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Bad Herrenalb Unerschütterlicher Glaube in Siebentäler Therme

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In die Therme wird nochmal kräftig investiert. Foto: Siebentäler Therme Bad Herrenalb

Bis zu 9,5 Millionen Euro will sich die Stadt Bad Herrenalb eine Sanierung der Siebentäler Therme maximal kosten lassen. Wie so das jährliche Defizit gesenkt und die touristische Attraktivität gestärkt werden sollen, lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.

Bad Herrenalb - "Ja zur Therme, aber nicht um jeden Preis", erklärte der damalige Bürgermeister-Kandidat Klaus Hoffmann noch im vergangenen Herbst im Interview mit dem Schwarzwälder Boten. Wie hoch der Preis für den Erhalt der Therme ist, hat die Verwaltung nun festgesetzt: Mit dem Vorschlag, bis zu 9,5 Millionen Euro in eine Sanierung beziehungsweise Weiterentwicklung der Therme zu stecken, versuchte der Rathauschef jüngst eine Mehrheit im Gemeinderat hinter sich zu bringen. Mögliche Fördergelder sollen den städtischen Anteil an der Summe senken. Damit, so zeigte es Hoffmann auf, solle das jährliche Defizit von rund einer Million Euro bis zum Jahr 2031 auf rund 690.000 Euro gedrückt werden.

Als Grundlage für das Rechenmodell diente der Verwaltung ein bereits bestehendes Erneuerungskonzept der Firma Dorena aus dem Jahr 2019. Wesentliche Punkte wie den Ausbau von Saunalandschaft und Gastronomie finden sich in beiden Konzepten wieder. Ein teurer Soledom, wie er von Dorena erwogen worden war, fällt im Konzept der Verwaltung jedoch hinten runter. Nach dem Dorena-Modell fiele das jährliche Defizit im Jahr 2031 mit rund 500.000 Euro zwar deutlich geringer aus. Doch das Unternehmen verschrieb der Therme auch großzügige Sanierungskosten in Höhe von rund 15 Millionen Euro.

Hitzige Diskussion

"Das ist handwerklich einfach falsch", ärgerte sich Stadtrat Andreas Tockhorn (Grüne PLUS) nach den Ausführungen des Bürgermeisters. "Dorena hat ein in sich konsistentes Konzept vorgelegt. Sie skelettieren das einfach und lassen genau die Themen weg, die den Unterschied zu anderen Thermen ergeben haben. Aus einem originären Produkt machen Sie ein Allerweltsprodukt." Und daher könne die Kalkulation auch nicht aufgehen.

Gertraud Maier (UBV) unterstrich, dass es zunächst um einen Grundsatzbeschluss gehe, ob das Gremium hinter dem Erhalt der Therme stehe oder nicht. Denn vorgestellt hatte die Verwaltung neben der priorisierten Variante der Sanierung auch weitere Alternativen wie die Fortführung ohne Investition (11 Millionen Euro Unterhaltskosten bis 2030), den Abriss (5,8 Millionen Euro), die Stilllegung (fünf Millionen Euro) und den Verkauf. Für Letzteres, stellte Hoffmann allerdings klar, seien keine Investoren in Sicht.

"Thermen schreiben immer Verlust"

Maier und auch Hoffmann machten klar, dass ohne eine solche Grundsatzentscheidung kein vollständiges Konzept und auch kein schlüssiger Businessplan zu erstellen seien. "Thermen schreiben immer Verlust", sagte Maier, "Doch es geht um etwas viel essenzielleres als nur Zahlen, Daten, Fakten." Der Rückbau der Therme sorge für eine schlechte Außenwirkung der Stadt. Das könne Investoren und auch Privatleute verunsichern. "Jeder, der Geld investiert, will wissen, was in der Zukunft kommt", so Maier weiter. Sie werde deshalb mit vollem Selbstbewusstsein für den Verwaltungsvorschlag stimmen.

Rüdiger König (UBV) widersprach seiner Fraktionskollegin vehement: Die wirtschaftliche Lage Bad Herrenalbs sei so schlecht, dass die Stadt nicht in der Lage sei, Zins und Tilgung für die riesige Investition aufzubringen. Mit all den Investitionen, die man in der Vergangenheit bereits in die Therme gesteckt habe, sei man auf keinen grünen Zweig gekommen, die Besucherzahlen würden seit Jahren sinken. "Wer heute Abend dieser Vorlage zustimmt, stimmt dafür, dass uns der Schuldenberg irgendwann erdrückt", appellierte König an das ­Gremium.

Dorothea Müller (Grüne PLUS) stieß in dasselbe Horn: "Wenn man daran denkt, dass 2001 und 2010 bereits millionenschwer in die Therme investiert worden ist und sich das in den operativen Zahlen nicht widergespiegelt hat, dann wundert mich schon, was das Dorena-Konzept jetzt davon abheben sollte." Sie sei zwar keine ausgesprochene Thermen-Gegnerin, doch sie wünschte sich ein besseres Konzept der Verwaltung, "damit unsere Nachkommen nicht mit einem millionenschweren Schuldenberg dastehen".

Mehrheit stimmt für Sanierung der Therme

Nach Ansicht von Hermann Ruff (Grüne PLUS) komme eine solche Entscheidung zum falschen Zeitpunkt. "Ich bin der Meinung, so eine Jahrhundert-Entscheidung können wir in einer Situation, wie wir mit der weltweiten Pandemie gerade sind, nicht treffen." Als Sozialdemokrat gehe es ihm auch um die "eigentlichen Leidtragenden": die 25 Beschäftigten der Siebentäler Therme.

Doch um eine Entscheidung kamen die Stadträte nicht herum. Nach gut zwei Stunden intensiver und emotionaler Diskussion war der Redebedarf erschöpft.

Nach einem Antrag von Stadtrat König wurde der Grundsatzbeschluss in einer namentlichen Abstimmung getroffen. Und diese fiel denkbar knapp aus. Am Ende waren es sieben zu fünf ­Stimmen, die für eine Sanierung der Therme nach Vorschlag der Verwaltung plädierten.

Mit diesem Grundsatzbeschluss kann die Verwaltung nun arbeiten, ein richtiges Konzept erarbeiten und einen Businessplan erstellen lassen. All das ist Grundlage für den Antrag auf Fördermittel, die dann unter Umständen auch fließen könnten. Nicht umsonst sagte Hoffmann nach dem Beschluss: "Die wirkliche Arbeit beginnt jetzt."

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