder 15 Stunden mit Backen“, erzählt die 27-Jährige. Dabei wurden verschiedene Plunder, Kleingebäck wie Brezeln und Brötchen ausprobiert, Brote gebacken und vor allem eines: am Schmuckstück gearbeitet. Dem Herzstück des Wettbewerbs, das Können, Kreativität und im Falle von Mittmanns eine wichtige Nachricht verbindet.

Als es dann an die ersten vollen Probegänge geht, opfern die beiden sogar ihre freien Tage. Zum Glück können die beiden in der Bäckerfachschule Stuttgart üben – siebeneinhalb Stunden lang, genau wie am Wettbewerbstag.

Tage des Wettbewerbs

Da insgesamt zwölf Teams antreten, ist der Wettbewerb auf der iba auf mehrere Tage aufgeteilt. Jedes Team bekommt am Vortag eine Stunde Vorbereitungszeit – für Teige, Füllungen und anderes, erklärt die 27-Jährige – am Tag darauf dann siebeneinhalb Stunden. In dieser Zeit muss alles fertig werden. „Was noch im Ofen ist, zählt nicht“, unterstreicht sie.

Konzentriertes und präzises Arbeiten ist am Wettbewerbstag gefragt. Patrick und Nicole Mittmann arbeiten eng zusammen. Foto: Leon Maier

Nicole und Patrick Mittmann sind erst am letzten Tag dran, also bleibt ihnen genug Zeit, die anderen Teams und ihre Arbeiten zu begutachten. Das sei wirklich nervenaufreibend, betont Nicole. „Boah, China und Korea sind echt stark“, meint ein Besucher – natürlich genau das, was die beiden Sulzer momentan hören wollen. Aber da sie viel Familie, viele Freunde, ihre Partner und auch Fans im Schlepptau haben, haben sie auch viel Unterstützung dabei.

Aufwühlende Back-Stunden

Und dann ist es auch schon soweit: Mittmanns stehen als das Team Deutschland in der Backstube des internationalen Wettbewerbs. Fast schon mit Tunnelblick arbeiten die beiden als das eingespielte Team, das sie sind. Kein Wunder nach jahrelanger Zusammenarbeit – und dann ist da noch die Sache mit der Verwandtschaft.

Genau das ist auch ein Alleinstellungsmerkmal der beiden Sulzer in München. Während andere Teams teils komplett alleine arbeiten, arbeiten sie einander zu und wissen genau, wie der andere tickt und was er braucht. Das merkt auch die Jury und rechnet es ihnen hoch an.

Die siebeneinhalb Stunden vergehen beinahe zu schnell – am Ende sind noch zehn Minuten, um das Schmuckstück fertig zu bekommen. Erneut kommt ihnen die jahrelange gemeinsame Erfahrung zugute. Denn der Globus und der Schmetterling müssen zeitgleich auf das große Schmuckstück gesetzt werden, sonst hält es nicht. In den letzten zwei Minuten fiebert jeder, der Mittmanns zuschaut, mit und hofft auf das Beste.

Und das monatelange Training und die vielen Arbeitsstunden zahlen sich in diesem Moment aus. Das Schaustück steht – dank der Teamarbeit der beiden.

Bronze gehört Deutschland

Mit ihren köstlichen Kreationen und dem Schmuckstück holen Mittmanns Bronze nach Deutschland. Sie liegen nur knapp hinter dem Team aus Südkorea, die Silber erhalten und dem Team aus China, das den Sieg mit nach Hause nimmt. Doch eine weitere große Ehre des Abends: Für ihr Herzstück des Wettbewerbs erhalten Nicole und Patrick Mittmann die Auszeichnung „Bestes Schmuckstück“.

Mit dem Schmuckstück regen Patrick und Nicole Mittmann auch zum Nachdenken an. Sie verdeutlichen, wie sich der Klimawandel auf die Tierwelt auswirkt. Foto: GHM/Thomas Plettenberg

Eine wirklich gelungene Leistung der beiden Sulzer. Die nächsten Tage werden sie sich erst einmal ausruhen. Nach einer so anstrengenden Zeit auch verdient. Also geht es nach ein paar Feierlichkeiten für sie nach Hause, wo sie bereits von vielen Glückwünschen erwartet werden. Und vielleicht die ein oder andere Kreation mitbringen.

Das beste Schmuckstück

„Die Welt der Tiere“
Unter diesem Motto fertigen Nicole und Patrick Mittmann ihr Herzstück an. Das Stück verbindet nicht nur verschiedene Tiere – darunter Bienen, Ameisen, eine Schlange, ein Pferd und ein großer Schmetterling –, Mittmanns wollen mit ihrem Stück eine wichtige Nachricht darstellen: die akute Bedrohung des Klimawandels auf die Welt der Tiere. Das zeigt nicht nur die Uhr in der Mitte, die fünf vor zwölf steht und sagt: „Die Zeit drängt!“ Sondern auch die Ameisen, die Schilder halten mit „Save our world!“ oder das Korallensterben auf dem großen Globus. Ein Schmuckstück, das von ausgezeichneter Technik, Vielfalt und Teamarbeit zeugt.