Bürger aus Möttlingen haben zusammen mit dem Landratsamt Calw dafür gesorgt, dass Obstbäume an der Landesstraße Richtung Neuhengstett zurückgeschnitten wurden. Foto: Chiari Foto: Schwarzwälder Bote

Natur: Zusammenarbeit mit Landkreis Calw: Engagierte Möttlinger schneiden Obstbäume an der Landesstraße zurück

Obstbäume prägen vielerorts die Landschaft. Allerdings gibt es auch vielerorts das Problem, dass sich niemand mehr um sie kümmert. In Möttlingen sorgen engagierte Bürger in Kooperation mit dem Landratsamt dafür, dass sich das ändert.

Bad Liebenzell-Möttlingen. "Obstbaum-Allee" heißt das Projekt, das sich die Möttlinger vorgenommen haben. Das passt insofern, dass zahlreiche Obstbäume die Landesstraße 179 vom Liebenzeller Stadtteil in Richtung Neuhengstett säumen. Um eben jene etwa 80 Bäume geht es. Uwe Renschler, Möttlinger und im Landratsamt tätig, hatte die Idee, deren Pflege anzupacken, wie Ortsvorsteher Roberto Chiari berichtet. Er nennt sie "Grenzbäume", weil sie zwischen Straße und den landwirtschaftlich genutzten Flächen stehen – auf Grundstücken, die dem Land gehören. In den vergangenen 30 Jahren seien sie kaum gepflegt worden.

Die Idee sei gewesen, "diese Bäume zu retten", sagt Chiari dazu. Das ist nicht nur gut für die Bäume und die Insekten, sondern sieht auch noch schön aus. Der Vorschlag kam beim Ortschaftsrat deshalb gut an.

Der Ortsvorsteher gründete eine WhatsApp-Gruppe, und schnell fanden sich acht Mitglieder zusammen, darunter zwei Landschaftsgärtner, berichtet der Möttlinger. "Ich war sehr positiv angetan über die Bereitschaft der Bevölkerung, mitzumachen".

Rund zehn Stunden hat die Gruppe investiert, sich Ende Februar, Anfang März getroffen und die Obstbäume entlang der L 179 – die Uwe Renschler zuvor markiert hatte – zurückgeschnitten. Das Schnittgut entsorgte anschließend die Straßenmeisterei im Landkreis. Janina Dinkelaker von der Kreisverwaltung spricht von einer "Win-win-Situation".

Die Zusammenarbeit zwischen Hobbygärtnern, die die Obstbäume fachgerecht zurückschneiden, und der Straßenmeisterei stelle im Kreis allerdings eine Sondersituation dar. "Diese hat sich daraus ergeben, dass sich entlang der L 179 sowohl Grundstücke (und damit Bäume) im Landeseigentum, als auch im Privateigentum befinden. Somit wurden die Bäume auf landeseigenen Grundstücken von den Hobbygärtnern beschnitten und Schnittgut von diesen und von den privaten Grundstücken durch die Straßenmeisterei eingesammelt", erklärt Dinkelaker.

Bevor Äpfel vergammeln, darf jedermann zugreifen

Eine "Nachahmung ohne Absprache ist jedoch nicht wünschenswert und auch untersagt", fügt sie hinzu. Denn einfach Schnittgut an den Straßen abzulegen, das sei vergleichbar mit illegaler Müllentsorgung.

Gegen Nachahmung mit Absprache, also wenn das Möttlinger Beispiel Schule machen würde, hätte aber zumindest Roberto Chiari nichts.

Zumal der Ortschaftsrat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen habe, in Sachen Obstbäume noch einen Schritt weiter zu gehen: Die etwa 80 Exemplare sollen Teil der Aktion "Gelbes Band" werden.

Das Ernteprojekt ist im Landkreis Esslingen entstanden. Dort werden Bäume, die von jedermann abgeerntet werden dürfen, weil die Früchte sonst verrotten würden, mit einem gelben Band gekennzeichnet. Das Band zeigt: Hier darf sich bedienen, wer möchte.

"Es gibt zunehmend viele Bäume, die zur Erntezeit verkümmern", sagt Chiari, auch in Möttlingen. "Das ist schade." Die rund 80 Stück entlang der L 179 sollen deshalb künftig ein gelbes Band tragen. Außerdem wird die Pflege-Gruppe sich weiterhin um sie kümmern.

Darüber hinaus wollen die Ortschaftsräte das Projekt ausdehnen. Auch private Baumbesitzer sollen angesprochen werden. Roberto Chiari schätzt, dass es weitere 50 bis 100 Bäume geben könnte, deren Besitzer froh sind, wenn jemand die Äpfel oder Birnen pflückt, die sonst vergammeln würden. Noch eine Win-win-Situation.

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