Vor allem das Wandern boomt beim Tourismus im Teinachtal, wie hier auf dem Fledermauspfad in Neubulach.Foto: Fritsch Foto: Schwarzwälder Bote

Kommunales: Gemeinderat bekommt Bilanz aus dem Corona-Jahr 2020 präsentiert / Sommerfest fällt aus

Die Zahlen im Tourismus-Bericht, den Franziska Bürkle jetzt im Bad Teinach-Zavelsteiner Gemeinderat vorstellte, sind ernüchternd. Überall drückt die Corona-Krise auf die Stimmung. Ein paar Lichtblicke gibt es aber trotzdem.

Bad Teinach-Zavelstein. Das, was die Corona-Pandemie mit dem Tourismus im Teinachtal angerichtet hat, gleicht – um es martialisch zu formulieren – nahezu einem Schlachtfeld. Die Zahlen, die Tourismus-Chefin Franziska Bürkle kürzlich dem Gemeinderat in Bad Teinach-Zavelstein präsentierte, sind tiefrot.

Ein Minus von 39,6 Prozent bei den Ankünften, mit nur 90 024 Übernachtungen ein Zehn-Jahres-Tief, ein errechnetes sattes Minus von 213 679 Euro beim Steueraufkommen durch den Tourismus, 79 abgesagte Veranstaltungen. Kein Wunder also, dass Bürgermeister Markus Wendel sich eingangs lyrischer Durchhalteparolen bediente: "Wo Gefahr ist, da wächst das Rettende auch", zitierte der Rathauschef den Dichter Friedrich Hölderlin.

Und in der Tat: Die Präsentation von Bürkle hatte nicht nur niederschmetternde Zahlen zu bieten. Auch den ein oder anderen Lichtblick gab es im Jahr 2020. So beispielsweise die Phase der Öffnung zwischen dem ersten und zweiten Lockdown. "In den Monaten, wo wir offen hatten, waren die Zahlen besser als im Jahr 2019", erläuterte Bürkle. Und schon damals habe man die – Zitat: "galaktische Zahl" – von 100 000 Übernachtungen überschritten. "Das Urlaubsinteresse ist also geblieben", folgerte Bürkle und untermauerte dies mit einer Statistik, die besagt, dass sich die persönliche wirtschaftliche Lage der Bürger nicht wesentlich verschlechtert habe. Wendel bezeichnete eben diese bessere Phase zwischen 29. Mai und 2. November als "erfreuliches Auflodern" des Tourismus.

Nicht nur das eine gute Nachricht, sondern auch, dass der Inlandsurlaub wegen Corona mächtig zugelegt hat – besonders profitierte hiervon Baden-Württemberg, also auch das Teinachtal im weitesten Sinne. Sowohl Bürkle als auch Wendel glauben fest daran, dass dieser Effekt auch nach Überwindung der Pandemie bestehen bleibt.

Wanderboom festgestellt

Besonders das Teinachtal als Wanderregion boomt regelrecht. Mehr als 10 000 Downloads des Premiumweges "Der Teinacher" verzeichnete man auf der Wanderplattform "Outdooractive", berichtete Bürkle. Der Wanderboom bringt aber auch Probleme mit sich, die besonders im Jahr 2020 ans Tageslicht kamen. Die Parkplatzsituation war das eine, die häufig fehlende Sensibilität für die Natur in Bezug auf Müll das andere.

Das eine Problem bekam man schnell in den Griff, hat im laufenden Jahr in Rekordzeit zwei neue Wanderparkplätze – in Schmieh und am Teufelsbrückle in Bad Teinach – aus dem Boden gestampft. Beim Müllproblem bleibe nur die Möglichkeit, die Leute dafür zu sensibilisieren. Das hat man nun auch mit Hilfe der neuen Wanderkarte getan, in der viele Hinweise zum Umgang mit der Natur zu finden sind.

In der Hochphase des Andrangs im Sommer musste man dann schnell versuchen, die Wanderer in die Breite zu ziehen, um die Corona-Abstände gewährleisten zu können. "So sind die Frei-Gänge entstanden", blickte Bürkle zurück. Gemeinsam mit der Stadt Calw haben die Touristiker breite Wege neu verknüpft, um einige Touristen von den oft engen Premiumwanderwegen wegzulocken.

Derzeit ist man an weiteren Wegen dran. Die "Doinich-Ursprungsrunde", die sich in drei Einzeletappen in jeder Kommune aufsplittet, ist bald fertiggestellt. "Da sind wir im Endspurt. Vor allem in Neuweiler war es ein großer Brocken, da wir viele Wege neu ausschildern mussten", so die Tourismus-Leiterin im Teinachtal. Man hofft hier auf eine Eröffnung im Sommer oder Herbst – je nach weiterem Verlauf der Pandemie und der verhängten Einschränkungen. Auch die Augenblicksrunde im Neuweiler Teilort Oberkollwangen steht wohl kurz vor ihrem Abschluss.

Zum Schluss ihrer Präsentation gab Bürkle noch einen Ausblick in die Zukunft: Für die Zukunftswerkstatt der Jugend, die man im Rahmen des Wettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft" angestoßen hat, haben sich inzwischen schon 30 Jugendliche aus Bad Teinach-Zavelstein gemeldet. Sobald es die Infektionslage zulässt, wird man hier eine Auftaktveranstaltung anberaumen.

Auch weitere Ideen wie ein Mitfahrbänkle oder die Belebung des Kiosk bei der Zavelsteiner Burgruine geistern in der Stadt umher. Was genau wann und wie umgesetzt wird, hängt mehr denn je an der Pandemieentwicklung. Das gilt natürlich auch für die Wiedereröffnung des Tourismus. "Ich hoffe, die Politik gibt sich zeitnah einen Ruck und lässt erste Öffnungen zu, ähnlich wie in Österreich", meinte Bürkle. Trotz allem sei man zuversichtlich, da viele Betriebe die Zeit auch genutzt hätten, um zu modernisieren oder neue Angebote zu schaffen. All das sorge sicher dafür, dass man nach Corona schnell zu alter Stärke finden werden, betonten Wendel und Bürkle einmütig.

Bittere Nachricht am Ende

Man habe im gesamten touristischen Bereich seit Pandemiebeginn das getan, was möglich sei, erkannte Bürgermeister Wendel an – das waren immerhin 29 Veranstaltungen unter strengen Hygieneauflagen.

Eine bittere Nachricht mussten Bürkle und Wendel dann aber doch noch verkünden: Das Sommerfest 2021 wird abgesagt. "Wir müssen, weil es keinen Plan B gibt", stellte Wendel ernüchtert fest. Es sei einfach unrealistisch, dass im Juli 500 Menschen dicht an dicht in einem Partyzelt zusammenkommen können. Also noch eine Veranstaltung, die, wie so viele, ins Jahr 2022 verschoben wird – daran ist man seit dem Corona-Jahr 2020 fast schon gewohnt.

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